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"Unser Geschäftsmodell sieht ständigen Erwerb vor"

"Unser Geschäftsmodell sieht ständigen Erwerb vor"

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  • 01.05.2008

Helios will in diesem Jahr die Umsatzschwelle von zwei Milliarden Euro überschreiten. Das sagte der Vorsitzende der Helios-Geschäftsführung, Dr. Francesco De Meo, während eines Presseseminars der Fresenius- Tochter zum Thema Klinikprivatisierung. Nach seiner Umsatzrendite befragt, sagte De Meo, diese müsste eigentlich bei 15 Prozent liegen. Da die neu erworbenen Kliniken in Krefeld und Hüls aber noch rote Zahlen schrieben, wirke sich das auch auf die Marge des Krankenhauskonzerns aus, die er für Ende 2008 mit 8,5 Prozent bezifferte. „Unser Geschäftsmodell sieht ständigen Erwerb vor.“ Für dieses Jahr will der Helios-Chef einen Gewinn vor Steuern (Ebit) von 160 bis 170 Millionen Euro erwirtschaften, der Nettogewinn werde wieder in neue Projekte gesteckt.

An fünf Bieterverfahren beteiligt

Derzeit beteilige sich Helios an fünf Bieterverfahren zum Erwerb neuer Kliniken, sagte De Meo im Gespräch mit f&w. Unter den fünf sei keine Uniklinik. Wenn ein Klinikkonzern eine Uniklinik kaufe, dann müssten dem Konzern ganz erhebliche Umstrukturierungen erlaubt werden, sonst erwirtschafte die Klinik dauerhaft Defizite. Zudem binde eine Uniklinik „in ganz erheblichem Maß Management-Kapazitäten, die nicht anderen, gewinnbringenderen Aktivitäten zur Verfügung stehen. Dass das so ist, sehen Sie bei Rhön. Dass Rhön trotzdem gut verdient, spricht für diesen Wettbewerber“, so De Meo. Einige dieser fünf Bieterverfahren würden noch in diesem Jahr entschieden. Letzten Endes gehe es immer um die Transaktionssumme. Das Uniklinikum Gießen und Marburg ist das erste in Deutschland, das in toto privatisiert wurde. Im Dezember 2005 erhielt Rhön den Zuschlag vom Land Hessen. Helios und Asklepios waren als letzte Bewerber, die im Bieterverfahren in die Endrunde gelangt waren, unterlegen. Nicht nur die Investitionszusagen der Rhön-Klinikum AG hatten über- zeugt, sondern ebenso die vorgeschlagene Konstruktion, die Unabhängigkeit von Forschung und Lehre sicherzustellen.

Das Verlangen der Linkspartei, die in Hessen einem Bündnis von SPD und Grünen an die Macht verhelfen will, das Uniklinikum Gießen und Marburg wieder zu verstaatlichen, stieß selbst in der Belegschaft auf Ablehnung. De Meo fuhr fort, da wenige Kliniken derzeit auf dem Markt seien, sei auch deren Kaufpreis enorm gestiegen. In diesen Kaufpreis müsse ein Investitionsplan und ein Sozialplan eingerechnet werden. Die Investitionssumme bewege sich zwischen 30 und 150 Prozent des Jahresumsatzes; Uniklinika seien teurer. Verhandelt werde der Preis je nach Investitionsstau und Zustand des Hauses. „Hierbei haben wir einen heftigen Wettbewerb unter guten Klinikobjekten, für die immer dieselben Krankenhausketten bieten.“

„Es gibt Kliniken, die keiner mehr will“

Es sei bedauerlich, so De Meo, dass zunehmend Häuser auf den Privatisierungsmarkt kämen, die so herabgewirtschaftet seien, dass keiner sie mehr kaufte. „Einige Monate später lesen sie dann, dass dieses Krankenhaus geschlossen wird.“ In der Branche herrschten immer noch Überkapazitäten, obwohl sich die Zahl der Krankenhäuser von 1991 bis 2006 von 2 400 auf 2 100 und dabei von 665 000 auf 510 000 Betten reduziert habe. De Meo geht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren weitere 400 bis 500 Kliniken geschlossen werden – ohne dass die Versorgung gefährdet sei. „Diese Kliniken stehen alle in Ballungsraumlagen und unterliegen einem harten Wettbewerb, dem sie dauerhaft nicht standhalten werden.“ Uniklinika kämen auch 2009 noch nicht auf den Markt – eher später, sagte De Meo. „Es wird dauern, bis man einen Weg findet, beides zu vereinbaren: nämlich einerseits die Ängste aus Forschung und Lehre zu verstehen und andererseits die Patienten hoch qualitativ und preisgünstig zu versorgen.“

Die Töpfe, aus denen Forschung und Lehre bezahlt werden, und jene, die aus der Krankenversorgung über die DRG finanziert werden, müssten sauber getrennt werden. Das gelinge derzeit noch nicht, so De Meo und verwies auf das Uniklinikum Gießen und Marburg des Wettbewerbers Rhön, aber auch auf eigene Kooperationen. „Da gibt es Dinge, die nicht wirklich gut funktionieren“, sagte De Meo. Bei diesen Kooperationen in verschiedenen Helios-Häusern gehe es immer wieder um saubere Kostentrennung: „Wie verrechnet man den Preis einer Behandlung am Patienten, wenn zu dieser Behandlung auch die Einbeziehung in ein Forschungsprojekt gehört?“, fragt De Meo. Auf Nachfrage nannte der Helios- Chef die Forschungskooperation zwischen Helios und der Charité, wo diese Budget-Trennung nicht immer sauber gelinge.

Uniklinika: Kostentrennung zwischen Forschung und Behandlung ungelöst

Uniklinika zu übernehmen, das bedeutet für De Meo auch, eine Lösung parat zu haben, wie ein Krankenhauskonzern disziplinarisch Zugriff aufs Personal und die Ressourcen haben kann. „Sonst können wir nicht restrukturieren“, sagte De Meo. Bislang schwebe den Veräußerern von Uniklinika vor, das wissenschaftliche Personal, also insbesondere die Ärzte, als Mitarbeiter der Universität zuzuordnen. „Das kann gut funktionieren, wenn völlig gleiche Interessen herrschen. Aber die Denkweise in einer Uniklinik und das, was wir erreichen wollen, sind sehr, sehr unterschiedlich.

Dann wird es ein Problem.“ Vergleichbar sei diese Situation mit der der alten Chefarztverträge, die Helios bei Übernahme eines Hauses sofort aufkündigt. Diese Alt-Verträge beinhalten ein Recht zur Privatliquidation. „Dadurch werden Chefärzte aber zum Unternehmer im Unternehmen.“ Aus finanziellen Interessen habe der Chefarzt Untersuchungen und Behandlungen veranlasst, „die fürs Klinikum mitunter schädlich waren und dem Patienten nicht nutzten. Es kann nicht sein, dass ein Chefarzt sein Handeln auf Privatpatienten verlegt, weil es dort mehr Geld gibt. Dieser Mediziner muss allen Patienten zur Verfügung stehen – besonders denen, denen es am schlechtesten geht.“

Chefärzte ohne Privatliquidation und trotzdem mit gutem Gehalt

Durch Aufkündigung dieser Liquidationsmöglichkeit hätten Leitende Ärzte aber keine finanziellen Nachteile: Wer seine zusammen mit dem Geschäftsführer definierten persönlichen Jahresziele erreiche, verdiene genauso viel wie früher. In zwei Jahren will Helios einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro generieren. Bereits heute decken die 61 Kliniken des Konzerns mit ihren 30 500 Mitarbeitern, die in diesem Jahr mehr als eine halbe Million Patienten behandelt haben werden, 94 Prozent aller DRG ab. „Wir sind – bis auf die Transplantationsmedizin – Vollsortimenter.“ De Meo begrüßt eigenen Worten zufolge jede Anstrengung, die Klinikfinanzierung zu reformieren. Die Großdemonstration, die am 25. September in Berlin lief und unter dem Motto „Der Deckel muss weg“ stand, bezeichnete der Klinik-Manager als populistische Mogelpackung der Gewerkschaften. Denn das Bündnis erwecke den Eindruck, Klinikpersonal sei immer völlig überlastet. „Diese Einschätzung können wir in dieser undifferenzierten Pauschalität nicht teilen.“ Parolen wie „Die Zitrone ist ausgequetscht“ taugten nicht dazu, die komplexe Materie Klinik-Finanzierung konstruktiv politisch zu lösen.

Politischer Einfluss nur beim Thema Qualität

Helios wolle sich wenig in die Politik einmischen – nur zum Thema Qualität wolle Helios politisch Einfluss nehmen. Als Beispiel führte der Manager die nach seiner Meinung oft fehlgesteuerte Vergütung bei Gallenblasenentfernungen an. Die Gallenblase werde in vielen Kliniken über einen großen Bauchschnitt entfernt, weil diese OP-Technik das Doppelte eines laparaskopischen Eingriffs bringe. Dennoch operiere Helios mehr als 90 Prozent aller Gallenblasen-Patienten minimal-invasiv, was dem Konzern pro Fall 1 836 Euro Mindererlöse bringe – im Jahr also sieben Millionen Euro weniger Erlöse. „Diese Patienten haben eine weitaus kürzere Verweildauer bei uns – und sie kommen garantiert wieder.“ Für Dialysepatienten hat Helios eine unentgeltliche Beratungshotline eingerichtet; von Dezember an können sich potenzielle Kunden über das Leistungsspektrum aller Klinika telefonisch beraten lassen. Insgesamt 20 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) betreibt der Konzern, zudem die Poliklinik in Berlin- Buch. Diese MVZ seien alle an Kliniken angegliedert. So könnten ambulant zu erbringende Leistungen ausgegliedert werden – preiswerter natürlich, als dies die Klinik könnte. Denn Arzthelferinnen in Praxen verdienten erheblich weniger als die Schwestern im Krankenhaus. „Zugleich sichern wir uns an 21 Standorten Einweisungen“, sagte De Meo.

Thomas Grether ist freier Wirtschaftsjournalist in Bad Homburg

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