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Elektive Patientenaufnahme

Die digitale Signatur

Die digitale Signatur

  • f&w
  • IT-Branchen-Report
  • 24.11.2017

f&w Beilage

Ausgabe 11/2017

Seite 18

 

Ein spezielles Unterschriftenverfahren soll die Patientenaufnahme in Kliniken erleichtern. Denn es ermöglicht Patienten, ohne Signaturkarte elektronisch zu unterschreiben. Das Verfahren wird in ein zentrales Managementsystem im KIS- und Subsystemumfeld der beteiligten Kliniken eingebunden und dort evaluiert.

Klinik-Partner: Universitätskliniken Münster und Rostock, Klinikum Braunschweig
Industrie-Partner: Bundesdruckerei GmbH, synMedico GmbH, identity Trust Management AG

Für rund 97 Prozent der Dokumentationsprozesse in den Kliniken besteht kein Schriftformerfordernis oder ist der Patient als Kunde nicht mit einer Unterschriftenerfordernis eingebunden. Hier gibt es in den KIS und Spezialsystemen bereits ein großes Angebot an Möglichkeiten zur Gestaltung originär elektronischer Prozesse. Sobald eine Schriftformerfordernis aber gegeben ist, zum Beispiel bei Wahlleistungsverträgen, Aufklärungsdokumentationen oder Einverständniserklärungen, muss in den meisten Fällen in die papierbasierte Dokumentation zurückgekehrt werden, und es entstehen Medien- und Prozessbrüche. Die Herausforderung ist folglich die elektronische Abbildung signaturbehafteter Prozesse mit einer möglichen mobilen Bereitstellung von Formularen, die darüber hinaus auch den Patienten in die Lage versetzen, ad hoc qualifiziert, das bedeutet compliencegerecht, zu unterschreiben und damit der geforderten Schriftformerfordernis zu genügen.

Ziel ist es, mit einem System ein mobiles Formularmanagement anbieten zu können, das alle aus Subsystemen gelieferten Formularvorgänge zentral verarbeiten kann, systemeigene parametrierte Formulare zur Anwendung bereitstellt, im Bedarfsfall die Erzeugung elektronischer Signaturen unterschiedlicher Signaturniveaus bis hin zur qualifizierten Signatur ermöglicht und final das abgeschlossene Dokument an ein revisionssicheres Archiv beziehungsweise Patientenverwaltung (KIS) protokolliert übergibt.

Die eIDAS (EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste) ermöglicht zum einen eine qualifizierte persönliche Vier-Augen-Identifizierung und zum anderen die Ablage eines Identifikations- beziehungsweise Unterschriftenzertifikates in einer sicheren Umgebung. Somit ist es nun möglich, eine natürliche Person nach Durchlaufen eines rechtskonformen Identifikationsverfahrens mit umgehender Erstellung und Bereitstellung eines Unterschriftenverfahrens in die Lage zu versetzen, ohne Signaturkarte qualifiziert elektronisch zu unterschreiben. Dieses Identifikations- und Signaturverfahren soll in ein geeignetes zentrales Formularmanagementsystem im KIS- und Subsystemumfeld in den beteiligten Kliniken Braunschweig, Rostock und Münster eingebunden und anhand des Wahlleistungsvertrages evaluiert werden.

Personal für den Prozess qualifizieren

Bei der elektiven Patientenaufnahme sind seitens des Patienten und der Mitarbeiter im Rahmen des Aufnahme­gesprächs in der Regel mehrere Dokumente zu unterschreiben. Darüber hinaus bestehen im Rahmen des Aufnahmeprozesses und angrenzender nachgeschalteter Vorgänge auf der Station besondere Anforderungen an die Mobilität (Wahlleistungsverträge, Einverständniserklärungen etc.). Der erste Schwerpunkt des Projekts ist es, die für das elektronische Unterschreiben im Internet notwendigen Schritte (Laden Signaturzertifikat, Erstellung qualifizierte elektronische Signatur) in den Prozess der Patientenaufnahme zu integrieren und das Klinikpersonal für den Prozess zu qualifizieren und freizuschalten (Abbildung 1).

Unter dem Produktnamen „sign-me“ und dem dahinterliegenden Identifikationsverfahren identity PoS beabsichtigt die Bundesdruckerei, als erster Anbieter am Markt den vollständig medienbruchfreien, transaktionsbasierten Ad-hoc-Prozess der Online-Identifikation mit integriertem Vertragsabschluss ohne einschränkende System- voraussetzungen an den Endnutzer zu platzieren (Abbildung 2).

 

Das Formularmanagementsystem der Firma synMedico stellt neben der notwendigen Datenübernahme aus dem KIS-System die für die Patientenaufnahme notwendigen Formulare, insbesondere die hier zu erprobenden Wahlleistungsverträge (mit Schriftformerfordernis), auf einem mobilen Endgerät (unter dem Betriebssystem Apple iOS) bereit. Die gesamte Formularbearbeitung wird inhaltlich logisch geprüft und die Bearbeitung intern protokolliert. Mit Abschluss des Formularvorgangs wird dieses mit einem Zeitstempel versehen, an das revisionssichere klinische Archiv übergeben und nach vordefinierten Parametern in den KIS-Systemen bereitgestellt. Mit dem beschriebenen Prozess werden die Verkehrsfähigkeit (Authentizität, Integrität) und die unmittelbare zuverlässige systemweite rollenbasierte Verfügbarkeit der Dokumente sichergestellt.

Pilotprojekte sind bereits gestartet

In den beiden Universitätsklinika Münster und Rostock sowie am Klinikum Braunschweig sind in der Zwischenzeit die technischen Infrastrukturen im Umfeld der beiden KIS-Systeme Orbis (Fa. Agfa) und IS-H/i.s.h.med (Fa. Cerner) aufgebaut und jeweils Pilotprojekte gestartet. Die Mitarbeiter des Klinikums Braunschweig haben sich nach dem Start des Projekts sehr positiv geäußert. Der Prozess passt in die Abläufe der elektiven Patientenaufnahme vor Ort und erleichtert das Aufnahmeprozedere dank der Verfügbarkeit und Bereitstellung aller Unterlagen erheblich. Besonders die Reduktion der Ausdrucke entlastet die Mitarbeiter deutlich. Auch bei den Patienten gab es eine fast einheitlich positive Resonanz. Auch aus dem Bereich des Controllings gab es bezüglich der Verfügbarkeit der Dokumente großes Lob. Nach entsprechenden internen Prozessbesichtigungen gibt es bereits weitere Anforderungen aus anderen klinischen Bereichen.

 

Das Projekt-Team

  • Dr. Gregor Hülsken, Universitätsklinikum Münster
  • Dr. Christoph Seidel, Klinikum Braunschweig
  • Thomas Dehne, Universitätsmedizin Rostock
  • Jürgen Bosk, Competence Center für die elektronische Signatur im Gesundheitswesen
  • Dr. Andreas Beß, promedtheus AG, Mönchengladbach

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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