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Ausbildungsmängel von Kodierkräften

Beunruhigende Wissenslücke

Beunruhigende Wissenslücke

  • f&w
  • Management
  • 24.11.2017

f&w

Ausgabe 12/2017

Seite 1120

Für Medizincontroller und Kodierfachkräfte gibt es bislang keinen standardisierten und durchgehend qualitativ hochwertigen Ausbildungsweg. Die Consus Akademie hat erstmals Klinikmitarbeiter, die in der Kodierung tätig sind, zu ihrem Ausbildungsstand, Fortbildungsbedarf und Gehalt befragt, um zu eruieren, wie gut sie für ihre verantwortungsvollen Aufgaben qualifiziert sind. 70 Prozent fühlen sich unzureichend ausgebildet.

Im Medizincontrolling arbeiten viele Quereinsteiger: unter anderem Ärzte mit und ohne Facharztabschluss, Gesundheits- und Krankenpfleger, medizinische oder Sozialversicherungsfachangestellte. Staatlich anerkannte Ausbildungen und Curricula, die auf diese verantwortungsvolle und für die Erlössituation der Klinik zentrale Aufgabe vorbereiten, gibt es nicht. Der Bildungsdienstleister Consus Akademie hat untersucht, ob und inwieweit Klinikmitarbeiter, die im Bereich Kodierung, DRG-System und Dokumentation arbeiten, über die notwendigen theoretischen Grundkenntnisse oder gar vertieftes, stets aktuelles Fachwissen verfügen, um zu einem erfolgreichen Medizincontrolling beizutragen. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Medizincontrolling (DGfM) e.V. und dem Gesundheitsportal medinfoweb.de hat consus diese Fachkräfte in einer OnlineUmfrage zu ihren Tätigkeiten befragt.

Die Umfrage ermittelte erstmals den Ausbildungsstand, den Fortbildungsbedarf und die Gehaltsstruktur von Medizincontrollern, Kodierfachkräften und Dokumentationsbeauftragten. Die Daten schließen eine Informationslücke zur uneinheitlichen Qualifizierung dieses Klinikpersonals und eruieren den Bedarf an qualifizierten Fortbildungen. Mit 394 Teilnehmern handelt es sich um eine der größten Umfragen mit einem fundierten Datenstand aus dem Bereich Kodierung und Medizincontrolling bisher in Deutschland.

Hoher Fortbildungsbedarf, unzufriedene Mitarbeiter

Die Ergebnisse sind alarmierend und in ihrer Tragweite äußerst relevant für die deutsche Kliniklandschaft: Die große Mehrheit der kodierenden Klinikmitarbeiter, nämlich 70 Prozent, fühlt sich nicht optimal für ihre Arbeit ausgebildet (Abbildung 1).

Unter den Medizincontrollern mit einer Primärausbildung als Arzt empfinden sich 59 Prozent als nicht optimal ausgebildet. Unter denen, die aus der Pflege gewechselt sind, 75 Prozent und mit einer anderen Grundausbildung 77 Prozent.

Ein Drittel aller Befragten würde sich gern intensiver weiterbilden und mehr Fortbildungen absolvieren. 85 Prozent wünschen sich zwei oder mehr Fortbildungen pro Jahr – allerdings absolvieren nur etwas mehr als die Hälfte diese auch tatsächlich. Unter Mitarbeitern mit einer pflegerischen Grundausbildung ist der ungedeckte Bedarf an Fortbildungen besonders hoch: 93 Prozent der Befragten wünschen sich weitere Fortbildungen zu ausgewählten Themen wie Kodierung, Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK) sowie zu Grundlagen- oder fachspezifischen Inhalten.

Auch um die Arbeitszufriedenheit ist es nicht gut bestellt: Auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer persönlichen Arbeit im Bereich Kodierung/ DRG-System?“ antwortete nur die Hälfte der Umfrageteilnehmer mit „zufrieden“. Die andere Hälfte ist lediglich „mäßig zufrieden“ oder „unzufrieden“. Diese Ergebnisse sind unabhängig von der jeweiligen Grundausbildung.

Fachliche Fort- und Weiterbildungen, so eine Erkenntnis aus der Studie, wirken sich direkt auf die Zufriedenheit der Kodiermitarbeiter sowie deren Arbeitsbefähigung und Gehalt aus: Nur 20 Prozent der Mitarbeiter mit einer oder gar keiner Fortbildung pro Jahr gaben an, „sehr zufrieden“ mit ihrer Arbeit sowie „hervorragend gerüstet“ für ihren Arbeitsalltag zu sein. Unter den Mitarbeitern mit zwei oder mehr Fortbildungen pro Jahr sind 40 Prozent „sehr zufrieden“ und 35 Prozent „hervorragend gerüstet“ – also fast doppelt so viele.

Mehr Entwicklung – mehr Gehalt

Ein Grund dafür ist möglicherweise auch das Gehalt: Mehr als die Hälfte der Befragten konnte ihr Gehalt durch regelmäßige Fortbildungen steigern, jeder Dritte sogar um mehr als 20 Prozent. Fortgebildete Mitarbeiter haben insgesamt ein höheres Jahresgehalt. Verdient unter den wenig geschulten Erlösmanagern nur jeder Dritte mehr als 50.000 Euro pro Jahr (Abbildung 2),

so sind es unter den häufiger geschulten bereits 67 Prozent (Abbildung 3).

Wenig fortgebildete Ärzte verdienen durchschnittlich 91.400 Euro pro Jahr. Nehmen sie regelmäßig an Fortbildungen teil, sogar 104.300 Euro. Kodierfachkräfte mit Wurzeln in der Pflege verbessern sich durch Fortbildungen im Durchschnitt von 43.300 auf 56.400 Euro, die sonstigen Berufsgruppen von 39.800 auf 53.600 Euro. Im Schnitt liegt die Steigerung also bei 12.900 Eu­ro (Ärzte), 13.100 Euro (Pflege) beziehungsweise 13.800 Euro (Sonstige). Ein kausaler Zusammenhang lässt sich aufgrund der Untersuchung sicher nicht ableiten, gleichwohl scheinen besser weitergebildete Mitarbeiter einen höheren Marktwert zu haben und diesen auch zu kennen.

Mitarbeiter, die sich regelmäßig fortbilden, sind also zufriedener, fühlen sich für den Arbeitsalltag besser gerüstet und verdienen besser – so das Fazit der Studie. Für eine Klinik ist aktuell geschultes Personal gleichzeitig der beste Weg zu sicheren Erlösen und der wichtigste Garant für ein erfolgreiches Erlösmanagement. Nur wer die sich ständig ändernden Kodierrichtlinien, Abrechnungsregeln und DRG-Kataloge en détail kennt und versteht, kann auch korrekt abrechnen. Fort- und Weiterbildungen lohnen sich also für alle Beteiligten.

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