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„Qualität hat ihren Preis" – das ist das Motto des 31. Deutschen Krankenhaustages

"Der ökonomische Druck führt uns in Grenzsituationen"

"Der ökonomische Druck führt uns in Grenzsituationen"

  • Politik
  • Qualitätsmanagement
  • 01.06.2008

Im f&w-Interview: Dr. Rudolf Kösters, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft und Vorstandsvorsitzender der St. Franziskus-Stiftung Münster: „Qualitativ hochwertige Produkte haben stets und überall ihren Preis." 

f&w: Das Motto „Qualität hat ihren Preis" klingt wie eine Drohung. Weckt dies bei Ihnen positive oder negative Assoziationen?
Dr. Rudolf Kösters: Vielleicht ist die Gesellschaft viel zu sehr daran gewöhnt, dass es viele Dinge quasi umsonst gibt oder zu niedrigen Pauschalpreisen. Wir müssen also darauf aufmerksam machen, dass qualitativ hochwertige Produkte stets und überall ihren Preis haben. So ist das auch im Gesundheits- und natürlich auch im Krankenhauswesen. Und deswegen ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, dass die Qualität ihren Preis hat. Das ist keine Drohung, sondern die Betonung einer schlichten Wahrheit.
 
f&w: Wollen Sie also sagen: „Wir achten auf Qualität, wir wollen Qualität, und das wollen wir auch bezahlt haben"?
Dr. Rudolf Kösters: Wenn die Gesellschaft die Qualität im Krankenhaus mit Recht einfordert, dann muss man natürlich auch „Ja" dazu sagen, dass diese nicht umsonst zu haben ist.
 
f&w: Trägt die Vielfalt in unserer Krankenhausträgerschaft zur Qualität bei?
Dr. Rudolf Kösters: Wir haben kein staatliches Gesundheitssystem, das sozusagen der Reflex einer gesellschaftlichen Erwartung ist. Die Leistungserbringer und die Kostenträger sind in der Bundesrepublik nicht in einer Hand organisiert, zum Beispiel durch den Staat oder durch eine andere Großinstitution, sondern sie sind sehr dezentral organisiert in vielen einzelnen Einheiten und Verantwortungsträgern. Das hat unser Krankenhauswesen auch so stark gemacht. Andere Länder wie Großbritannien und Frankreich, wo dieses staatlich organisiert ist, haben massive Qualitätsprobleme, über die wir, Gott sei Dank, hier in der Bundesrepublik nicht reden müssen. Wir haben keine enorm langen Wartelisten. Auch die medizinische Leistung selbst ist dort oft schlechter als bei uns. Deswegen sind wir stolz darauf, dass wir diese dezentrale Struktur haben, wo der Eine versucht besser zu sein als der Andere. Dieser Wettbewerb um eine gute Leistung ist gewaltig. Der würde in anderen Organisationsformen sicherlich auf der Strecke bleiben. Die Dezentralität hat also großen Wert in meinen Augen.
 
f&w: Wir haben nicht nur die kürzesten Warteschlangen, sondern die Patienten sind im internationalen Vergleich auch am meisten zufrieden. Es gibt zum Beispiel die wenigsten Kunstfehler ...
Dr. Rudolf Kösters: ... ganz genau. Es gibt also durchaus einen Zusammenhang zwischen Qualität und Leistungsstruktur. Die Strukturen stärker zu zentralisieren – und leider sind wir auf dem Weg, indem zum Beispiel die Finanzierungsseite der Krankenkassen immer stärker zentralisiert wird –, würde sich als Fehler erweisen.
 
f&w: Glauben Sie, dass die Krankenkassen selbst zu Leistungserbringern werden wollen?
Dr. Rudolf Kösters: Wenn es so wäre: Es gibt so viele Beispiele dafür, dass ein solches Engagement nicht unbedingt von dauerhafter und hoher Qualität, Wirtschaftlichkeit und Stabilität wäre.
 
f&w: Wenn Qualität ihren Preis hat, hat sie dann auch einen Ertrag? Und müsste man den Ertrag nicht noch mehr gegenüber der Öffentlichkeit herausstellen?
Dr. Rudolf Kösters: Richtig. Was heißt denn „hohe Qualität"? Qualität ist eine Produkteigenschaft. Ein bestimmtes Produkt, das ich erbringe und anbiete, hat bestimmte Eigenschaften, mit denen es genau auf die Bedürfnisse der Konsumenten, und hier eben der Patienten, zugeschnitten ist. Es erfüllt dessen Erwartungen. Das ist für mich Qualität. Diesen Ertrag und dessen gesellschaftliche Bedeutung, eine gesündere Bevölkerung, müsste man sicherlich noch stärker herausarbeiten. Das ist etwas, was wir uns auch als Verbände im Gesundheitswesen insgesamt, nicht nur die Deutsche Krankenhausgesellschaft, sondern alle Verbände, noch mehr auf die Fahne schreiben müssen.
 
f&w: Der Ruf nach dem Staat wird allenthalben laut erhoben. Er übertönt das Verlangen nach Wettbewerb. Aber der Wettbewerb um die Qualität wird bleiben, oder?
Dr. Rudolf Kösters: Ja, absolut. Die Krankenhäuser bieten ein vielschichtiges Produkt. Es ist zunächst einmal die hoch differenzierte medizinische Diagnostik und Therapie, dann die pflegerischen Leistungen, aber auch die gesamten Serviceleistungen eines Hauses, die Unterbringung, die Beköstigung und vieles mehr. Dieses Angebot kann nicht durch Anordnungen, sondern nur durch den Druck des Wettbewerbs optimiert werden.
 
f&w: Geraten ethische Werte in der Betrachtung einer Klinik unter allein betriebswirtschaftlichen Aspekten aus dem Blick?
Dr. Rudolf Kösters: Ja, da müssen wir alle sehr aufpassen, dass das eben nicht geschieht. Der enorme ökonomische Druck, der seit Jahren auf den Kliniken lastet, führt uns in Grenzsituationen. Viele sagen, wir sind schon mittendrin in der impliziten Rationierung der Medizin, und damit können sich die Krankenhausträger überhaupt nicht zufriedengeben.
 
f&w: Viele sagen, wir rationierten schon?
Dr. Rudolf Kösters: Ich spreche von der impliziten Rationierung, also einer Rationierung, die verdeckt läuft. Da geht es dann um Themen, wie schnell nach dem Klingeln eines Patienten Hilfe kommt. Dauert das drei, vier, fünf Minuten, dauert das zehn Minuten, dauert das zwanzig Minuten? Wie sind Nachtdienste organisiert, gibt es einen Nachtdienst für eine überschaubare Einheit, oder gibt es mittlerweile doch relativ große zusammengefasste Einheiten, um die sich ein Nachtdienst dann kümmern muss? Wenn man das genau ansieht, dann haben wir schon einige Belege für eine implizite Rationierung. Wir müssen aufpassen, dass diese Rationierung nicht überdreht wird oder gar in eine offene Rationierung übergeht. Wir kämpfen mit den anderen großen Verbänden im Krankenhauswesen, dass dieser Weg gestoppt wird. Sie wissen, wie wir uns auf die Hinterbeine stellen, und ich verweise auf unsere Großdemonstration, die auch zum Ausdruck bringen sollte, dass die Schraube bereits überdreht wurde.
 
f&w: Herr Dr. Kösters, Sie leiten eine katholische Klinikgruppe, und diese steht trotz aller Einschränkungen ökonomisch gut da.
Dr. Rudolf Kösters: Wir haben stark darauf geachtet, dass die Balance zwischen guten Leistungen und der Ökonomie in schwerer Zeit erhalten bleibt. Wir schaffen das nicht in allen unseren Krankenhäusern und zum Teil nur mit finanzieller Beteiligung der Mitarbeiter, aber im Durchschnitt der Krankenhäuser sieht es wirtschaftlich noch einigermaßen gut aus. 
 
f&w: Ihre Häuser haben einen ethischen Anspruch. Haben sie noch Ordensschwestern?
Dr. Rudolf Kösters: Ja, in fast allen Krankenhäusern sind noch einige Ordensschwestern tätig. Sie sind wichtige Ansprechpartner für Patienten, die sich in schwieriger Krankheitszeit an besonders vertrauenswürdige Menschen wenden wollen.
 
f&w: Honoriert der Patient die christliche Orientierung?
Dr. Rudolf Kösters: Ja, auf jeden Fall. Wir bemerken, dass es eine große Erwartung gibt, in Krankheitszeiten mit all ihren (In-)Fragestellungen ernst genommen zu werden. Aber es macht keinen Sinn, nur in die Vergangenheit zu schauen und zu bedauern, dass wir nur noch so wenig Ordensfrauen haben. Unsere Stiftung, die aus einer Ordensgemeinschaft hervorgegangen ist, hat genau diese Aufgabe, weltliche Personen zu befähigen, das Erbe der Ordensfrauen zu übernehmen. Das ist auch ein wichtiger Aspekt im Wettbewerb mit anderen Einrichtungen.  


Meu


f&w 6/2008, Seiten 580 bis 581

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