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Die eCard wird nur eine eCard-light sein

Erfolg sieht anders aus

Erfolg sieht anders aus

  • Innovation
  • Medica
  • 01.06.2008

Es ist ruhiger um die elektronische Gesundheitskarte (eCard) geworden. Selbst die Ankündigung, dass im dritten Quartal 2008 mit dem Rollout begonnen werden sollte, fand kaum Beachtung. Dem Grundsatz „Erfahrung macht klug" folgend, wurde dieser Ankündigung wenig Glauben geschenkt – zu viele Termine sind in der Vergangenheit verstrichen, ohne dass die angekündigten Taten folgten. In diesem Zusammenhang sei nur ganz beiläufig daran erinnert, dass die Einführung der eCard auf Anfang 2006 ausgerichtet war.

Aber: Totgesagte leben länger. Nun soll der Basis-Rollout zu Jahresbeginn 2009 in Nordrhein beginnen. Ob es ein Erfolg werden wird, ist unklar. Allerdings könnte bei der Einschätzung der Anstrengungen folgender Hinweis hilfreich sein: 2009 ist ein Wahljahr.
Was aber ist nun unter „Basis-Rollout" zu verstehen? Ist das der große Befreiungsschlag? Sicher nicht, denn die dort eingesetzte eCard wird die eCard-light sein, also die „aufgemotzte" Krankenversichertenkarte (KVK), ohne jede Online-Anbindung an eine Telematik-Infrastruktur. Daher sind auch keine bahnbrechenden Erkenntnisse zu erwarten. Die mit der Vernetzung der Akteure erhofften Nutzenpotenziale werden nicht realisiert werden können, ganz zu schweigen davon, dass damit einer elektronischen Patientenakte näher gekommen wird. Der Nutzen für die Dienstleister im Gesundheitswesen wird „überschaubar" bleiben. Näheres zum Rollout in Nordrhein werden wir am ersten Tag der Medica im Rahmen der Sonderschau Medica Media erfahren können.

Prozesse müssen in den Fokus

Ab 2009 wird es eine parallele Entwicklung der eCard geben. Der Rollout wird die Bürger einer Region vollständig mit der eCard ausstatten, die alle bis dahin ausgetesteten Funktionen enthalten wird. Daneben werden die Tests weiterlaufen, um neue Komponenten zu entwickeln und einsatzbereit zu machen. Durch diese Zweigleisigkeit soll das Projekt beschleunigt werden. Dies ist eine Umkehr der bisherigen Vorgehensweise, birgt aber auch die Gefahr, dass Komponenten in der Zukunft wieder ausgetauscht werden müssen. Es bleibt zu hoffen, dass die Testergebnisse bei der Weiterentwicklung ernster genommen werden als in der Vergangenheit. Dies auf die rein technische Funktionsweise zu beziehen, hieße Fehler der Vergangenheit fortzuschreiben. Im Gleichklang muss die Handhabbarkeit für Ärzte (und andere Heilberufe – die leider oft vergessen werden) und Patienten stehen.

Das Thema „Sicherheit" hat lange genug die Diskussion beherrscht (und es gibt kaum eine Applikation, die so sicher ist wie die eCard), jetzt müssen die Prozesse in den Fokus. Nur wenn der Anwender für sich Vorteile sieht, wird seine Akzeptanz gegeben sein. Die Unzufriedenheit mit dem Projektfortschritt zeigen Initiativen im Markt, eigene „Akten"lösungen zu entwickeln. Das Projekt „Fallakte" ist zu erwähnen, um das es in den vergangenen Monaten allerdings seltsam ruhig geworden ist.
Aktuell kündigt die Knappschaft ein eigenes Projekt an, das von der Homogenität der Beteiligten lebt. Ob, weitere Projekte (auch im europäischen Raum) vorausgesetzt, die Gematik (oder eine Nachfolgeorganisation) jemals dann eine eigene elektronische Patientenakte (EPA) aufsetzen muss, darf schon heute bezweifelt werden.


Anschrift des Verfassers:
Prof. Dr. Roland Trill
Fachhochschule Flensburg
University of Applied Sciences
Fachgebiet Krankenhausmanagement & eHealth
Kanzleistraße 91–93
24943 Flensburg

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