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Entlassung mit Hürden

Entlassung mit Hürden

  • f&w
  • Management
  • 02.05.2018

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Ausgabe 5/2018

Seite 442

Im Oktober vergangenen Jahres ist der Rahmenvertrag für das Entlassmanagement in Kraft getreten. Im Klinikalltag ringen viele Mitarbeiter mit Mehraufwand und Bürokratie, wie eine Umfrage von Consus Clinicmanagement zeigt. Ein weiteres Ergebnis: Die Planung der nachstationären Versorgung eines Patienten wird noch zu oft dem Zufall überlassen. 

Die meisten Krankenhäuser hatten im Grunde schon vor dem 2017 in Kraft getretenen Rahmenvertrag ein Entlassmanagement – jedes Haus auf einem ganz unterschiedlichen Niveau. Fast immer war der Sozialdienst dafür zuständig. Vereinzelt haben sich auch Ärzte dieser Aufgabe angenommen oder hat die Pflege beispielsweise die Hilfsmittel bestellt. Mit dem Rahmenvertrag sollte in jeder Klinik eine optimale und lückenlose Versorgung der Patienten gewährleistet werden. Eine gute Idee – nicht ausreichend bedacht wurde jedoch, wie dies im Klinikalltag umgesetzt werden kann. Die Online-Umfrage von Consus Clinicmanagement mit 289 Teilnehmern zeigt, dass Theorie und Praxis noch nicht im Gleichklang sind.

Zunächst bedeutet der neue Rahmenvertrag für die Mitarbeiter einen Mehraufwand. Dies haben insgesamt 92 Prozent der Teilnehmer bestätigt; 65 Prozent gaben sogar an, dass es ein „deutlicher Mehraufwand“ sei. Dies ist keine Überraschung, da schon die Aufklärung des Patienten mehr Zeit erfordert. Der Patient muss jetzt über seinen Rechtsanspruch auf Entlassmanagement informiert werden und, sobald ein nachstationärer Bedarf erkennbar ist, eine schriftliche Einwilligung erteilen. Eine besondere Herausforderung stellen hierbei Patienten dar, die nicht einwilligungsfähig sind.

Der grundsätzliche Vorteil des Entlassmanagements wird dennoch erkannt. So äußerte einer der Teilnehmer der Umfrage: „Generell ist eine Neustrukturierung der vorhandenen Entlassprozesse sinnvoll, ebenso auch das initiale Assessment zur Feststellung des Versorgungsbedarfs.“ Er schrieb jedoch auch: „Viele Aspekte des Rahmenvertrages erscheinen als bürokratischer Mehraufwand, der sich nicht rechnet.“ Und in der Tat ist das Entlassmanagement ein Mehraufwand, der nicht gesondert vergütet wird. Daher tun sich die meisten Kliniken bisher schwer, für diesen Bereich einen höheren Personalaufwand einzuplanen. Nur acht Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Klinik eine Personalaufstockung für die Umsetzung der neuen Gesetzgebung vorgenommen hat, 88 Prozent haben dies mit einem Nein beantwortet. Das wird von einem Befragten sehr kritisch gesehen: „Es ist ein deutlicher Mehraufwand für die Mitarbeiter, welcher zusätzlich zu bewerkstelligen ist. Dies führt dazu, dass die Zeit in der Versorgung der Patienten eingespart werden muss.“ In der Tat sind die Anforderungen an die Mitarbeiter eine immer aufwendigere Dokumentation und zeitgleich eine immer kürzere Verweildauer.

Die Hälfte dokumentiert noch immer auf Papier

 

Hilfreich für ein optimiertes Entlassmanagement könnte die Technik sein. Doch auch hier ist die Mehrheit der Befragten mit 71 Prozent der Ansicht, dass die Prozesse in ihren Kliniken noch nicht ausreichend digitalisiert sind (Abbildung 1).

Das spiegelt sich auch in den Antworten zur Dokumentation wider. 47 Prozent der Befragten gaben an, dass noch immer auf Papier dokumentiert wird, acht Prozent sogar ausschließlich. Erschwerend für ein optimales Entlassmanagement ist sicherlich auch, dass die Dokumentation oftmals an verschiedenen Orten oder in unterschiedlichen Systemen erfolgt (46 Prozent). Dies birgt natürlich die Gefahr, dass ein Mitarbeiter immer nur auf einen Teil der bereits erfassten Angaben zu einem Patienten zugreift.

Ein einheitliches und digitales Dokumentationssystem in einer Klinik würde die Abläufe für alle Beteiligten vereinfachen. So hätte jeder Mitarbeiter die Chance, sofort auf einen Blick alle relevanten Daten eines Patienten zu erfassen – von der Aufnahme bis zur Entlassung. Die Umfrage zeigt, dass bereits vorhandene Informationen zu einem Patienten nicht ausreichend in das Assessment einfließen. Während die Stammdaten des Patienten bei der Aufnahme (67 Prozent) und die pflegerische Anamnese (65 Prozent) noch zu zwei Dritteln berücksichtigt werden, wird die ärztliche Anamnese nur zu 41 Prozent einbezogen. Beim Assessment selbst gibt es auch unterschiedliche Vorgehensweisen. 51 Prozent gaben an, dass das Assessment direkt im Krankenhausinformationssystem (KIS) erfolgt, 36 Prozent, dass die Angaben auf Papier notiert werden. Eine Übertragung der Papier-Daten ins KIS scheint es nur in wenigen Fällen zu geben, denn nur 53 Prozent wählten die Antwort KIS für die Dokumentation des Assessments. Dabei könnte ein einheitliches digitales System innerhalb einer Klinik den Mitarbeitern die Erstellung des Entlassplans erleichtern. 69 Prozent haben angegeben, dass dieser bislang noch auf Papier erstellt wird (Abbildung 2).

Die Kostenträger unterstützen die Zettelwirtschaft, indem sie die Anträge von Kliniken aus Datenschutzgründen nach wie vor per Fax erhalten möchten. Hinzu kommt, dass die Kostenträger selbst mit der Umsetzung des Rahmenvertrags überfordert zu sein scheinen. So gab es bei der Umfrage einige Rückmeldungen, die bemängelten, dass die Krankenkassen auf die vielen Anfragen nicht vorbereitet sind und damit auch die Bewilligungen der Anträge auf sich warten lassen. Immer wieder wurde in der Umfrage angemerkt, dass die Bürokratie überhand nimmt und die Unterstützung des Patienten dabei aus dem Fokus gerät. So merkte ein Befragter an: „Das Entlassmanagement wurde wie immer, wenn es etwas Neues gibt, am grünen Tisch entschieden. Die Verantwortlichen, die es umsetzen müssen, bleiben alleine. Die Bürokratie in den Kliniken hat ein Ausmaß erreicht, welches nicht mehr tragbar ist. Leider wehrt sich niemand dagegen. Auch die Ärztekammer hat sich nicht auf die Seite der Klinikärzte gestellt, um diesen Unsinn zu verhindern. Wenn man in einer Klinik arbeitet, die vorher schon die Entlassungsplanung gut geregelt hatte, ist dieses Gesetz eine Ohrfeige.“

Zugleich bringt die Umfrage etwas Bedenkliches hervor: 17 Prozent der Teilnehmer geben an, dass es in ihren Kliniken kein Assessment gibt. Nimmt man die knapp 2.000 Akutkliniken in Deutschland als Maßstab, würde dies bedeuten, dass es in rund 340 Krankenhäusern kein Assessment gibt und somit die Planung der nachstationären Versorgung eines Patienten scheinbar dem Zufall überlassen wird. Dies birgt natürlich die Gefahr, dass ein Patient mit einem nachstationären Versorgungsbedarf erst sehr spät erkannt wird und deshalb länger in einem Krankenhaus liegt, als es medizinisch erforderlich ist. Ein nicht vorhandenes Assessment lässt sich auch bei den 50 Prozent der Antworten vermuten, die angeben, dass die internen Klinikprozesse die Verweildauer eines Patienten verlängern. Weitere Gründe, weshalb ein Patient aus Sicht der Befragten länger in einer Klinik bleibt als erforderlich, sind zu wenig Pflegeplätze (84 Prozent), fehlende Reha-Plätze (72 Prozent), zu langes Warten auf Zusagen von den Kostenträgern (65 Prozent) und dass die Angehörigen sich überfordert fühlen (70 Prozent).

Ein gut funktionierendes Entlassmanagement ist daher in einer Klinik unverzichtbar. Sozialdienst, Pflegeteam, Ärzte und Therapeuten müssen hierfür interprofessionell zusammenarbeiten, sich zeitnah abstimmen, um eine individuelle Nachversorgung des Patienten zu gewährleisten. Eine Vision, die es seit Langem gibt, aber noch nirgends umgesetzt wurde, ist die des papierlosen Krankenhauses. Alle Informationen über einen Patienten wären digitalisiert und könnten beispielsweise über ein Tablet direkt am Krankenbett abgerufen werden. Eine Erleichterung wäre es dann für alle Beteiligten auch, wenn die digitale Unterschrift des Patienten zugelassen werden würde.

 

 

Die Umfrage „Entlassmanagement – Quo vadis“ von Consus Clinicmanagement richtete sich an Mitarbeiter aller Akutkliniken. Von den 289 Teilnehmern gaben 62 Prozent an, in leitender Funktion zu sein. 43 Prozent der Teilnehmer sind im Sozialdienst bzw. Case Management tätig, und 26 Prozent kamen aus der Pflege. Aus dem ärztlichen Bereich sind vier Prozent der Teilnehmer, die restlichen arbeiten in anderen Bereichen. Die Teilnehmer sind bei Kliniken der unterschiedlichen Versorgungsstufen angestellt, vom Grund- und Regelversorger (44 Prozent) über den Schwerpunktversorger (26 Prozent) bis zum Maximalversorger (30 Prozent).

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