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Reha-Vergütung

Beste Wirkung haben Argumente

Beste Wirkung haben Argumente

  • f&w
  • BDPK
  • 20.11.2019

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Ausgabe 12/2019

Seite 1132

Bastian Liebsch ist Geschäftsführer der Dr. Becker Klinikgruppe.

Das aktuelle Gutachten der aktiva – Beratung im Gesundheitswesen GmbH prognostiziert die Kostensteigerungen für das Jahr 2020 in Rehabilitationseinrichtungen. Über die Ergebnisse der Expertise und ihre Bedeutung für die Praxis sprach der BDPK mit Bastian Liebsch, Geschäftsführer der Dr. Becker Klinikgruppe.

Die Reha-Vergütungssätze müssen 2020 um 3,92 bis 4,41 Prozent (Mittelwert 4,16 Prozent) steigen, da für die Rehabilitationseinrichtungen in vielen wichtigen Bereichen mit deutlichen Verteuerungen zu rechnen ist. Zu diesem Ergebnis kommt das Ende Oktober 2019 veröffentlichte Gutachten der Aktiva – Beratung im Gesundheitswesen GmbH, das im Auftrag der AG MedReha erstellt wurde. Es untersucht Kostensteigerungen, die sich direkt auf die betriebliche Leistungserbringung in den Kliniken auswirken und die sich auch in den Steigerungen der Vergütungssätze wiederfinden müssen. Dabei werden absehbare Kostensteigerungen anhand von statistischen Daten möglichst belastbarer Prognosen in der Modellrechnung verwendet. Im Sonderkapitel Personal prognostizieren die Gutachter deutlich überdurchschnittliche Personalkostensteigerungen für das Jahr 2019. Das Gutachten steht auf der Webseite des BDPK zum Download bereit.

 

Herr Liebsch, rund vier Prozent mehr – ist das eine realistische Größenordnung?

Als Untergrenze vielleicht, aber die Höhe der notwendigen Vergütungsanpassung ist von Klinik zu Klinik sehr unterschiedlich. Manche liegen heute nur bei knapp über 100 Euro am Tag, diese Kliniken bräuchten dann eher 30 Prozent. Mit vier Prozent höheren Vergütungssätzen können viele Kliniken nicht einmal die Steigerungen im Personalkostenbereich ausgleichen, was letztlich ja auch im Sonderkapitel Personalkosten des aktiva-Gutachten thematisiert wird. Denn zu den Tarifabschlüssen kommt der Nachholbedarf: In den letzten Jahren haben es nur wenige Reha-Kliniken geschafft, volles Tarifgehalt zu zahlen, weil die Vergütungssätze einfach nicht ausreichten. Durch bessere Arbeitsbedingungen konnte zwar noch einiges ausgeglichen werden, aber mittlerweile ist Tarifgehalt das Minimum, um auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Die Reha-Kliniken müssen also nicht nur die kommenden Tarifsteigerungen finanzieren sondern auch die Lücken aus der Vergangenheit schließen.

Zudem sind ja nicht nur die Gehälter, sondern auch die Kosten für das Personalmarketing enorm gestiegen. Klassische Akquise allein reicht heute nicht mehr aus, um die besten Kräfte zu bekommen. Die Kliniken müssen auch in die Markenbildung investieren, sich zum Teil völlig neu ausrichten und als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden. Auch das kostet Zeit und Geld.

Die Personalkosten sind der dickste Brocken, welche Bedeutung haben die anderen Posten?

Natürlich fallen auch die Materialkosten ins Gewicht, also für Arzneimittel, Lebensmittel, Energie und so weiter. Das ist im Gutachten detailliert aufgeschlüsselt. Ein anderer wesentlicher Faktor sind die Investitionskosten, die ja auch aus dem Vergütungssatz refinanziert werden müssen. Weil die Vergütung nicht reicht, verzichten viele Einrichtungen inzwischen auf notwendige Investitionen. Das wird mittel- und langfristig zwangsläufig zu Qualitätsverlusten und Strukturabbau führen. Und das geht auf Kosten der Patientensicherheit. Siehe Brandschutz: Das ist nicht alles un­sinnig, was da vorgeschrieben wird und was teilweise aufgrund von zu wenig Investivmitteln nicht umgesetzt werden kann.

Immer häufiger und wichtiger wird auch die Aufnahme von Patienten mit multiresistenten Erregern. Natürlich sollen auch diese Patienten ihre Reha bekommen, den Mehraufwand dafür müssen und können die Reha-­Kliniken vergütet bekommen.

Werden Sie damit bei den nächsten Vergütungs-­Verhandlungen Gehör finden?

Zumindest für unser Unternehmen kann ich sagen, dass Sachargumente immer die beste Wirkung haben. Das aktiva-Gutachten untermauert die Argumente rational und anschaulich, deshalb haben wir uns auch gern an der Umfrage zu seiner Erstellung beteiligt. Und wenn man mit den guten Argumenten gegen Mauern läuft, kann ich aus eigener Erfahrung nur den Gang vor die Schiedsstelle empfehlen. Ich hoffe natürlich, dass unsere Verhandlungspositionen zukünftig mit dem Inkrafttreten des Reha- und Intensivpflegestärkungsgesetzes noch besser werden.

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