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Mit Mut aus der Krise - Titel f&w 03/2008

Marktanteile erschließen durch Spezialisierung und Zentrenbildung

Marktanteile erschließen durch Spezialisierung und Zentrenbildung

  • Strategie
  • Titel
  • 01.03.2008

Die Ausgabensteigerungen der Krankenkassen entstehen überwiegend nicht durch Kostensteigerungen aufseiten der Krankenhäuser, deren Budgets ja gedeckelt sind. Vielmehr gehen die Ausgabensteigerungen der Kassen auf eine seit Jahren zu beobachtende Leistungsmengensteigerung zurück. Für die Krankenhäuser der Gesundheit Nordhessen AG wurden für das Jahr 2007 die folgenden Steigerungen errechnet: Ärztlicher Dienst 4,3 Prozent, nichtärztliches Personal 3,5 Prozent, Sachkosten 3,2 Prozent. Diese Kostensteigerungen sind bereits insofern gemindert, da mit der natürlichen Fluktuation in den Häusern die Zahl der Stellen reduziert worden ist. Die Steigerungsraten liegen damit deutlich über der gesetzlichen Veränderungsrate. Die Steigerungsraten für das Jahr 2008 werden derzeit auf Basis der Tarifabschlüsse ermittelt. Sie werden bei etwa sechs Prozent liegen und damit dramatisch oberhalb jedes Zuwachses der vergangenen Jahre.

Die Kliniken verkaufen Zusatzleistungen

Wir steuern dem sowohl durch die Senkung der Kosten als auch durch eine Steigerung des Umsatzes entgegen. Wir senken zum Beispiel dieSachkosten, indem wir ein Einkaufsprojekt zur Senkung der Materialkosten mit Hilfe externer Berater betreiben. Wir schließen innovative Verträge zur Gerätebewirtschaftung oder einen Notlagentarifvertrag. Fortwährend analysieren und bewerten wir die Stellenpläne. Durch die Budgetierung sind Erlössteigerungen im GKV-Bereich leider nur in einem sehr geringen Umfang möglich, aber wir wollen auch in der stationären Behandlung Zusatzleistungen bieten, ähnlich den Individuellen Gesundheitsleistungen in den Praxen der niedergelassenen Ärzte. Detailliert haben wir die Renditen stationär und ambulant behandelter Patienten, unterschieden in GKVPatienten und Selbstzahler, analysiert und dargestellt. Diese Daten werden jedem leitenden Arzt zugänglich gemacht und erlauben eine sinnvolle Reflexion über das Leistungsspektrum, ohne dass in breitem Maße Leistungseinschränkungen geplant oder beabsichtigt sind, wohl aber eine in höherem Maße erlösorientierte Kostenbetrachtung.

Für alle Häuser, für Maximal- wie Grundversorger, haben wir Schwerpunkte der klinischen Tätigkeit auch durch die Bildung von Medizinischen Zentren definiert. Eine weitergehende Spezialisierung soll es erlauben, zusätzliche Marktanteile zu erschließen. Eine Vielzahl von Projekten soll die Ergebnisqualität steigern und helfen, die Kosten zu kontrollieren. Beispielhaft zu nennen wären die Bildung von standortübergreifenden medizinischen Fachgruppen, die Erarbeitung von verbindlichen Behandlungspfaden und Qualitätsparametern, die Etablierung interdisziplinärer Zentren und Behandlungseinheiten, die Ausweitung von Betriebszeiten in kostenintensiven Bereichen (OP, Ambulanzen) und die Etablierung einer Kostenrechnung zur Analyse der „Kostentreiber“.

Der Vertrag zur Sicherung der Zukunft ist der größte Erfolg

Wesentlichster Fortschritt in der jüngeren Vergangenheit war der Abschluss des Zukunftssicherungstarifvertrags mit einer möglichen Absenkung der Löhne und Gehälter um bis zu sechs Prozent bei gleichzeitigem Erhalt der öffentlichen Trägerschaft, dem Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und einer Rückgewähr von eventuellen Überschüssen. Dieser Zukunftssicherungstarifvertrag hat sich als besonders wertvoll erwiesen. Untauglich erscheinen dagegen rückblickend die Beratungsdienstleistungen zur Kostensenkung des medizinischen Sachbedarfs. Die Mitarbeiter verstehen überwiegend, dass ein Kostendruck auf den Häusern lastet. Die Ausfallzeiten gehen zurück, und generell ist viel Engagement zu verzeichnen, um mit Vorschlägen gemeinsam das Ziel des Fortbestands des Unternehmens zu sichern. Allerdings verstehen die meisten Mitarbeiter, dass das Hauptproblem nicht mangelnde Effizienz des Unternehmens, sondern eine Unterfinanzierung des Gesundheitssystems ist.

Der Unmut über die politischen Vorgaben wächst und hat die Schmerzgrenze erreicht.Die Qualität muss den Preis mitbestimmen Die Politik will den Markt bereinigen, ohne „sich die Finger schmutzig zu machen“, da die Marktbereinigung durch Budgetierung und Erlösschmälerung erfolgt. Die kapitalstarken Klinikketten werden überleben zulasten einer qualitativ guten, flächendeckenden Versorgung. Wenn die Politik mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen fordert, dann muss es auch gleiches Geld für gleiche Leistungen geben. Da aber Qualitätsaspekte der Versorgung in die Bemessung der Vergütung bislang gar nicht eingehen, ist diese Fairness des Wettbewerbs nicht gegeben. Bei unterschiedlicher Qualität müsste es auch unterschiedliche Preise geben können.

Anschrift des Verfassers:

Dr. Gerhard M. Sontheimer, Vorsitzender des Vorstandes, Gesundheit Nordhessen Holding AG, Mönchebergstraße 48E, 34125 Kassel
 

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