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Vorstandsvorlage

Notfall Krankenhaus

Notfall Krankenhaus

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  • Management
  • 16.10.2019

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Ausgabe 10/2019

Seite 899

Kai Hankeln

Fleiß und Aktionismus mit Gesetzen im zweiwöchigen Takt können nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur in Bau und Verkehr, sondern auch im deutschen Gesundheitswesen einiges „außer Betrieb“ ist. Appelle gegen eine Ökonomisierung sind wohlfeil, liegen im Trend, verbessern aber nichts – außer dem Gewissen der Unterzeichner. Denn die wirklichen Probleme durch den Reformstau seit Einführung der Fallpauschalen reichen viel tiefer und erfordern entsprechend größere Eingriffe: Wir haben zu viele Krankenhäuser, zu viele Patienten, die dort nicht hingehören, zu wenig Fachkräfte und zu wenig finanzielle Mittel in beiden Bereichen der dualen Finanzierung.

Nicht erst seit der Bertelsmann-Studie ist bekannt, dass sich Deutschland zu viele Kliniken leistet. Die Politik will das offenbar lösen, ohne das Problem anzupacken. Also wird der ökonomische Druck generell erhöht, um den Markt zu bereinigen. Damit es nur die unerwünschten Häuser betrifft, werden wohlgelittene wettbewerbsverzerrend unterstützt, um sie zu stärken – oder um es ihnen zu ermöglichen, gezielt ganze Abteilungen von hohem Renommee woanders abzuwerben, wie wir es jetzt in Nordrhein-Westfalen hautnah erlebt haben.

Neben diesem politisch gewollten Wirtschaftsdarwinismus bei den Investitionen verschärfen auch die Kostenträger den Druck, indem sie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) als Inkassotrupp missbrauchen und jedes neue Gesetz wie zum Beispiel das Personalstärkungsgesetz als Steilvorlage für weitere Erlösreduzierungen einsetzen. Wie Discounter drücken sie die Preise für den laufenden Betrieb und sind damit – das muss man anerkennen – im internationalen Vergleich einsame Spitzenklasse. Das führt als Nebenwirkung zu einer überbordenden Bürokratie und Misstrauenskultur. Zugleich ertrinken deutsche Klinikmitarbeiter in Arbeit, weil die Notaufnahmen voll sind mit Patienten, die gar keine Notfälle sind. Mit deren ambulanter Versorgung sind die Kassenärztlichen Vereinigungen aber offenbar überfordert – oder sie wollen diese trotz des Rekordes an Praxisbesuchen gar nicht versorgen.

Weil die aufgezeigten Baustellen miteinander zusammenhängen, wird dieses ständige gesundheitspolitische Klein-Klein nicht ein einziges Problem wirklich lösen, sondern die Situation nur weiter verschärfen. Was wir jetzt brauchen ist eine Strukturreform des gesamten Gesundheitssektors mit einer rationalen und transparenten Konsolidierung auf eine deutlich geringere Zahl an Kliniken. Sektorengrenzen gehören abgeschafft, die Krankenhausplanung in Bundeshand, auch um Interessenkonflikte bei einer Klinikträgerschaft der Länder zu vermeiden.

Die Politik sollte Capitation-Modelle schaffen und deren Finanzierung bevorzugt sichern. Der Fachkräftemangel ist nur zu lösen, indem Kliniken bei der Akquise ausländischer Fachkräfte vorbehaltlos unterstützt werden und der bürokratische Aufwand endlich reduziert wird. Eine zügig vorangetriebene Digitalisierung aus einem Guss ist überfällig. Mit der demografischen Entwicklung steht eine richtige Belastungsprobe für unser Gesundheitssystem vor der Tür. Und sobald uns die nächste Rezession mit voller Wucht trifft, wird das ganze System ohne die aufgezeigten Maßnahmen nicht nur unbezahlbar, nein, es wird komplett kollabieren. Und niemand soll dann behaupten, das hätte man ja nicht voraussehen können.

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