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Vorstandsvorlage

KI – das Machbare machen!

KI – das Machbare machen!

  • f&w
  • Management
  • 26.02.2018

f&w

Ausgabe 3/2018

Seite 233

Der „Künstlichen Intelligenz“ (KI) ist derzeit kaum zu entkommen. Es scheint fast so, als ob dieses Thema die ansonsten sich eher träge entwickelnde Gesundheitsbranche euphorisiert wie keins zuvor: Es werden starke Hoffnungen geweckt und radikale Veränderungen prognostiziert. Hier erscheinen mir jedoch momentan die Erwartungen überzogen. Es ist wichtig, dem basalen Trend zu folgen – aber wir sollten uns nicht von jedem anbieter- und beratergetriebenen Hype blenden lassen. Denn genau da stehen die Verfahren der KI aktuell, glaubt man dem renommierten Hype Cycle des Marktforschers Gartner. Auch ich glaube, dass diese Technologie ein unglaubliches Potenzial hat, alle Aspekte unseres Lebens positiv zu beeinflussen. Gerade vor dem Hintergrund der sich schnell entwickelnden Präzisionsmedizin und Big Data werden diese Verfahren zur Notwendigkeit. Falsch wäre es, auf die Verheißungen der KI-Propheten zu warten. Wir sollten uns vielmehr fragen: Wo können wir heute schon Algorithmen des „machine learning“, „deep learning“, „natural language processing“ usw. in unseren Kliniken konkret einsetzen? Wir können diese Frage nur mit entschlossenem unternehmerischen Denken und Handeln beantworten.

Sinnvoll unterstützen können die neuen Technologien schon heute an einigen Stellen, sowohl im medizinischen als auch im administrativen Bereich. Zum Beispiel beim Auffinden von bestimmten Informationen. Nehmen wir für einen Moment an, wir wären bereits in der Lage, alle relevanten Patientendaten digital zu erfassen, zu speichern und untereinander auszutauschen (von diesem Ziel sind wir zweifelsohne noch weit entfernt): Dann könnten wir vermutlich dennoch nicht alle Informationen im Sinne der optimalen Behandlung nutzen, da unsere kognitive Kapazität dafür nicht ausreicht. Mit anderen Worten: Daten allein nur zu sammeln, bringt noch keinen Mehrwert. Überdies nehmen nicht nur die Patienteninformationen zu, sondern auch das Fachwissen steigt exponentiell an. Die Folge: Das Problem wird noch verschärft.

Genau in einem Bereich werden die Limitationen der aktuellen Technologien besonders immanent: im Verständnis des wichtigsten Informationsträgers in der Medizin, der menschlichen Sprache. Ich amüsiere mich regelmäßig, welche Fehler sich Alexa, Siri und Co. immer wieder im normalen Alltag noch leisten. Wenn selbst die Alltagssprache noch nicht beherrscht wird, so sind in der Medizin den Algorithmen heute noch weitaus mehr Grenzen gesetzt. Komplexe Deutung, Wertung und das Ziehen von über den Text hinausreichenden Schlussfolgerungen beherrschen KI-Systeme auf diesem Gebiet noch nicht. Die medizinische Fachsprache bleibt in Verbindung mit der Fülle vorwiegend unstrukturierter Daten zumindest in naher Zukunft eine große technische Herausforderung.

Neben technischen Limitationen müssen wir uns auch die Frage nach moralischen und regulatorischen Grenzen stellen. Wo dürfen wir heute schon KI mit gutem Gewissen einsetzen? Wo bleibt der staatliche Ordnungsrahmen für Algorithmen? Etwas Erfreuliches sollten wir der Situation jedoch abgewinnen: Der Hype um künstliche Intelligenz führt uns allen täglich die Notwendigkeit der Innovation im Gesundheitswesen vor Augen, die wir mit realer Intelligenz lösen müssen. Wir müssen daher mit Augenmaß vorangehen, um den Verheißungen der Zukunft nicht das Potenzial der Gegenwart zu opfern.

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