339
Passwort vergessen

Interdisziplinäres Datenmanagement

Erhöhung der Patientensicherheit durch Digitalisierung 4.0

Erhöhung der Patientensicherheit durch Digitalisierung 4.0

  • f&w
  • IT-Branchen-Report
  • 24.11.2017

f&w Beilage

Ausgabe 11/2017

Seite 14

Sicheres Dispensieren mittels Scanvorgang

Ein intelligentes Scan-Programm verknüpft Patientensicherheit mit Krankenhauslogistik. Leistungen, Produkte und logistische Prozesse werden direkt dem Patienten zugeordnet, dokumentiert und die Daten in time bereitgestellt.

Klinik-Partner: St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen, Klinikum Ingolstadt, Elbe-Kliniken Stade-Buxtehude, Schulthess Klinik Zürich
Industrie-Partner: Medprocess AG

Das vom St. Marienkrankenhaus Ludwigshafen initiierte Schlüssel-Thema zur Erhöhung der Patientensicherheit steht offensichtlich bei vielen Kliniken auf der Prioritätenliste ganz oben, so haben sich doch gleich noch drei weitere Häuser in dieses Projekt eingewählt. Die ursprünglichen Projektziele waren die Umsetzung des Vier-Augen-Prinzips beim Dispensieren und Verabreichen von Arzneimitteln sowie Fehler zu vermeiden und eine sichere Dokumentation bei gleichzeitiger Optimierung des gesamten Prozessablaufs durch Handscanvorgänge zu gewährleisten.

Sehr schnell hat sich allerdings herausgestellt, dass mit einem intelligenten Scan-Programm mehr als nur diese Ziele erreicht werden können und auch sollten. Etliche Randprozesse wie die Gestaltung des elektronischen Medikationsplans, die Inhouse-Logistik, das Bestellwesen, die Schrankversorgung, die Chargenrückverfolgung etc. tangieren diesen Bereich. Um den Projektumfang nicht zu sprengen, wurden diese für die Umsetzung im Pilotprojekt zunächst zurückgestellt. Der Fokus liegt jedoch weiterhin auf einer gesamtheitlichen Lösungsvariante zur Integration aller Prozesse. Unterteilt ist der Prozessablauf der Medikation in diesem Projekt zunächst in zwei Schritte:

  1. Richten des Dispensers
  2. Vergabe an den Patienten

 

Das Team hat sich darauf geeinigt, dass beim Dispensieren ein iPad mit 2D-/RFID-Scanner auf einer drehbaren Aluminium-Halterung zum Einsatz kommen soll, wodurch beide Hände frei zum Richten der einzelnen Tagesdosen wären. Bei der Verteilung ans Patientenbett soll ein Handscanner mit Bumper-Schutz auf iPod-Basis, der in jede Jackentasche passt, diese Funktion übernehmen. Beide Gerätetypen hat der Industriepartner Medprocess AG bereits seit einigen Jahren im Einsatz. Über WLAN sind die Geräte immer online und werden mit allen notwendigen Informationen zum Patienten aktualisiert, die Funktionsfähigkeit der Gesamtlösung ist zusätzlich auch im WLAN-Schatten gegeben.

Die Kommunikation der mobilen Geräte erfolgt ausschließlich über eine eigene Serverinstanz der Medprocess AG, installiert in der Krankenhaus-IT, welche über eine HL7- oder csv-Schnittstelle (hier im Projekt auf csv vereinheitlicht) den Datentransfer mit der hauseigenen IT-Infrastruktur (ERP- und KIS-Systeme) gewährleistet.

Verknüpfung von Stammdaten mit Leistungen

Mit dem iScanProTM sind alle diese Anforderungen erfüllt, zusätzlich können die Anordnungen/Verordnungen mit den Leistungen und den logistischen Prozessen mittels Handscan-Vorgängen schnell miteinander verknüpft, dokumentiert und dem Patienten direkt zugeordnet werden. Alle Daten werden digital, systematisch und sicher erfasst und verarbeitet und verbleiben im Haus. Die Intelligenz steckt dabei nicht im Abblitzen von Barcodes, sondern in der Verknüpfung der Stammdaten mit den variablen Daten und der In-time-Bereitstellung der Ergebnisse an allen definierten Schlüsselpositionen.

Jeder Schritt im gesamten Prozessablauf wird mit einem Zeitstempel dokumentiert, die Berechtigungen zu einzelnen Tätigkeiten sollen Batchs der Mitarbeiterkennung in Verbindung mit einer PIN-Eingabe gewährleisten. Bereits beim Dispensieren findet ein Verbrauchscontrolling statt, über das auch Vorschläge für die Medikamentenbestellung erfolgen; diese werden dann über alle Stationen kumuliert bereitgestellt. Ebenso ist die Chargenrückverfolgung durch die Scan-Zuordnung zur Fallnummer gewährleistet.

Eine Verordnung kann gegebenenfalls auch auf Wirkstoffbasis erfolgen, da im Hintergrund ein Abgleich mit den Wechselwirkungen (rote Liste) oder auch mit Substitutionsprodukten erfolgen kann. Auf diese Zusatzfunktionalität wurde im Pilotprojekt allerdings noch verzichtet. Da bei einem der Klinik-Partner der Medikationsplan in Papierform vorliegt, wurde ein Zusatzmodul zur Umsetzung in einen elektronischen Medikationsplan aufgesetzt. Ein weiteres zusätzliches Feature, welches nicht zu den Vorgaben in diesem Projekt zählt, sich jedoch als äußerst nützlich und effizient erweist, ist die Hinterlegung unterschiedlicher, individuell zu erstellender Prozesse. So kann beispielsweise der Prozess „Rückführung des Dispensers aufgrund Medikationsplanänderung“ hinterlegt und auf dem iScanProTM von der Pflegekraft abgerufen werden.

Multifunktionaler intelligenter Handscanner

Ebenso können Mitarbeiter über das Gerät Nachrichten beziehungsweise aktuelle Anweisungen versenden, zum Beispiel „Laborwerte sind auffällig, ab sofort kontrollierte Medikamenteneinnahme“. Auch kann ein allgemeiner Informationsaustausch beispielsweise zu einem Notruf erfolgen. Es ist möglich, zu telefonieren oder für speziell freigeschaltete Geräte eine Bluetooth- oder Internetverbindung herzustellen. Während des Sommer-Camps der ENTSCHEIDERFABRIK hat der Industrie-Partner Medprocess AG einen Proto­typen zum Schlüssel-Thema Patientensicherheit vor- gestellt, auf dessen Basis dann im Team die weiteren Optimierungen erfolgten.

Definition des Ablaufs der Dispensierung:

  • Medikationsplan wird geladen, Fallnummer mit Dispenser-Label vereint.
  • Das Medikament wird gescannt mit Prüfung auf richtig/falsch.
  • Nach Einlage der Tabletten in der jeweiligen Dosis in die einzelnen Dispenser-Boxen erfolgt eine Bestätigung auf dem Bildschirm, die jeweilige Box ändert ihre Farbe auf Grün.
  • Die Beendigung des gesamten Richtprozesses dieses Dispensers für diese Fallnummer wird nochmals bestätigt.


In der Gestaltung des Bildschirms hat sich das Team schnell auf ein realitätskonformes Dispenser-Design geeinigt, siehe auch Abbildung:

  • Vier Boxen für die Tagesgaben (morgens/mittags/abends/nachts) im Mittelfeld des Bildschirms.
  • Im Feld oberhalb dieser Boxen steht der Name des Medikaments, welches gerade eingescannt wurde und gerichtet wird.
  • Die Anzahl der Tabletten dieses Medikaments steht in der jeweiligen Box.
  • Unterhalb der Boxen besteht ein Freifeld für besondere Mitteilungen, beispielsweise auch „Gabe zweistündlich“.
  • Für die Medikamentengabe in Tropfenform oder die stündliche Gabe gibt es einen gesonderten Prozess.

Nun erfolgt der Rollout in die einzelnen Häuser zum intensiven Test auf Station. Der Industrie-Partner integriert in dieser Zeit das neue Modul in seine bereits etablierten Logistik-Module, sodass noch in diesem Jahr alle Mo­dule – e-med und Patientensicherheit, Optimierung der OP-Prozesse, Logistik- und Einkaufsmanagement – zur Implementierung zur Verfügung stehen sollen.

Das Projekt-Team

  • Volker Böttcher, St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus Ludwigshafen
  • Dr. Armin Ortlam, Elbe-Kliniken Stade-Buxtehude
  • Thomas Kleemann, Klinikum Ingolstadt
  • Frank Brüggemann, Schulthess Klinik Zürich
  • Hans-Peter Stier, Medprocess AG
  • Dr. Jochen Groppe, Projektleiter der ENTSCHEIDERFABRIK

Klinik-Newsletter abonnieren

Die wichtigsten News aus Krankenhäusern und der Gesundheitswirtschaft direkt in Ihr Postfach - täglich und kostenfrei!
Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich