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Reha-Station zieht ins Krankenhaus

Wertvoller Untermieter

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  • Reha
  • 29.10.2018

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Ausgabe 11/2018

Seite 1046

So funktioniert sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Akutversorgung und Reha: Im Oktober haben die Kliniken Schmieder im Klinikum Stuttgart eine Satellitenstation für Schlaganfallpatienten und Patienten der neurologisch neurochirurgischen Frührehabilitation eröffnet. Von den Synergieeffekten profitieren die Patienten und beide Partner. Und letztlich steigert die Kooperation von Akutversorger und Reha-Einrichtung die Attraktivität beider Arbeitgeber.

Jede strategische Ausrichtung eines Unternehmens im Gesundheitswesen orientiert sich idealerweise an drei Zielen: Sie soll dem Patientenbedarf entsprechen, die Qualität der Versorgung stärken und nachhaltige Wirtschaftlichkeit ermöglichen. Kein Ziel schließt dabei das andere aus. Im Gegenteil: Die Kriterien können sich wechselseitig verstärken; beispielsweise kann eine hohe Qualität mit sicheren und stringenten Abläufen die Wirtschaftlichkeit verbessern. Die Ziele miteinander zu verbinden, sie zu koordinieren und bestmöglich zu realisieren – das sind originäre Managementaufgaben, die sich auch beim Kooperationsprojekt „Satellitenstation für Schlaganfallpatienten und Patienten der neurologisch neurochirurgischen Frührehabilitation“ der Kliniken Schmieder mit dem Klinikum Stuttgart abbilden.

Im Juni dieses Jahres unterschrieben die Geschäftsführer der Kliniken Schmieder und des Klinikums Stuttgart einen Kooperationsvertrag über eine Satellitenstation im Klinikum Stuttgart, der diese drei Ziele im Fokus hat. Die Satellitenstation soll insbesondere die Schlaganfallversorgung, aber auch die Versorgung schwer Schädel-Hirn-Verletzter in Baden-Württemberg weiter verbessern und damit schwersterkrankten Patienten zugute kommen. Sie soll die Behandlungsqualität steigern und die Sektorengrenze zwischen Akutversorgung und Rehabilitation überwinden. Und sie wird durch ihre kooperative Struktur Synergieeffekte schaffen, die sich wirtschaftlich für beide Partner bemerkbar machen.

Ein Projektteam, bestehend aus dem Klinikmanagement und Medizinern, hat patientenzentrierte Sollprozesse beschrieben, für das Vorhaben Leistungen definiert, Vergütungen, räumliche und arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen festgelegt und eine passende Organisationsstruktur für die Satellitenstation geschaffen. Das Klinikum Stuttgart hat durch Zusammenlegungen von Fachabteilungen im Rahmen der strategischen Schwerpunktsetzung eine geeignete Station am Standort Mitte freigezogen, die unmittelbar an die kooperierende neurologische Intensivstation grenzt und diese für die Kliniken Schmieder modernisiert.

Im Oktober hat die Satellitenstation mit 20 Betten ihren Betrieb aufgenommen. Sie wird von den Kliniken Schmieder betrieben, die das Personal stellen und die medizinisch-therapeutische Verantwortung tragen. Auf der Station werden insgesamt 45 Mitarbeiter tätig sein, davon fünf im ärztlichen Dienst, zehn in der Therapie sowie 30 in der Pflege. Die Station der Kliniken Schmieder hat vollen Zugriff auf die Leistungen des Klinikums Stuttgart als größtem Maximalversorger Baden-Württembergs: Versorgungs- und Basisleistungen werden vom Klinikum Stuttgart ebenso bezogen wie radiologische, labormedizinische, funktionsdiagnostische, endoskopische und konsiliarärztliche Services. Zu den Basis- und Versorgungsleistungen zählen beispielsweise Speisenversorgung, Nutzung der Infrastruktur bei der Bettenversorgung, der EDV, Technik oder auch der Transportdienste. Die Behandlungsteams der Stroke-Unit des Klinikums Stuttgart und der Satellitensta­tion der Kliniken Schmieder arbeiten dabei räumlich und fachlich eng interdisziplinär zusammen.

Das Projektteam legte außerdem Vergütungs- und Abrechnungsfragen fest, definierte die Datenschutzthematik sowie fixierte Sorgfaltspflichten, Haftungs- und Versicherungsschutz. All diese Themenbereiche wurden dann in einen Kooperationsvertrag aufgenommen, den die Geschäftsführer beider Klinikgruppen Mitte Juli in Stuttgart unterzeichneten.

Als Arbeitgeber noch attraktiver

Die betriebswirtschaftlichen Vorteile für beide Partner liegen in den Synergieeffekten. So mussten einerseits die Kliniken Schmieder keine zusätzlichen baulichen Maßnahmen im Stuttgarter Zentrum umsetzen, um ihr Angebot an Frührehabilitation zur Verfügung zu stellen, und das Klinikum Stuttgart konnte andererseits sein starkes neurologisches Angebot vor Ort ausweiten – mit einem renommierten Partner in der Neuro-Rehabilitation an der Seite. Zudem wird die vorhandene Infrastruktur besser ausgelastet.

Ein weiterer Vorteil: die Attraktivität als Arbeitgeber für das Recruiting. Durch die Interdisziplinarität im Behandlungskonzept der Station, auf der Ärzte, Therapeuten aus verschiedenen Fachdisziplinen sowie Pflegekräfte mit Schwerpunkten wie therapeutischer Pflege arbeiten, ergeben sich fachliche Möglichkeiten im Verbund, aber auch Fort- und Ausbildungsoptionen, beispielsweise die ärztliche Weiterbildung in der speziellen neurologischen Intensivmedizin.

Fokussierung auf Kernkompetenzen

Neben einer Stärkung des eigenen Profils durch Zentrenbildung ist eine weitere Handlungsmaxime, die sich am Modellprojekt der Satellitenstation ablesen lässt, dass sich die Kooperationspartner jeweils auf ihre Kernkompetenzen fokussieren. Die ausschließliche Kernkompetenz der Kliniken Schmieder ist die neurologische Rehabilitation, die jährlich rund 13.000 Patienten durchlaufen. Eine Kernkompetenz des Klinikums Stuttgarts ist das Neurozentrum mit zertifizierter Stroke- Unit zur Behandlung von akuten Schlaganfällen, einer interventionellen Neuroradiologie mit Pionieren der Thrombektomie und Neurochirurgie. In diesem Schwerpunkt des Klinikums Stuttgart werden jährlich mehr als 1.500 Patienten mit Schlaganfall versorgt. Diese beiden Expertisen sind nun vor Ort zusammengeführt und räumlich vereint.

Das Neurozentrum behandelt Patienten in der Akutphase, die Kliniken Schmieder direkt danach in der Frührehabilitation. Dort wird die qualifizierte medizinische Betreuung fortgesetzt. Gleichzeitig setzt eine multidisziplinäre Neurorehabilitation frühzeitig ein. „Time is brain“ gilt auch hier – je früher die Neurorehabilitation beginnt, desto besser sind die Ergebnisse. Das Behandlungskonzept setzt auf Interdisziplinarität, indem viele verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte gemeinsam am Patienten arbeiten. Der Umfang, die Intensität und die enge interdisziplinäre Verzahnung der Behandlung – zum Teil unter intensivmedizinischen Bedingungen mit Beatmungsbetten und Monitoring – sind Faktoren, die den Erfolg ausmachen und einen Qualitätsvorteil für die Patienten darstellen. Dabei versuchen die interdisziplinären Behandlungsteams, gemeinsam mit den Patienten Vitalfunktionen, Sensomotorik und Koordination sowie mentale und kognitive Funktionen wiederherzustellen.

Räumliche Nähe bringt Vorteile

Einen weiteren Nutzen stellt die unmittelbare räumliche Nähe der Satellitenstation zum Neurozentrum und zu weiteren Einrichtungen und Vorhaltungen des Klinikums Stuttgart dar. Sofern Komplikationen bei Patienten während des Aufenthalts auftreten, müssen diese nicht mehr beschwerliche und teils riskante Transportwege in Kauf nehmen, sondern können schnell und direkt vor Ort verlegt werden. Außerdem können künftig Patienten, die sich in einem sehr frühen Stadium nach neurologischen Akutereignissen befinden und der neurologischen Frührehabilitation bedürfen, aber wegen ihres hohen intensivmedizinischen Behandlungsbedarfs derzeit noch nicht in eine räumlich getrennte neurologische Rehabilitationsklinik verlegt werden können, auf der Satellitensta­tion behandelt werden. Sie können dadurch bereits zu einem früheren Zeitpunkt als bisher der neurologischen Frührehabilitation zugeführt werden, was die Heilungschancen und die Rehabilitationsperspektive dieser Patienten signifikant verbessern kann.

Aus medizinischer Sicht gehören Akut- und Rehabilitationsbehandlung in der Neurologie zusammen. Mit der Satellitenstation wird die Grenze zwischen den beiden Sektoren weiter aufgelöst, was in erster Linie dem Patientenwohl zugutekommt. Ob das Modell „Satellitenstation“ ein Erfolgsmodell für die Zukunft wird – ähnlich der Frührehabilitation in den 1990er-Jahren –, hängt allerdings entscheidend davon ab, wie die Kostenträger und die Gesundheitspolitik diese neue Versorgungsstruktur fördern, wirkungsvolle Rahmenbedingungen bezüglich der Vergütung und Qualitätsstandards setzen und schließlich auch den Willen zeigen, veränderte Strukturen zu unterstützen, um das Ziel, für die Patienten eine bestmögliche Behandlung auf hohem Qualitätsniveau anzubieten, zu sichern. Die demografische Entwicklung wird den Bedarf derartiger Zentren weiter steigern.

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