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Mit Mut aus der Krise - Titel f&w 03/2008

Die Politik schiebt die Marktbereinigung auf die Kassen ab

Die Politik schiebt die Marktbereinigung auf die Kassen ab

  • Strategie
  • Titel
  • 01.03.2008

Die Finanzplanung der Krankenhäuser ist extrem ausgereizt. Wer im Wirtschaftsplan für 2008 Personalkostensteigerungen von 3,0 bis 3,5 Prozent eingeplant hatte, wird mit den Tarifabschlüssen, die mit Verdi und dem Marburger Bund geschlossen wurden, einigermaßen zurechtkommen. Das Hauptproblem wird das Jahr 2009 sein, in dem sich mehrere negative Faktoren, insbesondere der größere Teil der Tariferhöhung, auswirken werden. Die Krankenhäuser sollten die Zeit bis dahin aktiv nutzen, um gegen die Budgetdeckelung Sturm zu laufen – gegebenenfalls auch gemeinsam mit den Gewerkschaften und den Verbänden.

Neue Leistungen und mehr Kooperation sichern die Erträge

Um der erdrückenden Finanzsituation entgegenzuwirken, haben wir versucht, die Erlöse zu steigern oder zumindest zu sichern. Wir steigerten sie, indem wir mehr hochspezialisierte Leistungen angeboten haben. Wir haben zum Beispiel eigene Abteilungen für die Gefäßchirurgie und die Elektrophysiologie aufgebaut, die Stroke-Unit und die Intensivmedizin erweitert sowie den Wechsel vom vorderen in den hinteren Augenabschnitt in der Augenheilkunde vollzogen. Wir sicherten die Erträge durch IV-Verträge und Kooperationsverträge mit niedergelassenen Ärzten zum Beispiel in der Kardiologie und Urologie. Schließlich haben wir einige zertifizierte Zentren errichtet.

Trotz ernsthafter Bemühungen ist es uns nicht gelungen, im Jahr 2007 einen Tarifvertrag „Zukunftssicherung“ mit Verdi abzuschließen. Die Optimierung der Prozesse und die Delegation der Tätigkeiten nach Qualifikationen spielen für uns eine entscheidende Rolle. So haben wir eine eigenständige, ärztlich geleitete, aber von speziell ausgebildetem nichtärztlichen Personal besetzte Kodierabteilung sowie einen nicht-ärztlichen Blutentnahmedienst eingesetzt. Ein Großteil der Kliniken ist mit Fall- oder Prozessmanagern ausgestattet. Darüber hinaus konnten durch die Bildung interdisziplinärer Zentren erhebliche Verbesserungen in den Prozessabläufen erreicht werden.

Zu dieser positiven Entwicklung hat wesentlich beigetragen, dass wir mittlerweile etwa 70 Prozent Chefärzte ohne Liquidationsrecht haben, was zu spürbar mehr Kollegialität geführt und die Intention, mit der diese Ärzte arbeiten, deutlich zum Besseren gewendet hat. Natürlich kann nicht jede geplante Maßnahme erfolgreich sein. Projekte können scheitern oder verworfen werden, wenn Widerstände massiv werden. Die Widerstände können von Mitarbeitern ausgehen, die sich nicht mitgenommen fühlen, von nie- dergelassenen Ärzten, die um ihre Pfründe bangen, von Kostenträgern, die zu kurzfristig orientiert sind, oder vom Krankenhausträger und den Aufsichtsbehörden.

Die Geschäftsführung muss mit Transparenz Vertrauen schaffen

Hier kann die Geschäftsführung mit Transparenz gegenwirken. Die Mitarbeiter müssen offen über die wirtschaftliche Lage des Unternehmens informiert werden, aber auch über die strategischen Ziele, geplanten Investitionen oder Wege der Standortsicherung. Die Mitarbeiter verstehen dies alles sehr wohl, haben aber natürlich zunächst ihren privaten Bereich im Blick und somit die starken Preisentwicklungen in verschiedenen Sektoren. Wer für eine Tankfüllung 70 Euro bezahlt (für die „älteren Semester“ unter uns – das wären 135 Mark), der ist froh um seinen Arbeitsplatz und rechnet mit jedem Euro. Dabei vergleicht sich der Arzt mit seinen Kollegen in bestimmten anderen Ländern, und die Krankenschwester und der Verwaltungsangestellte ziehen den Vergleich zu ähnlich qualifizierten Mitarbeitern in anderen Branchen. Im Ergebnis führt der Vergleich zu Unzufriedenheit in einem Umfeld, das von extremer Arbeitsverdichtung gekennzeichnet ist.

Ein offener Wettbewerb sieht anders aus

Wir alle fragen uns, ob wir auf Besserung setzen können. Schließlich ist es offensichtlich das erklärte Ziel der Politik, den Krankenhausmarkt durch Druck zu bereinigen. Dies haben die „Dauerexperten“ bereits vor Jahren angekündigt. Selbst nach vielen Jahren der Budgetdeckelung und einer langen Phase von Optimierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen in deutschen Krankenhäusern wird immer noch gebetsmühlenartig von großen Rationalisierungsreserven gesprochen. Durch die geplante selektive Kontrahierung schiebt die Politik die gezielte Marktbereinigung auf die Kostenträger ab. Ein offener Wettbewerb würde sowohl Preis- als auch Qualitätswettbewerb voraussetzen.

Anschrift des Verfassers:

Peter Asché Geschäftsführer Klinikum der Stadt Ludwigshafen GmbH, Bremerstraße 79, 67063 Ludwigshafen.

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