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Gescheitert? Potenzial!

Gescheitert? Potenzial!

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  • Politik
  • 28.02.2017

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Ausgabe 3/2017

Seite 225

Die Vertreter von Krankenkassen und Krankenhäusern lassen kaum ein gutes Haar an der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV). Trotzdem birgt sie Potenzial.

Krankenhausmanager kennen Dr. Wulf-Dietrich Leber etwa von seinem jähr­lichen Auftritt beim Nationalen DRG-Forum in Berlin. Der Leiter der Abteilung stationäre Versorgung beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) vereint ein Höchstmaß an trockenem Humor mit fachlichem Tiefgang. Da wird schon mal ein Vortrag gerappt. In Sprechgesang verfiel Leber beim ASV-Symposium Anfang Februar nicht, aber er war gut in Form. Die immer komplexer werdenden Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) kommentierte er mit dem Satz: „Leute, die daran Spaß haben, sind oft auch ansonsten verhaltensauffällig.“ Vielleicht hält sich Leber eine neue Vortragsform für das DRG-Forum am 23. und 24. März in Berlin bereit.

Beim ASV-Symposium machte er deutlich, was er von der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) hält – offenbar nicht allzu viel. Eine sektorenübergreifende Versorgungsform wachse da jedenfalls nicht. „Es entsteht nicht die Sektorenüberwindung, sondern ein neuer Sektor.“ Die Leistungserbringer kämen aus ihren jeweiligen Silos nicht heraus – „sie schaffen ein neues Silo“. Dabei werde das ambulante System immer komplexer, es würden immer neue Möglichkeiten für Krankenhäuser geschaffen, ambulant tätig zu werden. Das System sei kaum noch durchschaubar. „Es kommt pro Jahr eine neue Regelung für ambulante Krankenhausleistungen hinzu“, klagte Leber. Ob das die Kliniken in dieser Form freut? Zumal Leber gerade auch den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) „El-Dorado-Phantasien“ in puncto ASV bescheinigte: „alles ungedeckelt, alles ungekürzt, alles ungeprüft, alles über das Konto der KVen“. Dabei verwies er darauf, dass man in Bezug zur ASV mittlerweile mit 800.0000 ambulanten Abrechnungsziffern hantieren müsse. „Das dauert selbst unter Freunden länger.“ Trotzdem sieht Leber Potenzial, insbesondere in der ASV-Servicestelle. Die könne auch hilfreiche Dienstleistungen für andere Bereiche bieten, etwa das Entlassmanagement. Der Vorteil laut Leber: „Die ASV-Servicestelle ist unabhängig von den Krankenkassen, der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).“ Schließlich sagt er: „Es gibt bedeutsamere ordnungspolitische Herausforderungen als die ASV.“

Jedoch liegt in ihr vielleicht der Schlüssel für ein breit angelegtes Aufbrechen der Sektorengrenzen, vielleicht ausgerechnet in ihrem Scheitern. Denn die Bereitschaft von Ärzten und Krankenhäusern, unter den derzeit geltenden Regeln der ASV mitzumachen, hält sich in Grenzen. Von einer flächendeckenden Versorgung schwer kranker Patienten in dem neuen Versorgungssektor kann keine Rede sein. Warum, erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum: „Wir haben uns völlig verrannt.“ Soll heißen: Der G-BA hat so hohe bürokratische Hürden aufgebaut, dass kaum ein Krankenhaus und erst recht nur wenige niedergelassene Mediziner Patienten unter den ASV-Regeln behandeln wollen. Da ist von Anträgen mit mehr als 3.000 Seiten die Rede. Die Krankenhäuser wünschen sich die Rückkehr zu den alten Regeln des § 116b SGB V. Baum fordert einen permanenten Bestandsschutz für jene Kliniken, die nach dem alten Rahmen Patienten ambulant und interdisziplinär behandeln. „Ja, wir sind in der Überregulierung“, gestand denn auch Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses, zu. Jedoch wies sie die Forderung nach einem permanenten Bestandsschutz zurück.

Die ASV, das wurde auf dem Symposium deutlich, ist im Grunde gescheitert. Aber sie hat Potenzial, wenn der Gesetzgeber das will. Die nächste Regierungskoalition sollte den Wildwuchs zulässiger ambulanter Krankenhausleistungen entflechten. Weshalb sollten Krebspatienten zur Nachsorge nicht generell ins Krankenhaus dürfen? Für diese Patienten muss ein gesondertes Vergütungssystem her, mit einheitlichen Preisen unabhängig vom Behandlungsort. Die KV-Budgets können dann entsprechend reduziert werden. Dafür müssen die Krankenhäuser vielleicht die Kröte schlucken und ihre Ärzte bei einer zentralen Servicestelle registrieren lassen.

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