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Krankenhaus-Barometer 2008

Entscheidet Größe über Erfolg?

Entscheidet Größe über Erfolg?

  • Strategie
  • Qualitätsmanagement
  • 01.06.2008

44,1 Prozent der Krankenhäuser mit mehr als 600 Betten haben 2007 ihr Jahresergebnis im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Ähnlich erfolgreich haben nur 29,9 Prozent der Einrichtungen mit weniger als 300 Betten beziehungsweise 35,6 Prozent der mittelgroßen Kliniken mit 300 bis 599 Betten gewirtschaftet. Das heißt: Je größer ein Krankenhaus ist, umso höher sind seine Chancen auf einen wirtschaftlichen Erfolg? Die zentralen Ergebnisse des jüngst veröffentlichten Krankenhaus-Barometers 2008 des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) bestätigen jedenfalls diese These.

Ende Oktober waren die Umfragedaten in Berlin vorgestellt worden. Dr. Karl Blum, DKI-Forschungsleiter, und Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), betonten dabei, dass sich die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser verschärft habe: Im Durchschnitt habe jedes dritte Krankenhaus 2007 Verluste geschrieben, und weitere neun Prozent der Kliniken haben Notlagentarifverträge abgeschlossen, um ihre finanzielle Existenz abzusichern.

Seit 2000 erhebt das DKI jährlich Daten zur Lage der Krankenhäuser. Die DKG, der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) sowie der Verband der Leitenden Krankenhausärzte (VLK) sind die Auftraggeber der Studie. An der aktuellen Umfrage, die von April bis Juni 2008 vorgenommen wurde,waren 347 Allgemeinkrankenhäuser mit mindestens 50 Betten beteiligt. Neben der wirtschaftlichen Lage war die Personalentwicklung im Ärztlichen Dienst eines der weiteren zentralen Themen: Zwei Drittel der Kliniken meldeten freie Arztstellen, die sie bislang nicht besetzen konnten. Hochgerechnet auf ganz Deutschland, ist derzeit von rund 4000 offenen Stellen auszugehen. 2006 lag die Zahl noch bei 1300. Der personelle Engpass ist nicht zuletzt auch eine Folge der prekären wirtschaftlichen Lage in manchen Kliniken und belastet zunehmend auch die interne Arbeitzeitorganisation sowie die Versorgung der Patienten.

Kreiskrankenhäuser sind Verlust-Kliniken

Als typische Verlust-Kliniken nannte DKG-Geschäftsführer Baum die üblichen Kreiskrankenhäuser, in denen die Zahl und Art der behandelten Krankheiten über die Jahre hinweg weitgehend gleich geblieben sind und keine zusätzlichen Einnahmequellen erschlossen wurden. Da die Sach- und Personalkosten stärker gestiegen sind als die Grundlohnsumme, an der sich die Steigerung der Mittelzuweisung für die Kliniken orientiert, geraten diese Häuser geradezu automatisch ins Minus. 

Auch der Blick in die Zukunft fällt an vielen Kliniken pessimistisch aus: Nur ein Drittel aller Kliniken (31,8 Prozent) erwartet, das Jahr 2008 mit einem Gewinn abzuschließen, weitere 34 Prozent rechnen mit Verlusten, und 30,5 Prozent hoffen auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Treffen diese Erwartungen ein, so wird die Zahl der Kliniken deutlich sinken, die nach wie vor Gewinne verbuchen. Schließlich endete das Geschäftsjahr 2007 im Durchschnitt für die meisten Kliniken (51,8 Prozent) noch mit einem Überschuss. Die höheren Tariflöhne sorgen laut Baum für eine Kostenlücke von 6,7 Milliarden Euro. Das inzwischen von der Koalition beschlossene Hilfsprogramm von drei Milliarden Euro reiche, so Baum, bei Weitem nicht aus, um die Kliniken für die nächsten Jahreabzusichern (siehe dazu auch f&w 5/2008, Seiten 467 und 468; Mehr Finanzierungssicherheit für die Kliniken). Werden die notwendigen Mittel nicht aufgebracht, so drohten ein Stellenabbau von mehr als 20000 Arbeitsplätzen sowie weitere Schließungen von Krankenhäusern. Baum: „Ich gehe davon aus, dass 2009 etwa 30 Krankenhäuserweniger auf der Liste stehen." 

DKI-Studienleiter Dr. Karl Blum berichtete bei der Vorstellung der Studie von den Schwierigkeiten bei den Stellenbesetzungen: 67,3 Prozent der befragten Einrichtungen gaben an, derzeit freie Arztstellen nicht besetzen zu können. 2006 hatten nur 28,4 Prozent der Krankenhäuser von ähnlichen Problemen berichtet. Die Statistiken machen zudem ein Ost-West-Gefälle deutlich: In den neuen Bundesländern konnten in 81 Prozent der Krankenhäuser offene Stellen nicht vergeben werden, in den alten Bundesländern war dies bei 65 Prozent der Kliniken der Fall. Diese Lücke in den Beschäftigtenzahlen ziehe, sagte Blum, gravierende Probleme bei der Arbeitszeitorganisation nach sich. Acht Prozent der befragten Kliniken gaben beispielsweise in der Umfrage an, dass sie in der Folge ganze Stationen oder Bereiche schließen mussten. Gut ein Drittel der betroffenen Häuser meldete zudem, dass der Ärztemangel auch die Patientenversorgung beeinträchtige, und etwa ein Sechstel hat bereits Wartelisten zur Patientenaufnahme eingeführt oder baue diese weiter auf.  

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Als Maßnahme der Personalentwicklung wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im aktuellen Krankenhaus-Barometer 2008 diskutiert: Etwa 80 Prozent der Krankenhäuser sehen darin einen wichtigen Faktor, um Beschäftigte für ihre Einrichtung zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Ein wesentliches Element ist dabei, den Beschäftigten eine bedarfsgerechte Kinderbetreuung mit umfassenden Öffnungszeiten anzubieten. Etwa 20 Prozent der Häuser verfügen bereits über eine betriebliche Kinderbetreuung, weitere 30 Prozent planen, mittelfristig Angebote aufzubauen. Viele Kliniken arbeiten laut der Studie an weiteren familienfreundlichen Angeboten für die Beschäftigten: Etwa jedes zweite Krankenhaus gewährt Sonderurlaub aus familiären Gründen über die gesetzlichen Krankengeldregelung bei Kindeserkrankungen hinaus. Jedes dritte Krankenhaus verlängert auf Wunsch die Elternzeit über den gesetzlichen Anspruch von drei Jahren. 

Das klinische Risikomanagement ist, so ein weiteres Ergebnis der Studie, in den deutschen Krankenhäusern noch weitgehend im Anfangsstadium oder in der Implementierungsphase. Knapp ein Drittel der Krankenhäuser gab an, ein System zur Vermeidung von Behandlungsfehlern oder -risiken im ganzen Hause oder in ausgewählten Bereichen bereits anzuwenden. Weitere 41 Prozent erklärten, dass sie ein derartiges System derzeit aufbauen oder dessen Einführung planten.


Susanne Werner ist freie Jounalistin in Berlin


f&w 6/2008, Seiten 586 bis 587

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