339
Passwort vergessen

Hausarzt für Notfallpatient gesucht

Hausarzt für Notfallpatient gesucht

  • f&w
  • Kongress und Tagungen
  • 01.03.2014

42 Prozent der Einweisungen ins Krankenhaus sind Notfälle. Jedoch fehle eine eingrenzende Definition, ebenso wie die Beschreibung des Behandlungsbedarfs in der Notfallversorgung. Dies führe oft zu einem unterschiedlichen Verständnis zwischen den einzelnen Bundesländern und den zuständigen Ministerien in den Bereichen Krankenhausplanung, kassenärztliche Versorgung und Rettungsdienst.

Deshalb sei die Notfallversorgung ein zentrales Thema bei der Restrukturierung der Versorgungslandschaft, sagte Prof. Dr. Andreas Beivers, Studiendekan für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius. Beivers forderte ein einheitliches Herangehen für eine umfassende und quantitative wie qualitative Neuausrichtung der Notfallversorgung. Es bedürfe dazu unter anderem kostenrechnerischer Vorgaben. Um sicherzustellen, dass Notfälle adäquat vergütet würden, empfehle sich eine Finanzierung über Fachabteilungsschlüssel oder Triage-Systeme.

Dr. Andreas Tecklenburg, Vorstand für Krankenversorgung der me-dizinischen Hochschule Hannover (MHH), sagte, die Fallanstiege in  Notfalleinrichtungen seien nicht finanzierbar. Von 56000 Patienten pro Jahr in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) der MHH bleiben 24000 ambulant. Mangelnde Abrechnungsmöglichkeiten führen zu einem jährlichen Defizit von 3,2 Millionen Euro. „Notaufnahmen müssen im Sinn eines Zentrums und nicht pro Fall vergütet werden, weil sie Teil der Daseinsvorsorge sind", sagte Tecklenburg. Mit 30 Euro pro Fall seien sie vollkommen unterfinanziert. Problematisch seien auch fehlgeleitete Patientenströme. Schätzungsweise ein Viertel aller ambulanten Patienten der ZNA könnte initial und abschließend von einem Allgemeinmediziner behandelt werden. Patienten kämen meist tagsüber und oft an Wochentagen, obwohl in solchen Fällen niedergelassene Haus- oder Fachärzte zuständig seien. Tecklenburg stellte ein Pilotprojekt zur Integration der Allgemeinmedizin in die ZNA vor. Die gesammelten Erfahrungen dienten unter anderem der Rückführung und Anbindung der Patienten an die wohnortnahe hausärztliche Versorgung. „Wir suchen mittlerweile für Patienten der Notaufnahme einen Hausarzt, damit sie nicht wiederkommen", so Tecklenburg.

Dr. Anke-Britt Möhr, Geschäftsführerin Stationäre Versorgung und SLE der AOK-Nordost, veranschaulichte die Situation der Notfallversorgung  für Brandenburg und Berlin. Sie warnte, die demografische Entwicklung Brandenburgs führe außerhalb des Speckgürtels zu einer  Gefährdung der notfallmedizinischen Behandlung. Ohne eine durchgreifende Neuausrichtung der Versorgungsstrukturen seien  Qualitätseinbußen vorprogrammiert. Möhr empfahl, auch Reha Einrichtungen einzubinden und die Rahmenplanung in eine Detailplanung umzuwandeln. In Berlin dagegen gäbe es starke strukturell-prozessuale Probleme. Der quantitativen wie auch qualitativen Überforderung der Rettungsstellen müsse etwa durch die Einführung von Triage-Systemen und einer sektorenübergreifenden Versorgungsplanung Einhalt geboten werden. Möhr riet auch, mögliche Synergieeffekte beider Länder zu nutzen.

In Dänemark, so Dr. Alexander Kirstein, Geschäftsführer der G.A.R.D. Verwaltungsgesellschaft für Ambulanz und Rettungsdienst, wurde die Anzahl Notaufnahmen im Rahmen einer Strukturreform halbiert. Der Grund: Viele Krankenhäuser konnten weder Vorhaltungen finanzieren noch das zunehmende ärztliche Anspruchsniveau gewährleisten. Im steuerfinanzierten Ge- sundheitswesen Dänemarks setze man deshalb auf eine regional gesteuerte Gestaltungskompetenz. In den für die Gesundheitsversorgung verantwortlichen Regionen wurden fünf integrierte Leitstellen geschaffen. Seitdem wird die gesamte Rettungskette von der Entgegennahme der Aufträge bis zur Aufgabenverteilung durch eine koordinierende Stelle gesteuert. Ein gemeinsames Triagemodell für alle beteiligten Institutionen wurde eingeführt, ebenso wie eine einheitliche Planungs- und Dispositionssoftware. Die Nutzung von Tele- medizin sowie einheitlicher Behandlungsstandards sorgten dafür, dass die Versorgungsqualität zum Beispiel bei Herzinfarkt Patienten in Dänemark besser als der OECD Durchschnitt sei.

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Klinik-Newsletter

Abonnieren Sie unseren kostenlosen täglichen Klinik-Newsletter und erhalten Sie alle News bequem per E-Mail.

* Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Anmelden“ erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig News aus der Gesundheitswirtschaft zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info@bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe



Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich