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Finanzierung durch deutsche Fondsgesellschaft

Klinik Offenbach baut und managt Gesundheitseinrichtungen am Golf

Klinik Offenbach baut und managt Gesundheitseinrichtungen am Golf

  • Strategie
  • Strategie und Organisation
  • 01.06.2008

Zusammen mit dem Klinikum Offenbach werden künftig im Emirat Abu Dhabi ein Ärztehaus und eine Klinik aufgebaut. Schwerkranke sollen ausgeflogen und in Deutschland behandelt werden. Die Nachsorge soll am Golf laufen.

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind nach Luxemburg und Norwegen das drittreichste Land der Welt. Innerhalb der VAE ist Abu Dhabi wiederum der wohlhabendste Staat. Das Emirat verfügt über rund zehn Prozent des weltweiten Erdölvorkommens, seine Einwohner halten rund um den Erdball Geldanlagen in Höhe von 1 000 Milliarden US-Dollar. Sechs-Sterne-Hotels, Einkaufsparadiese, die meisten Einwohner Abu Dhabis wohnen wie in Palästen. In der Hauptstadt der VAE am Persischen Golf scheint es fast an nichts zu fehlen. Nur gute medizinische Versorgung. Zwar hat das Emirat alles,was an Apparatemedizin gut und teuer ist. Aber es fehlen gut ausgebildete Mediziner. Deswegen setzen sich viele Einwohner der VAE ins Flugzeug nach München und lassen sich in den Kliniken der bayerischen Landeshauptstadt behandeln. Durchschnittlich gibt ein solcher Patient pro Aufenthalt 80 000 US-Dollar aus eigener Tasche aus. Aus Mangel an Alternativen.

Denn die Kliniken in Abu Dhabi sind hoffnungslos überfüllt, selbst Todkranke warten monatelang auf einen Behandlungstermin. Das Gleiche gilt für die ambulante Versorgung. Ein funktionierendes Rettungswesen existiert nicht. Das soll sich ändern. Jetzt hat die Klinikum Offenbach GmbH sich am Aufbau eines Krankenhauses in Abu Dhabi engagiert. Wir vom Offenbacher Klinikum und Verantwortliche des German General Hospital (Middle-East) LLC. (GGH) unterzeichneten einen Managementvertrag über die Errichtung und den Betrieb des German General Hospitals Abu Dhabi, VAE. Der Vertrag umfasst die kaufmännische Betriebsleitung sowie Planungs-, Konstruktions- und Beratungsleistungen während der Planung und Errichtung des German General Hospitals in Abu Dhabi mit einer geplanten Größenordnung von 100 bis 150 Betten sowie den Betrieb eines Ärztehauses in Abu Dhabi direkt.

Der Vertrag ist auf vier Jahre befristet – vorerst. Ein Ärztehaus stellt den ersten Schritt in der Zusammenarbeit zwischen der Klinikum Offenbach GmbH und dem Klinikum GGH in Abu Dhabi dar. Es wird zum 1. Februar 2009 in Betrieb gehen. Das hochmoderne, nach deutschem Standard errichtete Ärztehaus befindet sich im Zentrum von Abu Dhabi. Neben der ambulanten Versorgung werden dort auch die Nachsorge und die allgemeine Betreuung der Patienten in den vier Fachbereichen Radiologie, Orthopädie, Pädiatrie und Innere Medizin stattfinden. Die Bauarbeiten der „German Clinic“ sollen sich über 18 Monate erstrecken. Sowohl Ärztehaus als auch Krankenhaus wurden von deutschen Architekten, Projektentwicklern und Ärzten in Zusammenarbeit mit der Firma Siemens geplant.

Die Geräteausstattung wird ebenfalls von Siemens geliefert. Unter operativer Leitung des Offenbacher Krankenhauses wollen das German General Hospital und die Klinikum Offenbach GmbH im Zuge der Personalentwicklung eng zusammenarbeiten. Verwaltungschef des Ärztehauses und auch des später zu bauenden Krankenhauses, in Trägerschaft der Klinikum Offenbach GmbH, wird ein kaufmännischer Mitarbeiter des Klinikums, der in Abu Dhabi stationiert ist. Das German General Hospital ist damit das erste allgemeine Krankenhaus nach deutschem Standard in Abu Dhabi. Mit seiner Errichtung wird 2009 begonnen. Gebaut wird das „German General Hospital“ auf einer Fläche von 15 000 Quadratmetern. Das Baugrundstück wird von einem wohlhabenden Emirati zur Verfügung gestellt, der als lokaler Joint-Venture- Partner an dem Projekt beteiligt ist. Denn Ausländer dürfen in Abu Dhabi keine Grundstücke besitzen. Das Klinikum wird im Stadtteil „Khalifa A“, einem neu erschlossenen Villenviertel mit rund 200 000 Einwohnern zwischen Flughafen und Innenstadt, gebaut.

Offenbach optimal an Flughafen angebunden

Neben dem Betrieb des Ärzte- und des Krankenhauses wird eine Struktur zur Behandlung emiratischer Patienten in Deutschland aufgebaut. Die Behandlung in Deutschland ist vor allem in den Fällen angezeigt, in denen die medizinische Expertise vor Ort nicht oder in wesentlich geringerer Qualität vorliegt. Sowohl notwendige Voruntersuchungen als auch die erforderliche Nachsorge werden im Anschluss an die Auslandsaufenthalte wieder in Abu Dhabi durchgeführt. Dies garantiert den Gesamterfolg der Behandlung nachhaltig. Der Standort Offenbach, als einer von mehreren geplanten Standorten, gilt als deutscher Brückenkopf zu den Emiraten von seiner Lage her als ideal. Denn der Frankfurter Flughafen liegt keine zehn Kilometer von Offenbach entfernt. Der Rhein-Main-Airport ist mit vielen täglichen Nonstop- Flügen, die etwa sechs Stunden dauern, ideal an Abu Dhabi angebunden. Unter anderem bieten „Quatar Airways“ und „Emirates“ tägliche Verbindungen in die VAE-Hauptstadt. Als logistisches Drehkreuz nach Abu Dhabi fungiert ferner Dubai, die touristische Hauptattraktion der Emirate.

Fonds sammelt 56 Millionen Euro ein

Grund für unser Engagement am Golf: Wir suchen nach neuen Geschäftsfeldern, um den Patientenzustrom für unser Haus zu sichern. Der Aufbau eines privaten Krankenhauses und eines Ärztehauses wird 56 Millionen Euro kosten. Das Geld wurde von einem geschlossenen Fonds eingesammelt, den die Investmentgesellschaft Shedlin Middle East Health Care mit Sitz in Nürnberg auflegte. Anleger können sich von einer Anlagesumme von 15 000 Euro an aufwärts beteiligen. Wer die Fondsanteile über seine Hausbank kauft, muss einen Ausgabeaufschlag von fünf Prozent hinnehmen. Der allerdings entfällt für denjenigen, der seine Anteile direkt bei den Nürnbergern zeichnet. Der Fonds läuft über sieben Jahre, die durchschnittliche Rendite wird von der Shedlin Capital AG mit 12,48 Prozent prognostiziert.

Eine weitere Einnahmequelle für den Fonds ist die qualitative Vermittlung von Patienten nach Deutschland auf Honorarbasis. So werden beispielsweise Patienten, die komplizierte Operationen mit Spezialistenwissen benötigen, inausgewählte Spezialkliniken nach Deutschland vermittelt. Die notwendigen Voruntersuchungen sowie die erforderliche Nachsorge finden vor Ort in Abu Dhabi statt. Eine in den Emiraten nötige Class-A-Lizenz zum Betrieb des Krankenhauses ist bereits erteilt, damit dürfen alle medizinischen Fachgebiete abgedeckt und privat abgerechnet werden. Die Gesellschaft Al-Alamia, die das Projekt entwickelt hat, ist auf uns gerade wegen des Neubaus unseres Klinikums aufmerksam geworden. Wer ein solches Projekt bei laufendem Betrieb handhaben könne, werde auch mit dem Aufbau eines kleinen Krankenhauses zurechtkommen, war die Ansicht. Unser Engagement beim Aufbau des „German General Hospital“ ist überschaubar.

Zweitmeinung von Hessen an den Golf

Wir verzahnen die Arbeit der deutschen Ärzte in Abu Dhabi mit denen in Offenbach. So können unsere Ärzte in Offenbach eine zweite Meinung zu einem Befund einholen und Patienten nach Hessen zur Operation überweisen. Auch kann durch die Kooperation die Nachsorge für arabische Patienten in Abu Dhabi sichergestellt werden, die zuvor in Offenbach operiert worden sind. Im dortigen Krankenhaus werden die Abteilungen Gynäkologie, Innere Medizin, Orthopädie, Urologie und Chirurgie eingerichtet, im Ärztehaus unter anderem auch Radiologie und Pädiatrie. Im Offenbacher Klinikum wollen wir eine Abteilung mit fünf bis zehn Betten schaffen, um Patienten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten versorgen zu können. Im Umgang mit den zumeist sehr anspruchsvollen, weil vermögenden Patienten sehen wir eine Herausforderung für unser Haus – nicht zuletzt auch aufgrund der „interkulturellen Kommunikation“.

Die Erfahrungen, die wir mit Patienten aus dem Ausland zum Beispiel in der Offenbacher Strahlentherapie gewonnen haben, sind gut. Unsere Klinik wird im Jahr von etwa 250 Patienten aufgesucht, die aus Griechenland nach Deutschland kommen. Wir wollen im Rahmen des neuen Projektes am Golf nicht nur unsere Mitarbeiter aus dem Management nach Abu Dhabi schicken, sondern auch Ärzte, medizinisch-technische Assistenten und Krankenpflegerinnen. Auch könnten umgekehrt arabische Mitarbeiter in Offenbach ausgebildet werden. Auf einem Markt wie dem Gesundheitswesen, bei dem es immer weniger Geld für die gleiche Leistung gibt, bekommen wir auf Dauer nur auf diese Weise eine Quersubventionierung für weniger rentable Angebote hin. Im Jahr erwarten wir Einnahmen aus unserem Engagement in Abu Dhabi im zunächst sechsstelligen Bereich.

Anschrift des Verfassers:

Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer Klinikum Offenbach GmbH, Starkenburgring 66, 63069 Offenbach
 

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