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Universitätsmedizin Leipzig 2012: Herausragende Forschung und Lehre als Basis für eine optimale Gesundheitsversorgung

Von der Vision zum Projektziel

Von der Vision zum Projektziel

  • Strategie
  • Strategie und Organisation
  • 01.05.2008

Mit einem innovativen Projekt rüstet sich die Universitätsmedizin Leipzig (UML) für die Zukunft. Innerhalb eines halben Jahres wurde eine Strategie entwickelt, die Krankenversorgung, Lehre und Forschung einschließt und die Ziele bis 2012 mit einer Vision und einem Zehn-Punkte-Plan beschreibt.

Die Ist-Situation 2008 war die Ausgangslage nach zweieinhalb Jahren Aufbau- und Sanierungsarbeit durch die beiden Vorstände des Klinikums und den Dekan der Medizinischen Fakultät. Die deutliche Annäherung zwischen Klinikum und Fakultät mit einem inzwischen guten beiderseitigen Verhältnis hat das Projekt „Strategie- Entwicklung“ erst ermöglicht. Die Vision 2012 baut auf den bisherigen Errungenschaften, aber auch auf dem, was noch zu verbessern ist, auf.

Sie ist mit zehn Top-Zielen untersetzt, die die wichtigsten Zieldimensionen Markt, Prozesse und Struktur, Mitarbeiter, Finanzen abbilden. Klare Kennzahlen und Zielwerte ermöglichen die Erfolgsmessung und flankieren den Weg über definierte Meilensteine hin zum gewünschten Zustand. Vorstand und Dekan haben dieses Projekt gemeinsam mit dem Kernteam Unternehmensentwicklung und einer Unternehmensberatung durchgeführt, die im Wesentlichen die Rolle eines Coachs und Moderators übernommen hat. Die eigentlichen Inhalte sind aus der Universitätsmedizin Leipzig selbst gekommen.

Systematische Integration von Mitarbeitern

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Strategieentwicklung ist unter anderem die rechtzeitige Einbindung mög- lichst vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein erfolgreiches Vorgehen ist durch die Kombination des Top-Down- und des Bottom-Up-Ansatzes gekennzeichnet: Von der Unternehmensführung vorgegebene Ziele und Projekte (Top-Down) werden unter Einbeziehung der Sachkompetenz möglichst vieler Mitarbeiter (Bottom-Up) in einem kontinuierlichen Prozess geschärft.

Zur Auswahl unterschiedlicher Teilnehmerkreise bedient man sich dabei eines „Schichtenmodells der Integration“. Dieses geht davon aus, dass es einen inneren Führungskreis („Lenkungsgruppe“) gibt, der den Prozess steuert. Die Lenkungsgruppe bestand aus dem Dekanatskollegium der Medizinischen Fakultät, den beiden Vorständen des Universitätsklinikums Leipzig, einem Qualitätsmanager sowie einem Unternehmensberater. Ein erweiterter Führungskreis, ergänzt um ausgewählte Professoren, Mitglieder des Fakultätsrats und Führungskräfte des Klinikums, bildet das aus etwa 20 Personen bestehende Strategieteam, in dem in mehreren intensiven Workshops Ziele und Maßnahmen diskutiert, formuliert und kontinuierlich geschärft wurden. Eine dritte Schicht wird komplettiert durch alle Mitglieder der Direktorenkonferenz, des Fakultätsrats sowie Vertreter der Studierenden und der Personalräte. Die äußere, vierte Schicht umfasst nach einem systemischen Ansatz einen repräsentativen, berufsgruppen- und hierarchieübergreifenden Querschnitt aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Klinikums und der Fakultät.

Die Entwicklung der Strategie

Für die Entwicklung der strategischen Planung 2012 sollte bis zum 8. Juli 2008 eine verabschiedete Strategie vorliegen. Eine Auftaktkonferenz im Kreise der Führungskräfte und Leis- tungsträger, also der dritten Schicht, fand am 7. April 2008 statt. Dort wurde auf der Grundlage vorangegangener Analysen und Datenrecherchen das „Rohmaterial“ gemeinsam erzeugt, aus dem dann in mehreren Workshops durch den erweiterten Führungskreis der Strategieentwurf entstanden ist. Im Mittelpunkt dieser Phase standen die Schärfung der Vision und der strategischen Ziele, das Finden eines gemeinsamen Nenners bei gelegentlich unterschiedlichen, individuellen Interessenlagen sowie das Quantifizieren der Ziele durch die Definition von Kennzahlen und Sollwerten. Als ein Höhepunkt des Prozesses folgte am 14. Juni eine Großgruppenkonferenz, an der mehr als 300 Mitarbeiter aus allen Bereichen von Klinikum und Fakultät teilgenommen haben. Wir, die Vorstände des Klinikums und der Dekan der Medizinischen Fakultät, stellten die zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegende Vision und die damit verbundenen zehn Top-Ziele der UML vor.

In mehr als 30 interaktiven Workshops zur Umsetzung der Strategie, die die Teilnehmer selbst moderierten, wurden Maßnahmen und Projekte generiert, die zum Teil direkt von der Basis kamen. Einige der Ideen waren als „early wins“ sofort umsetzbar. Nach zwei weiteren Workshops des Strategieteams wurde die „Strategie Universitätsmedizin Leipzig 2012“ abschließend am 8. Juli 2008 im Kreis der Führungskräfte und Leistungsträger nochmals diskutiert, präzisiert und feierlich verabschiedet. Am Ende eines für den Standort einmaligen und in der deutschen Universitätsmedizinlandschaft seltenen Prozesses hat die Leipziger Universitätsmedizin nun eine ausformulierte und verbindliche Strategie, welche betriebsintern mit einem breiten Kommunikationsprozess allen Mitarbeitern bekannt gemacht wird – sowohl im Intranet als auch in gebundener Form.

Das Leitbild der Universitätsmedizin Leipzig

Die wesentlichen Bestandteile dieser Strategie sind die Beschreibung der aktuellen Situation, eine Vision, deren zentrale Attribute inhaltlich untersetzt sind, zehn Top-Ziele, die ihrerseits jeweils erläutert und mit Kennzahlen unterlegt wurden, ein Maßnahmenkatalog, der in strategische Handlungsfelder strukturiert wurde, eine Planung der nächsten Schritte sowie ein Bekenntnis der Führungskräfte zu dieser Strategie. „Die Universitätsmedizin Leipzig steht 2012 für herausragende Forschung und exzellente Lehre als Grundlage für beste Gesundheitsversorgung. Wir verbinden optimale Leistungen mit angenehmer, menschlicher Atmosphäre auf einer wirtschaftlich soliden Basis“, so das Leitbild der Leipziger Universitätsmedizin. Herausragende Forschung bedeutet für uns, international sichtbareSchwerpunkte auszuweisen, richtungsbestimmende Forschungsergebnisse zu generieren, diese unmittelbar in die Patientenversorgung zu übertragen, Spitzentechnologie in der klinischen Forschung anzuwenden, in fach- und fakultätsübergreifenden Verbünden zu forschen und über ein professionelles Forschungsmanagement zu verfügen.

Unter exzellenter Lehre verstehen wir eine vorausschauende, praxisnahe Ausbildung mit innovativen Lehrmethoden und modernen Ausbildungsprogrammen durch motivierte und didaktisch geschulte akademische Lehrer, die gezielte Förderung herausragender Leistungen, eine gute persönliche Betreuung, zum Beispiel mithilfe eines Mentorenprogramms, sowie eine kurze Studiendauer. Mit bester Gesundheitsversorgung verbinden wir aus der klinischen Forschung abgeleitete modernste Methoden der Vorbeugung, Untersuchung und Behandlung, ständige Betreuung durch hochqualifiziertes Fachpersonal sowie interdisziplinäre, fachübergreifende Behandlung durch permanent verfügbare Spezialisten, wissenschaftlich fundierte Behandlung auf der Basis von Leitlinien sowie Hochleistungsmedizin in freundlicher, dem Patienten zugewandter Atmosphäre.

Die Roadmap für die kommenden Jahre

Bereits aus den Erläuterungen der zehn Top-Ziele sowie den dazu identifizierten Kennzahlen und Messparametern ergeben sich bestimmte Maßnahmen, die zur Erreichung dieser Ziele ergriffen werden müssen. Darüber hinaus wurde in den 30 Workshops der Strategiekonferenz am 14. Juni 2008 eine Vielzahl weiterer Maßnahmen vorgeschlagen. All diese Fakten und Vorschläge wurden in einem Maßnahmenkatalog zusammengefasst, der die Grundlage für die strategische Projektplanung der kommenden Jahre bilden wird. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wurde dieser Maßnahmenkatalog in strategische Handlungsfelder gegliedert: Struktur, Unternehmenssteuerung, Führung, Prozessoptimierung, Vernetzung sowie Personalentwicklung. Diesen Handlungsfeldern wurden die einzelnen Maßnahmen zugeordnet. Die Einzelmaßnahmen wurden mit Prioritäten sowie Start- und Endterminen versehen.

Ein konkretes Projektziel

Wie sieht das an einem konkreten Beispiel aus? Die Lehre ist integraler Bestandteil der Universitätsmedizin Leipzig. Bei der Ermittlung der Ausgangslage wurde festgestellt, dass Leipzig in Bezug auf die Studiendauer und die Bestehensquote in den Staatsexamina in Deutschland bereits in der Spitzengruppe liegt. Dagegen ist der Notendurchschnitt der Staatsexamina noch verbesserungsfähig (derzeit Platz zehn). In den Top-Zielen 1, 2, 5, 8 und 10 wird explizit Bezug auf die Lehre genommen. In den verschiedenen Workshops und Konferenzen überlegten die Teilnehmer, wie diese Top-Ziele in Teil-Ziele heruntergebrochen und messbar gemacht werden können und welche Maßnahmen umgesetzt werden müssen.

So lautet ein Teil-Ziel, dass sich die Universitätsmedizin Leipzig im Ranking der Bestehensnote in den Staatsexamina in die Top Fünf entwickeln möchte. Konkrete Einzelmaßnahmen, um dieses Teil-Ziel zu erreichen, sind beispielsweise die Anpassung der Curricula in der Vorklinik, die stärkere Abstimmung der vorklinischen mit den klinischen Fächern und eine noch stärkere Praxisorientierung. Außerdem soll auch die Lehre in die Leistungsorientierte Mittelvergabe integriert werden, sodass neue Anreizsysteme in der Lehre greifen. Diese Einzelmaßnahmen wurden wiederum mit konkreten Projektverantwortlichkeiten und Zeitplanungen in die Roadmap aufgenommen, sodass sie in den kommenden Jahren auch umgesetzt und durch das Strategieteam kontinuierlich überprüft werden können.

Die UML verzeichnet erste Erfolge und plant bereits die nächsten Schritte

Schon jetzt können einige kurzfristige Erfolge verzeichnet werden: Das Critical Incidence Reporting System (CIRS), das bereits acht Monate erprobt wurde, ist seit dem 1. August 2008 flächendeckend in allen Kliniken und Bereichen eingeführt. Die Kindertagesstätte mit 123 Betreuungsplätzen, ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Lebenssituation berufstätiger Eltern, hat am 1. August 2008 den Betrieb aufgenommen. Weitere kurzfristige Projekte werden derzeit umgesetzt. Was sind die nächsten Schritte? Aktuell wird die vorliegende Maßnahmenliste in konkrete Projekte umgesetzt; dazu werden Projektleiter benannt und Projektpläne aufgestellt. Ein strategischer Projektplan in Form eines Masterplans wird der Überwachung der Strategieumsetzung dienen. Das Strategieteam wird sich etwa viermal jährlich mit dem Status des strategischen Prozesses befassen und gegebenenfalls steuernd eingreifen. Bereits jetzt sind die nächsten Termine festgelegt. Wir sind sicher, dass die am 8. Juli 2008 verabschiedete Strategie sowohl wegen der unternehmensübergreifenden Beteiligung aller an ihrer Formulierung als auch durch die feste Verankerung in der Organisation als führendes Metaprojekt erfolgreich umgesetzt werden wird.

 

Die Ausgangslage 2008

2006 waren universitäre Schwerpunkte definiert worden, an denen die Leistungsentwicklung von Fakultät und Klinikum ausgerichtet wird: Transplantationsmedizin, Onkologie, Stoffwechsel- und Gefäßmedizin, Neurologische Erkrankungen, Medizin der Bewegungsorgane, Zahnheilkunde und Mundgesundheit. Wesentliche Erfolge waren die Sicherung der Arbeitsplätze aller Mitarbeiter durch die Verhinderung der Reduzierung unserer Kapazitäten auf 800 bis 900 Betten, die Sicherung der Zukunftsfähigkeit dank einer Leistungssteigerung, die Vereinbarung eines Haustarifvertrags mit dem Marburger Bund sowie eines Eckpunktepapiers zur Vereinbarung eines Haustarifvertrags mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die deutliche Verbesserung des CaseMix-Index bei gleichzeitiger Reduzierung der Verweildauern, die grundlegende Sanierung der Fakultätsfinanzen sowie die Einwerbung übergeordneter Forschungsverbünde.

Eine Situationsanalyse zeigt, dass wir mit unseren Ergebnissen erst das Mittelfeld im Vergleich der deutschen Universitätsmedizinstandorte erreicht haben. Leipzig liegt in Forschung und Lehre mit der Finanzausstattung durch den Freistaat Sachsen mit 54,1 Millionen Euro (2005) auf Rang 23, bei den verausgabten Drittmitteln mit 20,3 Millionen Euro (2005) auf Rang 19 sowie beim Anteil von Drittmitteln im Vergleich zum Landeszuschuss mit 38 Prozent auf Rang 12 aller 36 deutschen Medizinfakultäten. In der Krankenversorgung haben wir uns bezüglich Fallzahl, Fallschwere und CaseMix im Mittelfeld der deutschen Universitätskliniken positioniert. Nur im Bereich der Lehre gilt es, vordere Plätze zu verteidigen. 

 

Anschrift der Verfasser:

Matthias Wokittel,  Kaufmännischer Vorstand

Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig,  Medizinischer Vorstand

Prof. Dr. Jürgen Meixensberger,  Dekan Medizinische Fakultät Leipzig,  Universitätsklinikum Leipzig,  04103 Leipzig

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