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Vordenkerreise 2020

Inspirierendes Israel

Inspirierendes Israel

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  • Editorial
  • 25.02.2020

f&w

Ausgabe 3/2020

Seite 193

Florian Albert, f&w-Chefredakteur

Kennen Sie „Carolina Lemke, Berlin“? Die großflächigen schwarz-weißen Werbeplakate mit adretten Models prangen unübersehbar in der Gepäckhalle des Flughafens in Tel Aviv. Doch Carolina Lemke ist Fake, man würde sie in Berlin ebenso vergeblich suchen wie ihre Geschäfte. Eine israelische Firma hat das Brillenlabel erfunden. Deutschland und Berlin gelten hier als hip und modern, „made in Germany“ ist momentan schwer angesagt. An jedem anderen Ort wäre dies nur eine kuriose Randnotiz – nicht aber in Israel, in das uns die diesjährige Vordenkerreise führte.

Erinnerung, Annäherung, Durchbruch. Mit Schlagworten wie diesen dokumentiert die Deutsch-Israelische Außenhandelskammer in Tel Aviv das schmerzhafte, langsame, aber stete Zusammenrücken unserer beiden Länder nach der Nazi-Barbarei. Nur wenige Tage nach der Gedenkfeier zur 75-jährigen Befreiung von Auschwitz standen wir vor der Flamme in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Wir sahen das Kerzenmeer in der Kindergedenkstätte und hörten die Namen von 1,5 Millionen ermordeten Kindern. Wir schritten durch das Tal der Gemeinden, ein Felslabyrinth, in dem die Namen von 5.000 jüdischen Gemeinden eingraviert sind, die im Holocaust zerstört wurden oder nur knapp überlebten. Mein Heimatort Gaukönigshofen, ein kleines Dorf im Landkreis Würzburg, in dem es heute kein jüdisches Leben mehr gibt, ist dort ebenso zu finden wie unsere Hauptstadt Berlin. Chance, Potenzial, Partnerschaft – auch diese Worte lasen wir in der Außenhandelskammer, und sie könnten nicht passender sein.

Andere Länder verstehen, den Dialog suchen, Inspiration finden: Das ist der Geist der Vordenkerreise. Nach China und Indien öffneten uns in diesem Jahr israelische Kliniken, Krankenversicherungen und Inkubatoren ihre Türen. Wir konnten dort sehen, dass Israel den Titel der Start-up-Nation nicht nur einer klugen Forschungs- und Wirtschaftspolitik verdankt, sondern auch der Kreativität der Menschen und ihrem Mut zu unkonventionellem Denken. Angesichts der ständigen Bedrohung hat man gelernt, „out of the box“ zu denken. Innovation ist der Treibstoff des ressourcenarmen Landes. So schwingt sich Israel auf, zum Weltmarktführer in der personalisierten Medizin zu werden. Seit 25 Jahren arbeitet man hier mit einer elektronischen Patientenakte. Entstanden ist ein Datenreservoir, aus dem Konzerne aus aller Welt begierig schöpfen. Israel ist uns in diesem Punkt weit voraus – vielleicht sogar zu weit.

Neben den vielen klugen Köpfen und fixen Start-ups entdeckten wir aber auch ein Krankenhaussystem am Limit. Die Kliniken in Tel Aviv, Haifa und Jerusalem sind voll, kein Patient bleibt länger als nötig. Auch im Gesundheitsbetrieb überlagert der ungelöste Nahostkonflikt alles. Wie das gesamte Land sind auch die Kliniken im permanenten Alarmmodus. Dabei können Israelis und Palästinenser auf der Arbeitsebene auch miteinander,wie man uns berichtete. Ärzte aus dem Westjordanland absolvieren ihre Weiterbildung in israelischen Kliniken, Spezialisten debattieren gemeinsam in Tumorkonferenzen. Doch die permanenten Konflikte, die startklaren Raketen der Hamas oder die Mauer an der Grenze machen beiden Seiten die Zusammenarbeit schwer.

In dieser f&w nehmen wir Sie mit auf unsere Vordenkerreise. Vielleicht bekommen Sie Lust auf unseren nächsten Trip – das Ziel verraten wir auf dem DRG-Forum am 19. März.

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