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Bürger wollen kleine Kliniken

Bürger wollen kleine Kliniken

  • f&w
  • Editorial
  • 29.10.2018

Stephan Balling

Kilometer zählen mehr als Mindestmengen. Zumindest für die Bürger, zumindest in Bayern. Dort errang die CSU bei der Landtagswahl Mitte Oktober 37,2 Prozent. Trotz aller Verluste: Solch einen Wert erreicht derzeit keine Partei in irgendeinem anderen Bundesland; allenfalls in Hamburg steht die regierende SPD in Umfragen bei vergleichbaren 36 Prozent. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat vor der Wahl viel Geld investiert, um den Absturz der CSU zu begrenzen – inklusive eines Förderprogramms für kleine Kliniken mit weniger als 150 Betten. Dass die Bürger im ländlich geprägten Bayern genau das wünschen, zeigt der Erfolg der Freien Wähler. Deren Spitzenkandidat Hubert Aiwanger hat noch am Wahlabend wiederholt betont, dass seine Partei beispielsweise für den Erhalt kleiner Krankenhäuser stehe. Im Wahlprogramm forderten die Freien Wähler den „Erhalt aller kommunalen Krankenhäuser, keine Schließung von Notaufnahmen“ sowie „keine weitere Privatisierung von Krankenhäusern“.

Die in Berlin vor allem von den Krankenkassen propagierte Qualitätsdebatte, derzufolge kleine Kliniken eher schlechte Ergebnisse abliefern und mitunter eine Gefahr für die Patientenversorgung darstellen, verfing im Freistaat nicht. Die Bayern wollen ihre kleinen Krankenhäuser behalten. Das kann man falsch finden, aber Gesundheitspolitik ist Ländersache, und die Bevölkerung in Bayern hat entschieden: Wohnortnah vor Qualitätsindikatoren.

Wer übrigens glaubt, solche Fragen hätten bei der Landtagswahl keine Rolle gespielt, und bundespolitische Fragen hätten die Wahl überlagert, täuscht sich. Sicher, das Theater von Horst Seehofer in den zurückliegenden Monaten gab keinen Rückenwind für die CSU-Wahlkämpfer. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel stieß in Bayern schon immer auf Skepsis. Aber die Wähler spüren schon, ob ihre Präferenzen vor Ort Gehör finden, und ein Bestandsschutz für Krankenhausstandorte steht auf der Prioritätenliste vieler Bayern ganz sicher weit oben, das zeigen Proteste gegen Schließungen. Was heißt das für die Politik in Berlin? Sie sollte ihren eingeschlagenen Weg hinterfragen und die Hoheit der Bundesländer in Sachen Krankenhausstrukturen respektieren, auch wenn diese Experten in Krankenkassen und dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) missfallen. Das heißt ja nicht, dass überall alle Strukturen gleich bleiben und sich nichts ändert oder ändern muss.

Tatsächlich erleben Deutschlands Krankenhäuser seit vielen Jahren tief greifende Veränderungen. Das zeigt unsere aktuelle Titelstrecke. Gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen zeb zeigen wir in unserem neuen „Fusionsradar“, wie sich die Kliniklandschaft in Deutschland verändert. Hier lohnt sich auch ein Blick auf unser Portal bibliomedmanager.de. Dort wie in f&w werden wir Sie, werte Leser, künftig noch intensiver auf dem Laufenden halten. Fusionen, Vernetzung und Verbundbildung und – ja – auch Schließungen sowie die Zusammenlegung von Standorten prägen die Strategien deutscher Krankenhäuser.

Das funktioniert übrigens auch über verschiedene Sozialgesetzbücher hinweg. In Stuttgart will das Klinikum eine Reha-Station als Satellit im Akutkrankenhaus integrieren, wie Sie in unserem Reha-Ressort auf Seite 1046 lesen können. Veränderungen erleben dabei auch die Kliniken im Freistaat Bayern und die bayerische Landeshauptstadt. Die „München Klinik“, wie sich der städtische Träger seit Kurzem nennt, investiert gewaltige Summen und passt ihre Bettenkapazitäten ein Stück weit den veränderten Anforderungen an, wie Klinikvorstand Dr. Axel Fischer auf Seite 1016 in unserem Bilanzgespräch ausführt. Stichwort „Bauen“: Sehr ans Herz legen möchte ich Ihnen auch die Reportage von Hendrik Bensch über Deutschlands erstes Hotelkrankenhaus im thüringischen Eisenberg.

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