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Alternativen zu WhatsApp

Sicher chatten im Krankenhaus

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  • Technologie
  • 13.03.2019

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Ausgabe 3/2019

Seite 280

Ralf Boldt, Geschäftsbereichsleiter IT des Klinikums Oldenburg

Consumer-Messenger wie WhatsApp sind für den Einsatz im Krankenhaus ungeeignet, sogar gefährlich. Verbote allein hält Ralf Boldt, Geschäftsbereichsleiter IT des Klinikums Oldenburg, für kontraproduktiv. Er setzt auf Alternativen. 

Es ist der Albtraum eines jeden Datenschützers: Ärzte schicken sich in einer privaten WhatsApp-Gruppe Fotos von EKGs zu und diskutieren munter über die Patienten. Einige Gruppenmitglieder arbeiten schon lange nicht mehr im Klinikum, lesen aber weiter fleißig mit. So geschehen in einem Krankenhaus in Süddeutschland.

Tatsächlich ist das kein Einzelfall. In vielen Krankenhäusern nutzen Mitarbeiter WhatsApp für dienstliche Belange – obwohl der Consumer-Messangerservice dafür gar nicht geeignet ist. Viele Anforderungen der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) erfüllt WhatsApp nämlich nicht: Die Server stehen außerhalb der EU, eine Kontrolle über die IT-Abteilung nicht möglich, dazu sammelt die Software Metadaten und greift auf Daten im Telefonbuch des Nutzers zu.

Wie groß der Leidensdruck in Krankenhäusern ist, unterstrich die erneute Wahl des Projekts „Beseitigung des WhatsApp-Dilemmas im Krankenhaus“ Mitte Februar zu einem der Digitalisierungsprojekte der Entscheiderfabrik. Zwölf Teams präsentieren sich dort jedes Jahr, die Teilnehmer dürfen per Abstimmung entscheiden, welche fünf Bewerber ihr Projekt bis 2020 gemeinsam weiterentwickeln dürfen. Bereits 2018 war das WhatsApp-Projekt stark gefragt, sechs Krankenhäuser wollten die alternative Messanger-Lösung mit dem Namen „Netsfere“ in ihrem Haus installieren und testen. Eines von ihnen war das Klinikum Oldenburg. „Wir haben in diesem Jahr das WhatsApp-Dilemma abgeschafft“, berichtet Ralf Boldt, der als Geschäftsleiter IT das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat. Das Verbot von WhatsApp auf Dienstgeräten ist das eine; das andere ist es, den Mitarbeitern eine Alternative anzubieten, die genauso einfach und schnell funktioniert. „Wenn Patientendaten hin- und hergesendet werden, muss es dafür einen sicheren Weg geben, und wir müssen garantieren, dass der Empfänger auch tatsächlich der gewünschte Empfänger ist“, unterstreicht Boldt.

Patienten senden Videos an die Klinik

Der Messanger kommt bislang in zwei Bereichen zum Einsatz: Intern nutzen die Mitarbeiter in der IT-Abteilung das Tool für die Organisation der Bereitschaftsdienste und die schnelle Kommunikation untereinander. Denkbar wäre zudem ein Einsatz in der Notaufnahme, um auch dort den Bereitschaftsdienst zu organisieres. In einer entsprechenden Nutzergruppe ließe sich schnell abfragen, ob eine Kollegin oder ein Kollege bei kurzfristigen Vakanzen einspringen könne, so Boldt.

Zudem können Eltern von Kindern, die unregelmäßige Krämpfe im Schlaf bekommen, mit dem Messanger zu Hause gedrehte Videos an das Krankenhaus schicken. Dort sichtet ein Arzt das Material und kann entsprechende Anweisungen erteilen. Allerdings: Wenn auf dieser Basis eine medizinische Entscheidung getroffen wird, muss sichergestellt werden, dass die entsprechenden Daten auch in der Patientenakte abgelegt werden, unterstreicht Boldt.

Die tiefere Integration von Netsfere in das Krankenhausinformationssystem (KIS), etwa mit einer strukturierten Datenablage, wird nun im Entscheiderfabrikzyklus 2019 eine wichtige Rolle spielen. Das Klinikum Oldenburg ist da allerdings nicht mehr mit an Bord, weil das Klinikum auch andere Tools einsetzt. „Der Messanger ist eine gute Lösung, aber nicht für alle Anforderungen geeignet, beispielsweise wenn zwei Ärzte gemeinsam ein Röntgenbild anschauen wollen oder wenn große Mengen strukturierter oder unstrukturierter Daten von A nach B gesendet werden“, so Boldt. Auch in der Wunddokumentation setzt das Klinikum auf iPads, mit denen Fotos gemacht und direkt in der Patientenakte gespeichert werden.

Grundsätzlich wären auch andere Lösungen denkbar, sagt Boldt. Große Träger wie Vivantes und SRH setzen auf eine Mitarbeiter-App, in die ein sicherer Messanger bereits integriert ist. Derlei Lösungen sind freilich kostspieliger als ein kleineres Tool.

 

Entscheiderevent 2019

Auf dem Entscheiderevent der Entscheiderfabrik stellten sich am 15. Februar in Düsseldorf zwölf Teams mit ihren Digitalsierungskonzepten zur Wahl. Auf Basis der Präsentationen wählten die Anwesenden die fünf Digitalisierungsthemen, die im Jahr 2019 von Industrie, Beratern und Krankenhäusern bearbeitet werden. Die Digitalisierungsthemen 2019 sind:

  • Kommunikation mit Mehrwert ohne WhatsApp-Dilemma, Freiraum für selbstbestimmte Interaktion eingebunden in den klinischen Alltag, gesetzeskonform, praktikabel, sicher, vollständig
  • SAP Digital Boardroom für Krankenhäuser – wie Entscheider komplexe Zusammenhänge agil und intuitiv analysieren können
  • Digitalisierung der Pathologie – vollumfänglicher, elektronischer Workflow mit allen fallrelevanten histologischen Objekträgern zur digitalen und damit ortsunabhängigen Befundung
  • Konzeption und Aufbau sowie sicherer Betrieb, Prüfung und Mitwachsen der unterbrechungsfreien Stromversorgung für Rechenzentren, IT-Strukturen und komplexe Netze im Krankenhaus
  • Archivar 4.0 und die Unterstützung des digitalen Wandels durch interoperable Archivierung intelligenter Patientenakten

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