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Telemedizin

Digitaler Tsunami

Digitaler Tsunami

  • Politik
  • Editorial
  • 01.03.2014

Es ist gerade einmal zehn Jahre her, dass Mark Zuckerberg Facebook gegründet hat. Zehn Jahre, die sich im Rückblick anfühlen, als habe ein Tsunami etablierte Standards und soziale Techniken nahezu unangekündigt weggespült. Smartphones und Tablets sind die Techniken der Gegenwart. Cloud Computing, Big Data, soziale Medien, mobile Informationsbeschaffung und Streaming prägen den Alltag. Allein das Unternehmen Apple wird in diesem Jahr soviel Umsatz machen wie alle Tageszeitungen der Welt zusammen. Und das Tempo der Digitalisierung scheint weiter anzuziehen. In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl der App-Downloads um 6000 Prozent gestiegen. 2017 sollen weltweit mehr als 6,6 Milliarden Mobiltelefone in Betrieb sein.

Der Krankenhaussektor kennt die Umwälzungen aus eigener Anschauung nur zu gut. Tablets sind auch auf Station allgegenwärtig. Längst entscheiden Qualität und Integrationstiefe der IT über den Erfolg der Behandlung. Computergestützte Kodierungslösungen zum Beispiel bringen Präzision in die Abrechnungen medizinischer Leistungen. Sie entlasten das Personal und vermeiden oft die aufwendige Nachkodierung. Trotz aller Strapazen, die verschiedenen Subsysteme des KIS miteinander zu verknüpfen, erleichtert moderne Informationstechnologie unter dem Strich die Dokumentation im Krankenhaus. Sie ermöglicht echte Transparenz und erhöht dadurch systematisch die Patientensicherheit.

Ausgeschöpft ist das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitssektor allerdings nicht einmal annähernd. Insbesondere über die Sektorengrenzen hinweg könnte die Digitalisierung ihre Vorzüge noch viel stärker ausspielen, wie das Beispiel der Arzneimitteltherapiesicherheit nahelegt. Hier zeigen IT-Lösungen im Krankenhaus frühzeitig Wechselwirkungen und Kontraindikationen auf. Informationen gehen allerdings zu oft beim Übergang zur ambulanten Versorgung oder in eine Nachsorgeeinrichtung verloren. Richtig vernetzt ließen sich unzählige poststationäre Komplikationen vermeiden.

Die Grenzen der Sektoren erweisen sich für die Digitalisierung noch immer als unüberwindbare Mauern. Dabei beweisen viele erfolgreiche telemedizinische Konzepte, dass es sich lohnt, diese Mauern einzureißen.

Einige dieser nachahmenswerten Projekte stellen wir in der aktuellen f&w-Titelstrecke vor. Ihre Detailregelungen und Besonderheiten machen deutlich, wie sehr die Digitalisierung der Versorgung von der Politik abhängig ist. Ein ordnungspolitischer Rahmen, der es ermöglicht, Telemedizin-Lösungen in die Regelversorgung zu überführen, wird schmerzlich vermisst. Die Selbstverwaltung scheint hierzu jedenfalls außerstande zu sein. So lange nicht geklärt ist, welcher Klientel die durch die eGK entstehende Transparenz- und Fehlerkultur Vorteile bringt, leisten sich die Beteiligten lieber eine Debatte über den mutmaßlich bedrohten Datenschutz, als sei dieser höher zu gewichten als die Gesundheit des Einzelnen.

Die Anknüpfungspunkte sind schnell benannt: Erstens muss die Bundesregierung ein Regelwerk formulieren, um die Erstattung der Kosten für Telemedizin endlich flächendeckend zu realisieren. Zweitens müssen die Defizite in der IT-Infrastruktur behoben werden. Der neue „Minister für Datenautobahnen" Dobrindt ist wohl das einzige Kabinettsmitglied, von dem seit Übernahme der Regierungsgeschäfte im Dezember noch weniger Konkretes zu vernehmen ist als von Gesundheitsminister Gröhe. In der Weltrangliste der führenden Glasfasernationen jedenfalls ist Deutschland nicht einmal aufgeführt. Finanzminister Schäuble täte daher gut daran, die Milliarden, die er vom Bundeszuschuss für den Gesundheitsfonds abgezweigt, unmittelbar in die digitale Infrastruktur zu stecken. Problematisch für die Telemedizin ist – drittens – auch die mangelnde Ausrichtung an etablierten Standards. Berlin sollte darauf drängen, dass sich die Branche zeitnah einigt.

Ich wünsche Ihnen eine erhellende Lektüre!

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