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Klinik-Digitalisierung: "Raus aus Liga 2"

Klinik-Digitalisierung: "Raus aus Liga 2"

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  • Szene
  • 27.11.2017

f&w

Ausgabe 12/2017

Seite 1076

Dr. Josef Düllings ist Präsident des Verbandes der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD).

Ein eine Milliarde Euro schweres IT-Investitionspaket sollte unter Jamaika den Krankenhäusern zugestellt werden. Dr. Josef Düllings (VKD) betont die Notwendigkeit auch unter einer anderen Bundesregierung.

Wie lange können die Krankenhäuser auf das versprochene IT-Investitionsprogramm warten?

Wir haben die Jahre zuvor schon gewartet, ohne dass das Thema in der Politik angekommen wäre. Insofern sehe ich noch keinen Grund zur Beunruhigung. Die Notwendigkei, dass Deutschlands Krankenhäuser auch bei der Digitalisierung endlich in der Champions League spielen müssen, haben alle Parteien erkannt. Zurzeit sind wir vielleicht zweite Bundesliga, von einzelnen Ausnahmen abgesehen. Warum das Thema so wichtig ist, zeigen die USA. Dort hat der Staat als Innovationstreiber die Kliniken quasi in die Moderne katapultiert. Unter den knapp 5.000 US-Kliniken lag der Anteil der Häuser mit einer elektronischen Patientenakte 2008 noch bei unter zehn Prozent. Der Staat hat dann 30 Milliarden US-Dollar investiert – der Anteil der Häuser lag danach Ende 2016 bei über 80 Prozent. Es gibt aber noch weitere Beispiele, die den Förderbedarf deutlich machen: Bei der Telemedizin entwickeln sich ganz unterschiedliche Systeme, ohne abgestimmte Standards. Patienten nutzen das Smartphone für das Gesundheitsmanagement – die elektronische Gesundheitskarte ist dagegen aus einem anderen Jahrhundert und nicht zukunftsfähig. Ärzte schicken Röntgenaufnahmen via WhatsApp – und die Kliniken haben dafür keine rechtssichere Infrastruktur. Der Charme einer IT-Investitionsoffensive wäre neben Verbesserungen in der Patientenversorgung sicher auch, dass wir bundesweit für diese Bereiche endlich Standards schaffen könnten.

Reichen eine Milliarde Euro aus?

Wir als VKD sprechen von zwei Milliarden Euro jährlich, und das über fünf Jahre. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft spricht von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr, inklusive operativer Kosten. Weniger sollte es nicht sein, sonst verpuffen die Effekte. Ein Missverständnis sei noch ausgeräumt: Eine Investitionsoffensive wäre keine Subventionierung. Bund und Länder könnten hier vielmehr als Innovationstreiber einen Quantensprung auslösen mit vielfältigen positiven Effekten. Dies zeigen Erfahrungen anderer Länder.

Nach welchen Kriterien sollte ein solches Förderprogramm ausgeschüttet werden?

Zunächst müssten sich Bund und Länder auf eine IT- und E-Health-Strategie der Gesundheitswirtschaft verständigen. Daraus könnte man dann Standards ableiten. Konkretes Beispiel: Wie werden Subsysteme im Krankenhaus an das Krankenhausinformations­system (KIS) angebunden. Es gibt bereits mit IHE einen entsprechenden Standard. Aber den nutzen bislang nur unter drei Prozent der Kliniken. Das könnte man verknüpfen: Wenn Krankenhäuser Geld wollen, müssen sie sich an diesen Standards orientieren. Bei den Schwerpunkten des Förderprogramms würde ich keine zu engen Vorgaben empfehlen, die Anforderungen in den einzelnen Häusern sind zu unterschiedlich. Aber es gibt ein paar Benefits, die kommen müssen: WLAN im ganzen Krankenhaus, Interoperabilität, Austausch mit Niedergelassenen und Reha-Kliniken in der Anschlussversorgung. 

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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