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Vorstandsvorlage

Ist jetzt alles gut für die Pflege?

Ist jetzt alles gut für die Pflege?

  • f&w
  • Management
  • 29.10.2018

f&w

Ausgabe 11/2018

Seite 999

Das Pflegepersonalstärkungsgesetz soll im Dezember den Bundestag passieren und wird Ende des Jahres auch final im Bundesrat beraten werden (siehe auch Themenseite Pflege). Beide Gremien sind sich einig, dass die Krankenkassen 2019 jede zusätzliche und jede aufgestockte Stelle im Vergleich zur Durchschnittsbesetzung des Jahres 2018 refinanzieren sollen. Im Jahr 2020 soll dies im Rahmen des Pflegebudgets weitergeführt werden.

Aber: Woher sollen zusätzliche Pflegekräfte kommen? Auf dem Arbeitsmarkt stehen sie (noch) nicht zur Verfügung. Werden unsere Pflegekräfte mit der „Offensive für die Pflege“ nicht hinters Licht geführt? Werden sich die Politiker im nächsten Jahr dann hinter ihren – zweifelsfrei gut gemeinten – Gesetzes- und Verordnungsaktivitäten verstecken, wenn die Pflegenden und ihre Gewerkschaft feststellen müssen, dass sich nur marginal etwas geändert hat? Welche Reaktionen und vor allem Frustrationen wird das auslösen? Machen wir die Situation damit nicht sogar schlimmer?

Die ersten Verträge zur Entlastung der Pflegenden, die Verdi und diverse Universitätsklinika geschlossen haben, beinhalten verpflichtende Aufstockungen der Anzahl der Pflegenden bis zu dreistelliger Höhe, obwohl bereits jetzt nicht alle vorhandenen Stellen besetzt sind. Die in diesen Verträgen verabredeten Sanktionen (insbesondere die Sperrung von Kapazitäten oder zusätzliche freie Tage zum Ausgleich der Belastung) bei Nichteinhaltung der Entlastungsverpflichtungen werden die Personalknappheit noch verschärfen und/oder auf andere – auch nicht besser ausgestattete – Krankenhäuser verlagern.

Enttäuschte Hoffnungen bei den Pflegenden können wir aber nicht gebrauchen. Zusätzlich liegt Sprengstoff in der vorgesehenen Ungleichbehandlung der unterschiedlichen Berufsgruppen des Krankenhauses. Wird dies zukünftig den Betriebsfrieden stören? Denn bekanntermaßen leiden auch andere Berufsgruppen unter dem Fachkräftemangel.

Die Idee, die Tarifsteigerungen aller ausgebildeten Pflegekräfte, unabhängig vom Einsatzort im Krankenhaus, in voller Höhe zu refinanzieren, führt zu zusätzlichen Fragezeichen: Warum sollen im OP diejenigen, die ursprünglich Gesundheits- und Krankenpflege gelernt haben, anders behandelt werden, als ihre Kollegen, die eine Operations­technische Assistenten-Ausbildung (OTA) absolviert haben? Diese Fragestellung betrifft gleichermaßen die Funktionsbereiche, in denen Gesundheits- und Krankenpfleger, Medizinisch-technische Assistenten (MTA), Arzthelferinnen etc. „Hand in Hand“ arbeiten.

Wir alle, die Verantwortung in Krankenhäusern tragen, müssen aufpassen, dass die Pflegenden das Vertrauen in die Politik und vor allem in uns als Arbeitgeber nicht verlieren. Versprechungen oder auch Hoffnungen, die nicht eingehalten werden können beziehungsweise verpuffen, verschlimmern die Lage. Angesichts der bereits sehr angespannten Stimmung bei den Pflegekräften bringt es uns nicht weiter, in Maximallösungen zu denken, die wir nicht erfüllen können. Entlastungen für die Pflege bringt deren Unterstützung durch Stationssekretärinnen, medizinische Fachangestellte, Verpflegungs- und Versorgungsassistenten, Transportdienste, Stationshilfen und andere. Der Fokus auf (examinierte) Pflegekräfte im Pflegepersonalstärkungsgesetz und in der Verordnung zu den Personaluntergrenzen konterkariert dies und bestraft Krankenhäuser, die ihren Pflegekräften diese Entlastung bereits gewährt haben.

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