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Umfrage Krankenhausplanung

„Nicht dem ungezielten Überlebenskampf überlassen“

„Nicht dem ungezielten Überlebenskampf überlassen“

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  • 01.11.2019

f&w

Ausgabe 11/2019

Seite 983

Ferdinand Gerlach, Institut für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen

Seit vielen Jahren diskutiert die Branche, wie die Strukturreform der Krankenhauslandschaft angepackt werden kann. f&w hat Klinikmanager, Verbände und Wissenschaftler gefragt: Was müsste die Politik tun, um eine politisch machbare, weitreichende und am Ende erfolgreiche Strukturreform der Krankenhauslandschaft hinzubekommen?

Prof. Dr. Ferdinand Gerlach, Institut für Allgemeinmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, sagt:

"Eine Strukturreform der Krankenhauslandschaft in Deutschland ist notwendig, und sie ist möglich. Die Entwicklung sollte nicht weiter einem ungezielten Überlebenskampf überlassen werden – bei dem leider teilweise die „falschen“ Häuser sterben. Sie sollte vielmehr gezielt, planvoll und soweit möglich im Konsens erfolgen.

Zentrale Voraussetzung für ein Gelingen ist, dass zukünftig konsequent das Wohl der Patientinnen und Patienten zum Leitmaßstab wird – nicht als Lippenbekenntnis, sondern tatsächlich! Kliniken erbringen viele Leistungen besser und sicherer, wenn sie diese häufig durchführen, personell gut aufgestellt sind und auch für Komplikationen optimal gerüstet sind. Dies ist wissenschaftlich gut belegt. Es gilt für spezialisierte Operationen, aber auch für die Notfallversorgung etwa von Herzinfarkten oder Schlaganfällen. Im Interesse von Qualität und Patientensicherheit sollten Kliniken sich daher auf ein bestimmtes Leistungsspektrum konzentrieren. Weniger ist hier manchmal mehr, und das Krankenhaus um die Ecke ist nicht automatisch das bestgeeignete.

Politikerinnen und Politiker sind hier – wie die Wissenschaft – gefordert, diese Zusammenhänge den Bürgerinnen und Bürgern zu erläutern. Sie müssen erkennen und erklären, warum einzelne Abteilungen oder Krankenhäuser in überversorgten Regionen geschlossen oder anders genutzt werden sollen. Sie müssen erklären, warum ein Kapazitätsabbau in Ballungszentren zu einer insgesamt höheren Qualität führt. Sie müssen erläutern, dass eingesparte Finanzmittel und Personalkapazitäten zur Sicherung bedarfsnotwendiger Kliniken in dünner besiedelten Regionen genutzt werden.

Der Rat hat in seinem jüngsten Gutachten zur bedarfsgerechten Steuerung der Gesundheitsversorgung unter anderem weitreichende Veränderungen der DRG-Finanzierung sowie eine leistungs- und nicht bettenorientierte Planung empfohlen. Eine entsprechende sektorenübergreifende Planung von Kliniken und Vertragsärzten gehört ganz oben auf die politische Agenda. Die Reform der Notfallversorgung mit Gemeinsamen Leitstellen und Integrierten Notfallzentren hat hier eine wichtige Pilot- und Eisbrecherfunktion.

Der Strukturfonds sollte finanziell gestärkt und mehr als bisher auf die Schließung ganzer Krankenhäuser in überversorgten Regionen konzentriert werden, zugleich sollte die Planung zwischen den Ländern besser abgestimmt werden. Die Politik auf Bundes- und Länderebene muss den Mut aufbringen und die notwendige Neuordnung der Krankenhauslandschaft gezielt und beherzt angehen."

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