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Umfrage Krankenhausplanung

„Gesundheitsversorgung stärker als regionales, integriertes System betrachten“

„Gesundheitsversorgung stärker als regionales, integriertes System betrachten“

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  • 31.10.2019

f&w

Ausgabe 11/2019

Seite 980

Professor Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands e. V. (VUD)

Seit vielen Jahren diskutiert die Branche, wie die Strukturreform der Krankenhauslandschaft angepackt werden kann. f&w hat Klinikmanager, Verbände und Wissenschaftler gefragt: Was müsste die Politik tun, um eine politisch machbare, weitreichende und am Ende erfolgreiche Strukturreform der Krankenhauslandschaft hinzubekommen?

Professor Dr. D. Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands e. V. (VUD), sagt: 

"Die Diskussion darüber, dass wir zu viele Krankenhäuser mit zu vielen Parallelvorhaltungen haben, ist nicht neu und in der Sache absolut berechtigt. Wir brauchen eine weitgehende Strukturreform im Krankenhausmarkt, aber auch an der Schnittstelle zwischen Krankenhaus und vertragsärztlicher Versorgung.

Wenig sinnvoll ist aber, aufgrund wenig passender internationaler Vergleiche in Deutschland immer wieder neue Forderungen aufzumachen, wie viele Krankenhäuser denn nun schließen sollen. Besser wäre es, wenn Wege aufgezeigt würden, wie wir eine methodisch fundierte und am Bedarf der Patienten ausgerichtete Krankenhausplanung umsetzen können, die auch ambulante Schnittstellen wie die Notfallversorgung einbezieht. Das wäre die Voraussetzung dafür, dass sachgerecht über Standortschließungen oder Umwidmungen entschieden werden kann. Dabei muss Gesundheitsversorgung stärker als regionales, integriertes System betrachtet werden.

Die Qualität der Versorgung wird nachweislich besser, wenn anspruchsvolle Behandlungsleistungen oft und in Zentren durchgeführt werden und die Kliniken über entsprechend qualifiziertes Personal sowie spezialisierte Infrastruktur verfügen, um auch für schwere Fälle, Notfälle und Komplikationen gerüstet zu sein. Deshalb müssen komplexe und spezialisierte Leistungen an dafür ausgestatteten Krankenhäusern konzentriert werden. Die Unikliniken sind als Maximalversorger Zentren der regionalen Versorgung, sowohl ambulant als auch stationär. Diese Stellung muss in Zukunft stärker genutzt werden, um die regionale Versorgungsplanung von diesen Zentren aus zu entwickeln. Universitätsklinika können und wollen Treiber für Veränderungen sein. Das betrifft insbesondere auch den Aufbau digitaler Versorgungsangebote und entsprechender IT-Plattformen. Uniklinika müssen deshalb ein Fixstern in der Krankenhausplanung der Länder sein!

Ein solcher Veränderungsprozess muss über das Vergütungssystem gefördert, nicht behindert werden. Die aktuellen Finanzierungsreformen, allen voran das Pflegebudget, sind hier kontraproduktiv. Selbstkostendeckung, die an einzelne Berufsgruppen anknüpft, verhindert Innovation, fördert Ineffizienz und konserviert am Ende bestehende Strukturen. Zielführender wäre die gezielte Förderung von besonderen Vorhaltungen, etwa in der Notfallversorgung oder bei Zentren. Wir müssen wegkommen von einer reinen Leistungsfinanzierung, die die Krankenhäuser in einen ruinösen Wettbewerb und das Hamsterrad schickt. Nur dann werden wir mehr Kooperation und abgestimmte Versorgungskonzepte krankenhausübergreifend hinbekommen."

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