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Hecken will Tavi-Mindestmenge

Hecken will Tavi-Mindestmenge

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  • 12.03.2020

f&w

Ausgabe 3/2020

Seite 231

Josef Hecken

Bis zur Jahresmitte will der G-BA Mindestmengen für das Herzklappenverfahren Tavi beschließen. Versorgungspolitisch geht es um Nuancen, denn schon jetzt dürfen nur 85 Zentren dieses Verfahren anwenden. Allerdings erfreut sich der Eingriff wachsender Beliebtheit.

Der kathetergestützte Aortenklappen-ersatz (Tavi) ist seit Bestehen des Verfahrens ein umkämpftes Terrain. Der Eingriff ist gut bezahlt und ersetzt in immer mehr Fällen die offen chirurgische Technik. Ursprünglich ist das Kathetern eine Sache der Kardiologen gewesen, doch die Chirurgen haben sich das Terrain zusehends erarbeitet.

2015 traf der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) dann eine weitreichende Entscheidung: Tavi-Eingriffe dürfen seit 2016 nur noch in einer Klinik mit bettenführender Herzchirurgie gemacht werden. Die Zahl der Häuser, die das Tavi-Verfahren anbieten, ist daraufhin schlagartig geschrumpft. 2018 sind an nur 85 Zentren knapp 21.000 Tavi-Prozeduren vorgenommen worden.

Die Zahl der Eingriffe steigt jedoch, denn das Verfahren hat Potenzial: Es steht bislang vor allem Patienten zur Verfügung, die zu schwach für einen Eingriff am offenen Herzen sind. Über 60 Prozent der Patienten sind 80 Jahre oder älter. Für dieses Klientel bringt der vergleichsweise einfache Eingriff am Herzen einen echten Gewinn an Lebensqualität. Mittlerweile kann die Tavi aber auch bei anderen Patienten angewendet werden, je nachdem, welches Risiko das konventionelle chirurgische Verfahren für sie darstellt. Generell haben die katheterbasierten Eingriffe zugenommen, während die herzchirurgischen Eingriffe an den Klappen nahezu konstant blieben. Grund dafür ist vor allem der wissenschaftliche Fortschritt: Die Katheter sind dünner geworden, die Klappen schließen besser. Außerdem haben sie auch eine gewisse Langlebigkeit unter Beweis gestellt.

Von den derzeit 85 Zentren gibt es keines, das weniger als 20 Eingriffe pro Jahr macht, erklärt das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Wie viele der Zentren weniger als 50 Eingriffe im Jahr machen, ist nicht öffentlich. Verbrieft ist jedoch, dass die Zahl der Komplikationen stetig gesunken ist. Die Konversionsrate, also die Fälle, bei denen aufgrund von Komplikationen eine OP am offenen Herzen nötig wurde, ist unter ein Prozent gesunken.

Die jetzt auszuhandelnde Mindestmenge soll sicherstellen, dass Kliniken den Eingriff so häufig machen, dass sie bei Komplikationen eine gewisse Erfahrung entwickeln. Interessant sind in diesem Zusammenhang auch Mindestmenge pro Operateur - und nicht pro Einrichtung. Bisher gibt es solche Mindestmengen jedoch nur in Zertifizierungsverfahren (etwa für Knie-TEPS) - sie werden aber immer häufiger gefordert.

In Diskussionen um die Mindestmenge für Tavi fallen meist die Zahlen 80 und 100. Doch belastbare Studien zur Verbindung von Menge und Qualität bei Tavi gibt es - bis auf eine internationale Studie - nicht. Der G-BA will deshalb dem Vernehmen nach das Qualitätsinstitut IQWIG für eine Studie beauftragen. Das Gremium möchte sich wohl unabhängig von den Interessen einzelner Fachleute machen: Der Chefarzt eines Zentrums, das 120 Fälle pro Jahr macht, könnte eine Mindestmenge von 100 fordern, um den Konkurrenten der nur 90 macht, abzuwürgen - und so weiter. Im Grunde geht es um Nuancen, und da will sich der G-BA nicht auf die Meinungen der teils untereinander zerstrittenen Fachgesellschaften verlassen. Initiator für diese Mindestmenge ist übrigens der G-BA selbst. Dessen Chef Josef Hecken hatte in einem Pressegespräch Ende Januar erklärt, er bereite einen entsprechenden Antrag vor.

Mindestmengen stehen derzeit oben auf der politischen Agenda. Es gibt kaum noch jemanden, der offen dagegen ist, und Minister Jens Spahn hat für die zweite Jahreshälfte 2020 Gesetzesinitiativen zum Thema Mindestmengen angekündigt. Doch zuletzt hat er diese Ankündigung nicht wiederholt. "Denn das ist auch gar nicht so einfach, weil sich im Zweifel Bundestagsabgeordnete schützend vor ihr kommunales Haus werfen", wie Hecken kürzlich witzelte.

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