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Editorial

Häretische Weise

Häretische Weise

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  • Editorial
  • 29.11.2018

Stephan Balling

Der „Pflexit“, also die Herausnahme der Finanzierung der Pflege-Personalkosten aus dem DRG-System, ist eine gute Sache, glaubt der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Mehr Staat und weniger Wettbewerb könnten durchaus der richtige Weg für die Zukunft des Gesundheitssystems sein, sagte er im Bundestag beim Beschluss des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes (PpSG) und kündigte für die Sozialdemokraten an: „Wir werden genau prüfen, ob wir andere Bereiche ebenfalls entökonomisieren müssen.“

Was Wissenschaftler von diesen Ideen halten, interessiert den Politiker nicht. Die Wirtschaftsweisen etwa widmeten dem Gesundheitswesen ein eigenes Kapitel in ihrem diesjährigen Jahresgutachten. Titel: „Über Wettbewerb mehr Effizienz im Gesundheitswesen“. Sie identifizieren „zahlreiche Indizien für Über-, Unter- und Fehlversorgung“, beklagen „Interessengruppen, die ihre gewachsenen Privilegien wirksam verteidigen, nicht zuletzt zulasten möglicher Innovationen“.

Konkret plädiert der Sachverständigenrat Wirtschaft beispielsweise für eine monistische Krankenhausfinanzierung über die Krankenkassen (bisher sind die Länder für die Investitionskosten zuständig). Das könne „die Fehlallokation von Kapital verringern“, schreiben die Weisen und ergänzen: „So dürften in einem dualistischen System Investitionsalternativen oftmals nicht anhand einer Gesamtbetrachtung von Investitionskosten und nachfolgenden Instandhaltungskosten beurteilt, sondern stark von der Verfügbarkeit unterschiedlicher Förderinstrumente beeinflusst werden.“ Die Wirtschaftsweisen plädieren für Selektivverträge, damit Krankenkassen die Möglichkeit erhalten, „ihre Versicherten gezielt in Krankenhäuser zu steuern, die bestimmte Qualitätsstandards einhalten“ – Stichwort Qualitätswettbewerb, aber auch Preisdifferenzierung.

Die Politik – also die Koalition aus CDU, CSU und SPD – hält diese Vorschläge freilich für Häresie, setzt auf zentrale Vorgaben und mehr Staat. Immerhin: Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) setzt offenkundig auf mehr Freiheitsgrade in einer künftigen sektorenübergreifenden Bedarfsplanung. In den Reha-Kliniken stoßen die Vorschläge teils auf sehr positives Echo, wie die sehr lesenswerte Umfrage meiner Kollegin Lena Reseck unter führenden Managern aus Reha-Kliniken auf Seite 1148 zeigt. Mehr Qualität und Transparenz, und vor allem ein Wettbewerb zwischen ambulanten und stationären Leistungsanbietern, das geht, sagt auch IQTIG-Geschäftsführer Dr. Christof Veit im Interview auf Seite 1104.

Im März 2019, auf dem 18. Nationalen DRG-Forum und dem 3. Nationalen Reha-Forum, werden die Qualität der Leistungen, das neue Krankenhaus-­Entgeltsystem, die künftigen staatlichen Personalvorgaben für die Kliniken, das MDK-Prüfregime und viele weitere Themen im Fokus stehen. Als Ausrichter sprechen wir von „Der nächsten Dimension“ des „German Hospital Leadership Summit“. Freuen Sie sich auf hochkarätige Referenten sowie ein fachlich tiefes und thematisch breites Programm. Es liegt dieser f&w-Ausgabe bei.

Und was wäre das Nationale DRG-Forum mittlerweile ohne Vordenker, ohne Vordenker Award (nominieren Sie Ihren Kandidaten unter vordenker.bibliomed.de) und Vordenker-Reise? Die 2018er-Reise liegt gerade hinter uns, und die Teilnehmer haben hautnah erlebt, dass Deutschland insgesamt – nicht nur bezogen auf das Gesundheitssystem – sich angesichts der Verschiebungen der globalen wirtschaftlichen Gravitationszentren nicht selbstzufrieden zurücklehnen darf. In Asien macht sich nach China ein zweites Milliardenvolk auf und will eine ökonomische Supermacht werden. Indiens Krankenhäuser setzen dabei neue Standards in Sachen Effizienz und Economics of Scale. Unsere Titelstrecke entführt Sie, werte Leser, auf den Subkontinent.

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