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Workshop 18 - Aufwertung der Pflege oder Personalwirtschaft per Gesetz?

Personalbemessung braucht Qualitätsbezug

Personalbemessung braucht Qualitätsbezug

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  • Workshop-Berichte
  • 12.04.2017

In den gesundheitspolitischen Diskussionen erfährt die Pflege eine deutliche Aufwertung. Gesetzliche Vorgaben sollen für Mindeststandards bei der personellen Besetzung sorgen. „Aber was ist angesichts des Fachkräftemangels realistisch, und wie sähe eine tragfähige Bemessungsgrundlage aus?“, leitete Pflegedirektorin Kathrin Leffler, Vivantes, vom Bundesverband Pflegemanagement Berlin/Brandenburg als Moderatorin in die Themen des Pflege-Workshops ein.

Dr. Pia Wieteck, Vorstand der Fachgesellschaft Profession Pflege, stellte heraus, dass ein Aspekt in der aktuellen Diskussion noch nicht beachtet werde: „Welches Qualitätsniveau wollen wir in der Pflege als auch gesellschaftspolitisch erfüllen?“ Die Pflege, wie sie täglich ausgeübt wird, sei weit weg von wissenschaftlichen Standards. Zum Beispiel werde der Expertenstandard zur Förderung der Harnkontinenz nur selten eingesetzt, was sich nicht allein durch verkürzte Verweildauern erklären ließe. Instrumente zur Personalbemessung sollten dagegen steuern und Qualitätsbezüge enthalten. „Die meisten bislang genutzten Kennzahlen sind aber wenig aussagekräftig“, kritisierte Wieteck und forderte, dass Personalmindestbesetzungsforderungen künftig zwingend mit einzuhaltenden Qualitätsdimensionen in der Pflege verhandelt werden sollen. Dies erfordere eine systematische Pflegeprozessdokumentation. Zudem ließe sich anhand der Daten der wertschöpfende Anteil der originären Pflegeleistungen transparent und damit steuerbar machen. Allerdings zeigten Ergebnisse einer internationalen Literaturanalyse über Personalbemessungsinstrumente, dass es noch keinen Goldstandard gibt.

Torsten Rantzsch, Pflegedirektor am Universitätsklinikum Düsseldorf, unterstützte den Ansatz, dass die Pflege ihre Vorstellungen zur Personalbesetzung mittels geeigneter Kennzahlen nachhaltig einbringen muss: „Das dürfen wir nicht allein der Selbstverwaltung und den Tarifpartnern überlassen.“ Der Haustarifvertrag der Charité, der personelle Mindeststandards in der Pflege für die Intensivstation, Kinderklinik, Normalstationen und Funktionsbereiche und 220 zusätzliche Stellen enthält, hätte keinen Einfluss auf andere Krankenhäuser der Universitätsmedizin, obwohl ihm nach dem Abschluss im April 2016 eine Signalwirkung zugesprochen wurde. Rantzsch: „Es ging damals ein Ruck durch die Reihen der Unikliniken. Was passiert denn da? Hat das Folgen für uns?“ Wenn der Berliner Tarifvertrag tatsächlich übertragen worden wäre, hätte sich mancherorts die Personalsituation eher verschlechtert als verbessert, da einige Universitätskliniken die Vorgaben ganz oder teilweise überschreiten. Inzwischen, so seine jüngste Information, bewerteten auch die Tarifpartner in Berlin das Verhandlungsergebnis uneinheitlich: Während der Vorstand der Charité an dem Vertrag festhalte, überlege Verdi, ihn zu kündigen.

Ein finanzieller Anreiz für mehr Pflegestellen wurde mit dem Pflegestellenförderprogramm und der Umwandlung des Versorgungszuschlags in einen Pflegezuschlag geschaffen. Ferner sieht das Krankenhausstrukturgesetz vor, dass eine Expertengruppe des Bundesgesundheitsministeriums prüfen soll, ob der allgemeine und erhöhte Pflegebedarf von demenzerkrankten, pflegebedürftigen oder behinderten Patienten im DRG-System oder über Zusatzentgelte sachgerecht abgebildet wird. Andernfalls soll sie Vorschläge erarbeiten. Ein Ergebnis sei, berichtete Anke Wittrich, Mitglied der Fachkommission, dass die Selbstverwaltung unter Einbeziehung der Experten bis zum 30. Juni 2018 Personal­untergrenzen festlegen soll, um den allgemeinen Pflegebedarf in pflegeintensiven Bereichen besser abbilden zu kön- nen. Bei der Abbildung des erhöhten Pflegebedarfs habe es bereits Verbesserung gegeben.

Judith Babapirali, Mitglied der Fachkommission DRG des Deutschen Pflegerats und Mitglied der DRG-Research-Group des Universitätsklinikums Münster, informierte: „Prozeduren für die hochaufwendige Pflege ebenso wie Diagnosen für motorische und kognitive Funktionseinschränkungen sind im DRG-System 2017 direkt DRG-relevant und können damit zu einer besseren Vergütung führen.“ Zudem bestehe seit 2016 die Möglichkeit, die Pflegegrade in einem Prozedurencode für Pflegebedürftigkeit zu erfassen, sodass dieser in die DRG-Kalkulation 2018 einbezogen werden kann.

Ein Königsweg für bedarfsgerechte Personalstärken existiere nicht, fasste Leffler zusammen. Gesetzliche Vorgaben seien nur dann positiv, wenn sie gegenfinanziert werden und die Kliniken nachweisen müssen, dass die Mittel tatsächlich bei der Pflege angekommen sind. 

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