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Forum 2 - Transparente Finanzierung – eine Frage des Systems?

Auf dem Weg zu mehr Effizienz

Auf dem Weg zu mehr Effizienz

  • f&w
  • Reha-Forum
  • 13.04.2017

Dr. Thomas Hansmeier

Jens Hayer

Susanne Leciejewski

Prof. Dr. Günter Neubauer

Achim Schäfer

Reha-Kliniken finanzieren ihre Arbeit über Tagessätze, welche sie weitgehend individuell mit den Kostenträgern – den Krankenkassen und der Deutschen Rentenversicherung (DRV) – aushandeln. Investitionen müssen über diese Erlöse mitfinanziert werden. Daraus ergibt sich ein Mangel an Transparenz, welcher den Klinikträgern auch in der Auseinandersetzung mit Kreditgebern zu schaffen macht. Die Teilnehmer des von Prof. Dr. Günter Neubauer vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik moderierten Reha-Forums „Transparente Finanzierung – eine Frage des Systems?“ wiesen deshalb auf die Bedeutung einheitlicher und nachvollziehbarer Standards als Grundlage von Preisverhandlungen hin.

Das Verfahren der DRV befinde sich auf dem Weg zur Vereinheitlichung, sagte etwa der Fachbereichsleiter Rehabilitationseinrichtungen beim DRV Bund, Dr. Thomas Hansmeier. Grundsätzlich gelten in der Reha aber immer noch vollpauschalierte, tagesgleiche Sätze als Basis für die Preisbildung. Andererseits gebe es aber auch keine Abschläge, wie etwa bei Überschreiten der Verweildauer. Als ersten Schritt in die angestrebte Richtung bezeichnete Hansmeier die Einrichtung einer Projektgruppe, die den Auftrag habe, einheitliche Maßstäbe für die jährliche Anpassung der Vergütungssätze zu erarbeiten. In einem zweiten Schritt wolle man dann vergleichbare Grundlagen für die Verhandlung neuer Leistungen schaffen. „Ziel dieses Abstimmungsverfahrens sind einheitliche und nachvollziehbare Maßstäbe“, sagte der DRV-Manager. „Wir müssen Konzepte finden für die richtige Gewichtung von Leistungen. Es geht um eine konsequente Systematisierung von Produkten.“ Dieser Abstimmungsprozess sei durchaus zeitaufwendig, räumte er ein: „Die DRV arbeitet gründlich.“ Mit ersten Kriterien sei vermutlich bis Ende des Jahres zu rechnen.

„Ich sehe noch kein einheitliches Vergütungssystem in der Reha“, widersprach Achim Schäfer vom Medizinischen Zentrum für Gesundheit Bad Lippspringe und Vorsitzender der Fachgruppe Rehabilitationseinrichtungen beim Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). „Dabei wären klare Verhältnis sehr wichtig.“ Eine steigende Zahl von Reha-Einrichtungen habe mit wachsendem wirtschaftlichen Druck zu kämpfen. Die Zahl der Anbieter gehe seit Jahren zurück, ohne dass diese Entwicklung sich erkennbar auf die durchschnittliche Auslastung auswirke. Die intransparente Preisbildung und eine zunehmende Marktmacht der Kostenträger, vor allem der Krankenkassen, mache es den Häusern schwerer, die Kosten für Investitionen zu erwirtschaften. Sein Fazit: Eine wachsende Zahl der aktuell noch rund 1.150 Reha-Einrichtungen werde mittelfristig ein negatives Jahresergebnis ausweisen. „Der Leitsatz Reha vor Pflege als gesetzlicher Auftrag wird nicht wirklich umgesetzt“, kritisierte der Klinikmanager. „Das wird unser Thema der Zukunft sein. Wir müssen mehr aufklären und informieren.“

Diesem Appell schloss sich Susanne Leciejewski, Vorstandsvorsitzende der Celenus Klinikgruppe, an. Ähnlich wie in der Akutmedizin trügen steigende Personalkosten in zunehmendem Maße zu den Rentabilitätsproblemen der Branche bei, argumentierte sie. In den vergangenen zehn Jahren sei der Anteil der Personal- an den Gesamtkosten im Durchschnitt von 58,2 auf 62 Prozent gestiegen. Preissteigerungen seien sowohl im ärztlichen wie im pflegerischen Bereich zu verzeichnen. Darüber hinaus liege der Anteil der zugekauften Sachkosten im Dienstleistungsbereich in der Reha höher als in der akutmedizinischen Versorgung.

Eine zunehmende Konsolidierung im Reha-Sektor erwartet vor diesem Hintergrund auch Jens Hayer von der Bank für Sozialwirtschaft. Er prognostizierte eine steigende Zahl von Einrichtungen mit einer Umsatzrendite von einem Prozent und darunter. Den aktuellen Investitionsbedarf bezifferte er auf 5,2 Milliarden Euro oder 4,3 Millionen Euro pro Haus. Der Fremdfinanzierungsanteil betrage 40 Prozent. Ein wachsender Teil der Einrichtungen werde sich künftig in Konzernstrukturen bewegen müssen. Die Vernetzung und Einbettung in interdisziplinäre Versorgungsstrukturen werde vor diesem Hintergrund ebenfalls an Bedeutung gewinnen, so Hayer. Aus Sicht der Banken forderte er von den Betreibern von Reha-Kliniken Klarheit und Transparenz. Je schwieriger der Markt und seine Erlösstrukturen zu verstehen seien, um so hilfreicher sei eine vorausschauende, stringente und nachvollziehbare Planung. „Wir werden auch in der Reha einen zunehmenden Wettbewerb in Richtung Effizienz sehen“, vermuteten alle Podiumsteilnehmer übereinstimmend. „Wir sind auf dem Weg in Richtung Markt.“ 

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