339
Passwort vergessen

Forum 3 - Digitalisierung und Vernetzung der Reha

Von anderen Branchen lernen

Von anderen Branchen lernen

  • f&w
  • Reha-Forum
  • 13.04.2017

Michael Franz

Dr. Michael John

Tobias Meixner

Dr. Markus Müschenich

Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann

Solch gewaltige Umwälzungen, wie Smartphones und ihre Nutzer im Wirtschafts- und Sozialleben auslösen, werden vermutlich auch vor der Reha nicht haltmachen. Wird der „Gesundheitskonsument“ künftig mit größter Selbstverständlichkeit per Knopfdruck digitale Versorgungsdienstleistungen einfordern? Diese Fragen sollte die Reha nicht lange vor sich herschieben, betonte Moderator Michael Franz, Vice President Business Development der CGM Clinical Deutschland, zur Einführung.

Vorträge aus den Reihen des Podiums machten deutlich, dass es ebenso viele Lesarten wie Herangehensweisen gibt. Vielfach handele es sich bei den in Deutschland bekannten Umsetzungsversuchen aber noch um „alten Wein in neuen Schläuchen“, relativierte Dr. Markus Müschenich, ehemaliger Krankenhausmanager und heute Managing Partner des Start-up-Inkubators Flying Health. „Was wir aber brauchen, ist wirkliches digitales Denken.“ Damit ist gemeint: die vollständige Integration einer Dienstleistung in den Alltag von Patienten. Was es bedeutet, wenn digitale medizinische Angebote zum Begleiter des täglichen Lebens werden, zeigen Apps und Internet-Plattformen, die als Hilfe zur Bewältigung einer (chronischen) Krankheit konzipiert sind.

Diese kompetenten Alltagshelfer machen sich für Patienten schnell unverzichtbar, indem sie diese zunehmend in die Lage versetzen, ihr Befinden selbst zu verbessern. „Self-empowerment“ heißt das Schlagwort. Nicht umsonst sind es häufig Patienten, die aus ihren Erfahrungen ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht haben, in dem sie nach Lösungen suchten, ihr Leben erträglicher und autonomer zu machen. Beispiele hierfür sind die Diabetiker-Plattform „MySugar“, die Internet-Selbsthilfe-Community Arya, die sich an Depressionspatienten richtet, oder Careship, eine Plattform zur Vermittlung von Pflegekräften für zu Hause. „Es geht darum, Nutzen zu stiften“, sagte Tobias Meixner, Leiter der zu Helios gehörenden Start-up-Schmiede für digitale Gesundheitslösungen, Helios.Hub. „Die Nutzerperspektive einnehmen zu können, ist entscheidend. Patienten müssen sagen können: Diese App löst ein Problem.“

Dabei, argumentierte Meixner, sei es nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig, Anleihen in anderen Branchen zu nehmen: Von der Autoindustrie bis zum Wohnungsbau werde nach innovativen Umsetzungen digitaler Möglichkeiten gesucht. Gerade das häusliche Umfeld ist dabei ein vielversprechender Ausgangspunkt. Anwendungen aus dem Bereich der sogenannten Ambient Assisted Living- Systeme lieferten hier schon seit geraumer Zeit Anregungen und Ansatzpunkte, erklärte Dr. Michael John vom Berliner Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (Fokus): Bundesweit sammle sein Institut auf diesem Gebiet Erfahrungen mit Partnern aus der medizinischen Rehabilitation. Telemedizinische Assistenzsysteme erwiesen sich als hilfreich, vor allem auf dem Gebiet der Bewegungstherapie, so John. Als Beispiel nannte er ein System, welches einen Online-Übungskatalog verbinde mit interaktiven Konsultationen und Rückmeldungen zur Ausführung der vorgeschlagenen Übungen. Weitere erfolgreiche Anwendungen gebe es im Bereich des Kognitionstrainings, der Kardio-Reha und der psychischen Erkrankungen. „Patienten und Ärzte erleben nach meiner Erfahrung einen solchen Online-Therapie-Support als hilfreich“, bilanzierte John. „In der Therapie profitieren wir außerdem von Erkenntnissen und Daten aus dem Alltagsleben der Patienten.“

Die Reha sei in einer guten Ausgangsposition, von solchen Entwicklungen zu profitieren, betonte Helios-Manager Meixner. Schließlich agiere man nahe am Patienten. Grenzen erlebe die Online-Betreuung naturgemäß bei schwer kranken Patienten, zumal wenn sie durch ihre Krankheit kognitiv, motorisch oder emotional stark beeinträchtigt seien, betonte Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mobile Rehabilitation und Leitender Arzt am Rehabilitationszentrum Bethesda. Als in vielen Fällen hilfreich bezeichnete er allerdings den Online-Datenaustausch unter Medizinern und Therapeuten. John riet in diesem Zusammenhang dazu, Modellregionen aufzubauen, um den fächer- und einrichtungsübergreifenden Erfahrungs-austausch zu fördern.

„Durch digitale Unterstützung lernen wir viel über die Lebenswirklichkeit unserer Patienten: Gerade für die Reha ist das eine enorme Chance“, argumentierte John. „Diese Alltagstechnologie dürfte noch umfangreiches diagnostisches Potenzial hervorbringen.“ Und: „Die Digitalisierung ist auch in der Reha kein Zukunftsthema mehr“, betonte Tobias Meixner, „sondern sie beginnt jetzt.“ 

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Klinik-Newsletter

Abonnieren Sie unseren kostenlosen täglichen Klinik-Newsletter und erhalten Sie alle News bequem per E-Mail.

* Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Anmelden“ erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig News aus der Gesundheitswirtschaft zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info@bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe



Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich