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Radikaler denken, flexibler handeln

Radikaler denken, flexibler handeln

  • f&w
  • Reha
  • 29.10.2018

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Ausgabe 11/2018

Seite 1044

Matthias Köhler

Die Dynamik im deutschen Reha-Markt erhöht sich – zu spüren ist das an zunehmender Konzentration und gesteigertem Wettbewerb. Bisher handelt es sich vor allem um einen Preiswettbewerb, der sich in einem ohnehin unterfinanzierten System besonders für finanzschwächere Betreiber deletär auswirken kann. Ein transparenter Qualitätswettbewerb ist, trotz guten Willens mancher Kostenträger und Leistungserbringer, bestenfalls angelaufen. Die Rahmenbedingungen der gesamten Branche verschlechtern sich zusehends. Vor diesem Hintergrund setzen einige Klinikträger auf Innovationen durch Digitalisierung. Das Schlagwort beherrscht die Debatten und soll für nahezu jedes Problem eine Lösung bieten: Ob Kostensenkung durch Digitalisierung administrativer Prozesse oder Unterstützung der Patientenversorgung in ländlichen Regionen – die neuen technischen Möglichkeiten bieten zweifelsohne vielfältige Chancen. Andererseits wecken sie Unruhe in dem bis dato eher statischen Reha-Geschäft. Neue Wettbewerber drängen auf den Markt, und innovative Start-ups hinterfragen herkömmliche Verfahrensweisen. Noch bremst die starke Regulierung des Marktzugangs eine Entwicklung, die andere Wirtschaftsbereiche bereits voll erfasst hat.

Auch klassische Reha-Betreiber springen auf den Zug auf. Sie versuchen, innovative Rehabilitationskonzepte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die ohne die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre nicht denkbar wären. Dabei setzen sie immer häufiger auf agiles Management, um der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit Rechnung zu tragen. Diese aus der Softwareentwicklung stammende Arbeitsweise setzt auf schnelles und flexibles Handeln, radikale Kundenorientierung und die Flexibilität kleiner schlagkräftiger Teams. Nicht bis ins Detail durchdeklinierte Projektpläne, sondern rasches Entwickeln, Testen und schrittweises Verbessern unfertiger Prototypen stehen im Fokus.

Doch gerade im Setting einer klassischen Klinikorganisation ist die Implementierung einer solchen neuen Denkweise schwierig – ein als „Innovator’s Dilemma“ bekanntes Phänomen. Oft scheitert die Umsetzung an hierarchisch geprägten Managementstrukturen, die der benötigten Geschwindigkeit im Wege stehen. Mut zum Umdenken ist gefordert. Strukturen, welche Flexibilität und Kreativität fördern, müssen geschaffen werden. Methoden wie Design Thinking, Lean oder SCRUM erobern ihren Platz im Gesundheitswesen.

Dabei geht es auch um eine Frage der Kultur. Es geht um Werte – darum, ob die Mitarbeiter einen gemeinsamen Sinn in der Arbeit im Unternehmen erkennen. Sie müssen verstehen, dass sich Veränderung lohnt. Gerade das Management steht vor echten Herausforderungen. Am Projektstart ist das Ende oft nicht zu erahnen. Erforderliche Kurswechsel sind schmerzhaft, die Bereitschaft zu offener Fehlerkultur essenziell. Radikalität und Geschwindigkeit im digitalen Zeitalter entlarven langfristige Prognosen schnell als Wunschdenken. Mit dem Ziel vor Augen, die Qualität der Rehabilitandenversorgung noch wirksamer und nachhaltiger zu gestalten, sollten uns die neuen Herausforderungen jedoch nicht abschrecken.

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