339
Passwort vergessen

Mit Mut aus der Krise - Titel f&w 03/2008

Schwarzmalerei schadet den Krankenhäusern

Schwarzmalerei schadet den Krankenhäusern

  • Strategie
  • Titel
  • 01.03.2008

Im Klinikum Reutlingen stiegen die Ausgaben im vorigen Jahr um 2,7 Prozent. Für 2008 erwarten wir Steigerungsraten von fünf bis sechs Prozent und für 2009 von sechs bis acht Prozent. Die Eckpunkte für die Steigerungen der Personalkosten liegen fest. Aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung und der Entwicklung im Energiesektor erwarten wir wenngleich im Einzelnen noch schwer absehbare, aber deutlich überdurchschnittliche Preissteigerungen. Die vergangenen Jahre waren bereits deutlich gekennzeichnet durch wesentliche und einschneidende Schritte, um der Kostenentwicklung zu begegnen und eine zukunftsorientierte Strategie zu entwickeln. Wir wechselten die Rechtsform, um mehr Eigenständigkeit im Handeln zu gewinnen.

Wir führten unsere drei Krankenhäuser in einen in sich abgestimmten Verbund zusammen, legten ein einheitliches Medizinkonzept über alle drei Krankenhäuser, bildeten Schwerpunkte und Zentren. Dadurch konnten wir die Kapazitäten effizient verteilen. Wir zentralisierten Institute wie Pathologie und Labor sowie alle Administration. Wir bauten das Leistungsspektrum aus, um im Wettbewerb zu bestehen, begannen die Kooperation mit ambulanten Partnern und gründeten eine Servicegesellschaft. Insbesondere erfolgreich waren eine einheitliche, inhaltlich begründete und aus den Handlungsbedarfen abgeleitete Gesamtstrategie für den Krankenhausverbund und deren schrittweise Umsetzung, die Bildung medizinischer, zertifizierter Schwerpunkte und die damit verknüpfte Öffentlichkeitsarbeit über Rolle, Funktion und Leistungsfähigkeit der einzelnen Kliniken. Wir bildeten unser Image durch eine klare Kommunikation der Sachverhalte. Erfolgreich war auch die teils modellbildende Reorganisation zentraler Teilbereiche. Weniger erfolgreich waren undifferenzierte Sparvorgaben.

Trotz alledem: Die Mitarbeiter sind zur Veränderung bereit

Die Mitarbeiterschaft kann nachvollziehen, dass auf den Häusern ein hoher Kostendruck lastet, aber die Botschaft nutzt sich ab. Die Menschen reagieren teilweise nur noch achselzuckend darauf. Es herrscht der Eindruck, dass die Krankenhäuser mit ihren Problemen nur noch wenig Gehör finden. Als wenig hilfreich werden auch manche Darstellungen in den Medien empfunden, die das Krankenhaus eher als Ort der Überlastung, der Gefährdung, der geringen Zuwendung und der Unterbezahlung vermitteln. Die Urheber solcher Zerrbilder und Beiträge verkennen die nach wie vor engagierte, auch subjektiv von den Beschäftigten so gesehene Leistung, die im Krankenhaus erbracht wird. Die Beschäftigten möchten eigentlich nicht, dass das Krankenhaus in der öffentlichen Wahrnehmung immer nur mit der permanenten Unlösbarkeit von Problemen verbunden und damit auch „heruntergeredet“ wird.

Denn dieses Schreckgemälde überdeckt, dass und wie trotz aller Widrigkeiten in unseren Kliniken tatsächlich Leistung erbracht wird. Und diese Leistung trägt vielfach dazu bei, dass Optimierungen immer noch stattfinden können und auch die Bereitschaft zur Veränderung besteht. Aber diese Bereitschaft zu hüten und die Motivation dazu zu erhalten, wird immer schwieriger, zumal der Kostendruck auch das interne Konfliktpotenzial steigert. Wichtig ist, dass man den Beschäftigten Zukunftsperspektiven aufzeigen kann. Das gelingt auch in vielen Häusern gut. Die gesundheitsreformerischen Rahmenbedingungen sind dabei aber nicht immer nur hilfreich.

Der Politik fehlt es an Ehrlichkeit in der notwendigen Debatte

Denn der Eindruck ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Krankenhausmarkt auf kaltem Wege bereinigt werden soll. Die offenkundigen Systeminkongruenzen, die dringend seit Jahren beseitigt werden müssten, lassen jedenfalls diese Vermutung zu. Das duale System funktioniert nicht mehr, und der Wettbewerbsgedanke kollidiert mit einem hoch regulierten Geschehen. Aber es wäre auch zu kurz gegriffen, hier ein absichtsvoll boshaftes Handeln gegenüber den Krankenhäusern als Ursache zu vermuten. Über Jahrzehnte wuchsen Behandlungsmöglichkeiten und Anspruchshaltung, ohne die langfristigen Folgen dessen zu bedenken. Jetzt fehlen die Mittel, um das nach wie vor hohe Niveau zu halten.

Ein Versagen der Politik liegt folglich eher darin, diese seit längerem erkennbaren Entwicklungen, die sich mit der demografischen Entwicklung noch verschärfen werden, nicht offen angesprochen und keine Alternativen diskutiert zu haben. Das Drehen an der Angebotsschraube ist zwar sicherlich ein Mittel, das da und dort auch Wirkung zeigt und zur Reduktion der Kapazitäten führt. Aber das trägt nichts Zukunftsweisendes in sich. Sinnvoll und wichtig wäre es, offensiv die Rolle des Krankenhauses jetzt und künftig für unsere Gesellschaft offen zu diskutieren: Was wollen wir und wie viel davon, mit welcher Struktur und Zielsetzung und wo? Die Bevölkerung und die Beschäftigten sind möglicherweise bereiter, sich auf eine solche konzeptionell gesteuerte, zukunftsorientierte Diskussion einzulassen, als sich immer nur mit der Drohung eines bevorstehenden Exitus des Systems konfrontiert zu sehen.

Das Klinikum Reutlingen steigert den Umsatz und das Angebot

Für uns als Klinikum wird es unterdessen zunehmend schwieriger, die Personalkosten zu senken, weil durch steigende Fallzahlen, das Arbeitszeitgesetz sowie gestiegene Anforderungen an Qualitätssicherung und Dokumentation die Spielräume dafür kaum noch vorhanden sind. Um Sachkosten zu sparen, optimieren wir weiterhin die Beschaffung und setzen Prioritäten neu, aber wir strecken auch erforderliche Instandhaltungsmaßnahmen. Uns gelingt es, den Umsatz durch höhere Fallzahlen und einen höheren CMI zu steigern. Doch trotz aller Anstrengungen sind damit die Ausgabensteigerungen durch die Tarifverträge nicht zu kompensieren. Patientenbezogen schränken wir keine Leistungen ein, denn das verschlechterte langfristig unsere Wettbewerbssituation. Im Gegenteil: Durch Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und anderen Leistungsanbietern, durch Profilierung, Erweiterung und Akzentuierung des Leistungsspektrums bauen wir unser Angebot für die Patienten aus.

Anschrift des Verfassers:

Prof. Dr. Rudolf Schmid, Kreiskliniken Reutlingen GmbH, Steinenbergstraße 31, 72764 Reutlingen

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Klinik-Newsletter

Abonnieren Sie unseren kostenlosen täglichen Klinik-Newsletter und erhalten Sie alle News bequem per E-Mail.

* Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Anmelden“ erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig News aus der Gesundheitswirtschaft zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info@bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe



Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich