339
Passwort vergessen

Workshop 07 - Grenzen der (Un-)Verbindlichkeit

Die Verbündeten

Die Verbündeten

  • f&w
  • Workshop-Berichte
  • 12.04.2017

Netzwerke sind in der digitalisierten Welt allgegenwärtig. Menschen verbinden sich auf sozialen Plattformen, tauschen Expertisen aus und erweitern ihren Horizont. Auch die Industrie weiß um den Nutzen von Zusammenschlüssen. Gleiches gilt zunehmend auch für Krankenhäuser. Dabei setzen Kliniken aller Trägergruppen auf unterschiedliche Verbundmodelle mit ebenso unterschiedlichen Schwerpunkten und Erwartungen. Dass Verbundstrukturen das Überleben der Krankenhäuser sichern, davon ist Dr. Markus Horneber, Vorstandsvorsitzender der Agaplesion gAG und Moderator des Workshops, überzeugt.

Der Chef des überregionalen Verbunds christlicher und sozialer Einrichtungen betonte, erfolgreiche Fusionen im Krankenhaussektor brauchten von Anfang an ein hohes Maß an Verbindlichkeit bei allen Beteiligten. Dass auf dem Weg dorthin viele emotionale und kulturelle Hürden bei Akteuren und Organisatoren zu überwinden seien, ist Horneber bewusst. Er forderte die Kliniken dennoch auf, mu- tig zu sein. Denn: Integration könne und müsse man üben, verdeutlichte der Vorstandsvorsitzende der 2002 entstandenen gemeinnützigen Aktiengesellschaft. Außerdem machten Verbundstrukturen „viel Freude“.

Dieser Haltung konnte der Hauptgeschäftsführer der Regiomed-Kliniken GmbH, Joachim Bovelet, nur bedingt zustimmen. Einen Konzern aufzubauen, sei nicht nur Spaß. Der Vorsitzende des ersten bundeslandübergreifenden, thüringisch-fränkischen Klinikverbundes erläuterte das durch verschiedene politische Akteure entstehende Spannungsfeld. „Wenn man größere kommunale Verbünde schafft, wird es möglich sein, den Ortseinfluss der Politik gestalterisch zu nutzen.“ Bovelet appellierte an die Krankenhäuser, Mut zu zeigen und größer und schneller auch in kommunalen Trägerstrukturen zu denken. Zwar mache Größe für sich keinen Sinn, aber wenn Größe bedeute, agiler arbeiten zu können, ohne zu viel Einflussnahme, dann sei Größe auch etwas Gutes, unterstrich der Krankenhausmanager.

Welches Handwerkszeug es braucht, um Fusionen erfolgreich zu führen, verdeutlichte der Geschäftsführer der BG Kliniken – Klinikverbund der gesetzlichen Unfallversicherung gGmbH, Reinhard Nieper. Der große Vorteil des im Januar 2016 neu formierten Konzerns sei vor allem die enge Verzahnung von Akut- und Rehaversorgung. Das sektorenübergreifende Modell sei „volkswirtschaftlich sinnvoll“ – Bismarck sei Dank, so Nieper. Allerdings sei das primäre Konzernbildungsmotiv nicht gewesen, wirtschaftliche Synergien zu heben. Vielmehr liege der Fokus auf dem Transfer von Wissen, um die Qualität der Versorgung stetig zu verbessern. Synergien stellten einen guten Nebeneffekt dar. Darüber hinaus plädierte Nieper dafür, auf dem Weg zu einem Zusammenschluss insbesondere sozialen und kulturellen Aspekten Raum zu geben. Um erfolgreich zu sein, brauche es nicht nur die richtige Idee zum richtigen Zeitpunkt, sondern „Sie müssen auch die Sprache der Menschen sprechen, denen Sie während des Fusionsprozesses begegnen – beispielsweise Gewerkschaftern, Politikern oder dem Personal“, riet der BG Kliniken-Chef den Workshopteilnehmern. Zudem gehörten ein „eiserner Wille“ und eine „gewisse Frustrationstoleranz“ dazu.

Gerichtet an Nieper, sagte der Chief Executive Officer (CEO) der Ameos Gruppe, Dr. Axel Paeger: „Ich brauche keine Frustrationstoleranz.“ Für ihn ist die Regionalisierung der Weg der Zukunft. „So schaffen wir Synergie­effekte, wir brauchen keine Zentralisierung“, betonte Paeger. Die private Klinikgruppe mit Sitz in Zürich ist hierzulande auf­geteilt in die Regionen Nord, West, Ost und Süd. „Durch ihre Schaffung erreichen wir, den regionalen Bezug und die Identifikation aufrechtzuerhalten und sichern die Gesundheitsversorgung außerhalb der großen Metropolen.“ Ohne die Aufsplittung in Regionen hätte die kleinteilige Organisation mit steigender Unternehmensgröße zu Problemen geführt, erklärte der CEO. In den Regionalzentralen kümmerten sich die Mitarbeiter um Einkauf, Finanzen, Kommunikation, Medizinentwicklung und Personal. Zentral organisiert seien beispielsweise Labor, IT und Bau. „Hier schafft der Gruppeneffekt mehr Synergien als der Regionaleffekt“, gestand Paeger zu.

In der Abschlussdebatte waren sich in einem Punkt alle einig: Es ist gut, dass es Trägervielfalt in der Gesundheitsversorgung gibt. Es käme zu einem Verlust an Qualität, hätten wir nur private, kommunale oder nur freigemeinnützige Häuser. Am Ende belebt die Konkurrenz das Geschäft. 

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Klinik-Newsletter

Abonnieren Sie unseren kostenlosen täglichen Klinik-Newsletter und erhalten Sie alle News bequem per E-Mail.

* Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Anmelden“ erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig News aus der Gesundheitswirtschaft zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info@bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe



Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich