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Gesundheitsakte FallAkte Plus

Gesundheitsakte FallAkte Plus

  • f&w
  • IT-Branchen-Report
  • 23.11.2017

f&w Beilage

Ausgabe 11/2017

Seite 12

Der einfache Zugriff auf Patientendaten würde die intersektorale Versorgung um einiges erleichtern. Hier setzt das Projekt FallAkte Plus an: Mithilfe einer Plattform können Patienten medizinische Dokumente erhalten und verschiedenen Einrichtungen elektronisch zur Verfügung stellen – die Grundlage für eine vom Patienten selbst geführte Gesundheitsakte.

Projekt-Partner: Universitätskliniken Schleswig-Holstein, Jena, Düsseldorf, Aachen
Industrie-Partner: CGM, Synagon

Das EF-Projekt hat sich Patientenbeteiligung beim Datenaustausch im Rahmen der intersektoralen Versorgung zur Aufgabe gemacht. Dafür wird auf Basis der FallAkte Plus, einer bestehenden intersektoralen Daten-Austausch-Plattform, der Datenaustausch mit der Gesundheitsaktenlösung CGM LIFE realisiert. So kann der Patient für eine von ihm geführte elektronische Akte medizinische Dokumente aus dem Behandlungsprozess erhalten.

Während im Alltag der digitale Wandel unübersehbar Einzug hält, ist der Datenaustausch im Gesundheitswesen aus Perspektive der Patienten fast immer noch so papierbasiert wie vor 20 Jahren. Die Politik hat schon mehrere Anläufe genommen, dies zu ändern, unter anderem mit dem Ende 2015 beschlossenen E-Health-Gesetz. Dieses soll die Bereitstellung von Daten der Patienten (zum Beispiel Arztbriefe) in einer elektronischen Patientenakte fördern.

Genau das hat sich das EF-Projekt vorgenommen: Auf Basis einer bestehenden Daten-Austausch-Plattform (der FallAkte Plus) soll dem Patienten eine vom ihm geführte elektronische Akte für alle seine medizinischen Dokumente angeboten werden. Aus Sicht der am einrichtungsübergreifenden Datenaustausch Beteiligten eine Ergänzung um einen weiteren Akteur, aus Sicht der Patienten eine ganz neue Art der Beteiligung und Kommunikation mit den Gesundheitsdienstleistern.

Hierbei ist die Herausforderung zu meistern, zwei Architekturkomponenten miteinander zu verbinden. Während aufseiten der Gesundheitsdiensteanbieter institutionelle elektronische Fall­akten geführt werden, kennt ein Teil der Bürger bereits persönliche Gesundheitsakten. Die elektronischen Fallakten werden in der Regel durch angeschlossene Produktivsysteme wie das Krankenhausinformationssystem in Akutkrankenhäusern und Reha-Einrichtungen oder Arztinformationssysteme in Praxen befüllt und genutzt. Die in der Souveränität der Bürger liegenden Gesundheitsakten hingegen werden häufig durch eigene Erfassung (zum Beispiel auch durch Wearables) gespeist.

Die gegenseitige (autorisierte) Anreicherung der jeweiligen Akten wird im Lösungsansatz technisch durch eine gezielte Übergabe von Fallaktendaten an die Gesundheitsakte und vice versa gelöst. Dabei ist eine technische Übergabe durch Interoperabilität zu schaffen. Im konkreten Fall zwischen der FallAkte Plus nach eFA-Standard, basierend auf der Fallaktenlösung CGM JESAJANET, und der Gesundheitsaktenlösung CGM LIFE. Zusätzlich gilt es, einen Prozess zu etablieren, der es den Beteiligten im gelebten Workflow ermöglicht, (teil)automatisiert die Übergabe gewünschter Informationen zu übertragen. Zu diesem Zweck wird im Projekt eine sichtbare Zwischenebene geschaffen, die dem Bürger ermöglicht, Daten aus elektronischen Fallakten zu nutzen und auch Informationen für die eigene Behandlung aus der persönlichen Akte zur Verfügung zu stellen. Am Ende soll so ein abgestimmtes Konstrukt aus KIS, Fallakte, Patientenportal und persönlicher Gesundheitsakte entstehen.

Sichere Plattform in Jena

Am Universitätsklinikum Jena ist die hauseigene IT-Strategie auf die Umsetzung einer „Vendor-Neutral Architecture“ (VNA) als Plattform für eine hochgradig standardisierte Archivierung und Kommunikation medizinischer Daten und Dokumente – basierend auf IHE-Profilen, HL7 CDA und HL7 FHIR – fokussiert. Diese Plattformstrategie soll das Zusammenspiel zwischen medizinischen Anwendungen des Klinikums mit den Anforderungen aus einer patientengeführten Akte erleichtern. Mit dem bestehenden Patientenportal des Universitätsklinikums Jena ist zudem eine Serviceplattform vorhanden, auf deren Basis verschiedene Anwendungen für den Patienten über einen sicheren Kommunikationsweg bereitgestellt werden können. Im Rahmen dieses Integrationsprinzips liefert das Patientenportal die Grundlage für die patientengeführte Gesundheitsakte mit der CGM LIFE-Plattform.

Nach Einwilligung und einer Registrierung für die Aufenthaltsnutzung (inklusive der Möglichkeit der Nutzung als Dauerakte) können die Patienten auf dieser Plattform eigene Informationen und Unterlagen (Vitalwerte, Patiententagebuch, Schmerztabellen, Gewichtsmessungen) zur Verfügung stellen sowie bereitgestellte medizinische Dokumentationen (Medikationspläne, Entlassbriefe etc.) abrufen. Durch die Übertragung über das Patientenportal in die VNA unter Nutzung verschiedener Sicherheitszonen und Übertragungen durch Kommunikationsserver ist eine gesicherte und standardisierte Kommunikation der sensiblen Daten gewährleistet. Weitere Anwendungen sind für das Patientenportal geplant, zum Beispiel Online-Check-in, Gebäudenavigation, Patientenaufklärung und -anamnese, Terminanfrage.

Schneller Bildversand in Aachen

Seit 2010 betreibt die Uniklinik RWTH Aachen die FallAkte Plus als gemeinsame Behandlungsplattform der zuweisenden Krankenhäuser, der kooperierenden Reha-Kliniken und der Fachabteilungen der Uniklinik. Ein Beispiel ist das eFA-Anwendungsszenario im Bereich Kardiologie und Herzchirurgie. Hier können die Spezialisten an der Uniklinik Bilder und Herzkatheterfilme befunden, die in peripheren Krankenhäusern aufgenommen wurden. Der eFA-Zugang liefert einen sofortigen Zugriff auf die Bilder von Arzt-Arbeitsplatz zu Arzt-Arbeitsplatz in den beteiligten Krankenhäusern. Der Zusatznutzen zu einem einfachen Bildversand besteht darin, dass die FallAkte Plus wichtige Kontext-Informationen zum Patienten und seiner Erkrankung in Form einer temporären Patientenakte automatisch mit bereitstellt. Sie bietet dem Spezialisten somit eine optimale Basis für eine fundierte Behandlungsempfehlung – weitaus besser, als das ohne eFA über die Distanz möglich wäre. Die Weiterbehandlung des Patienten, bei Bedarf mit kurzzeitiger Verlegung in die Uniklinik zur Operation, schließt sich nahtlos an. Bei der Rückverlegung wiederum stehen den Kardiologen und Internisten im peripheren Krankenhaus alle wesentlichen Informationen über ihren Patienten über eFA ohne Zeitverzug zur Verfügung.

Die Zusammenstellung von relevanten Daten zu einem Diagnose- und Behandlungskontext erfolgt somit bereits seit Jahren, allerdings werden diese Informationssammlungen nach Schließen einer temporären FallAkte wieder gelöscht. Die Übergabe der Akteninhalte an den Patienten erlaubt ihm nunmehr, ohne Zusatzaufwand diese Daten selbstbestimmt zu speichern und gegebenenfalls an weitere Leistungserbringer weiterzugeben – und dies ohne Zusatzaufwand für die behandelnden Ärzte.

Mit der Gesundheitsaktenlösung CGM LIFE und der FallAkte Plus für die intersektorale Kommunikation zwischen Einrichtungen des Gesundheitswesens stehen im Projekt zwei etablierte Lösungen zur Verfügung, auf deren Basis sich die Patientenbeteiligung durch technische Schnittstellen für den Datenaustausch technisch realisieren lässt. Für eine erfolgreiche Patientenbeteiligung ist aber nicht nur die technische Machbarkeit relevant, vielmehr müssen auch Geschäftsprozesse das Befüllen und Nutzen der Daten berücksichtigen. Die technischen Herausforderungen sowie die Prozessintegration scheinen lösbar. Keine Erfahrungen bestehen indes mit einem „Akteur Patient“ in der Kommunikationsbeziehung; hier werden die gesammelten Erfahrungen mit der Patientenbeteiligung wesentlich für die Weiterentwicklung sein. Nimmt der Patient eher eine passive Rolle ein, muss die Plattform vor allem die Datenübertragung in die Akte des Patienten automatisieren. Werden hingegen vom Patienten auch verstärkt eigene, für den Behandlungsprozess relevante Dokumente zur Verfügung gestellt, benötigen hier die Ärzte mit geeigneten Algorithmen bei der Bewertung Unterstützung. Auf jeden Fall aber wird eine Intensivierung der Patientenbeteiligung für Krankenhäuser eine lösbare Herausforderung der kommenden Jahre sein.

 

Das Projekt-Team

  • Dr. Silke Haferkamp, Dieter Turiaux, Uniklinik der RWTH Aachen
  • Dr. Tim Becker, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
  • Andreas Henkel, Danny Ammon, Universitätsklinikum Jena
  • Wolfram Schwarz, Dr. Wolfgang Fritsch, Universitätsklinikum Düsseldorf
  • Michael Franz, Carsten Fehlen, CGM Clinical Deutschland GmbH
  • Dr. Andreas Zimolong, Synagon

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