339
Passwort vergessen

Einkauf

Wissen strategisch managen

Wissen strategisch managen

  • f&w
  • Technologie
  • 24.06.2019

f&w

Ausgabe 7/2019

Seite 662

Die Schlagzahl der Veränderungen im Gesundheitswesen bleibt hoch. Dieses Tempo betrifft auch den Einkauf. Wir müssen uns kritisch fragen, ob die damit einhergehenden Sprints nicht bloß die Aktualität bedienen – und dabei der Blick für nachhaltige Lösungen verloren geht. 

Schauen wir uns den Umgang mit Wissen im Einkauf an: Für die Organisation entscheidend ist neben der geforderten Agilität eine hohe Fluktuation beim Personal. Beides sind Störfaktoren. Wo bleibt das Wissen der Mitarbeiter? Verlässt es mit ihnen die Abteilung, den Einkauf, das Krankenhaus? Wie funktioniert der Transfer zu neuen Mitarbeitern? Wie kann sich Wissen in der wandelnden Organisation weiterentwickeln?

Wissen strategisch managen – das ist heute und in Zukunft eine der wichtigsten Steuergrößen im Klinikeinkauf. Konkret heißt das, Wissen als Befähigung zu verstehen: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die sich rasch in eine Organisation einarbeiten und vom Start weg ihre Leistungsfähigkeit voll ausschöpfen können, sind nicht nur eine Idealvorstellung, sondern ein zentrales Element für die Funktionsfähigkeit des Einkaufs. Dafür müssen aber auch neue Voraussetzungen im Wissenstransfer und der Wissensspeicherung geschaffen werden.

Die Fluktuation von Personal wird sich im Gesundheitsbereich niemals verhindern lassen. Alle Arbeitgeberanreize und -bemühungen können die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nur teilweise kompensieren. Die Vorstellung vom sicheren „Lebensarbeitsplatz Krankenhaus“ passt einfach nicht mehr zum Bild eines flexiblen Berufslebens und den Karrierevorstellungen junger Menschen. Entwicklungsmöglichkeiten stehen nicht nur bei Einsteigern hoch im Kurs, sie sind oft der Grund für einen Wechsel innerhalb der Branche. Personenbezogenes Wissen wandert ab beziehungsweise geht der Organisiation verloren.

Wissen ist ein flüchtiges Gut

Doch selbst wenn Mitarbeiter nicht wechseln, ist Wissen ein flüchtiges Gut: Wie oft werden im Einkauf Ergebnisse als neues Wissen geschaffen, doch sobald sie das erste Mal angewendet wurden, versinken sie wieder in der Schublade oder im digitalen Mülleimer.

Hier muss der strategische Ansatz sein, Wissen als einen Wert für die Steuerung zu begreifen. Es geht beim Personal in erster Linie um Kompetenz, die primär dazu beiträgt, die Leistungsfähigkeit der Organisation zu erhalten und bestenfalls zu steigern. Das ist der entscheidende Punkt: Wissen und Kompetenz zu halten, ist nur ein Teil des Veränderungsmanagements. Es geht darum, im Tagesgeschäft Wissen für die Klinik zu sammeln, zu konzentrieren und verfügbar zu machen.

Die Gesundheitsversorgung wird immer arbeitsteiliger und spezialisierter. Sektorengrenzen weichen auf, die Organisationen wandeln sich, die Komplexität durch vernetzte Strukturen nimmt zu. Gleichzeitig wächst die Menge der verfügbaren Informationen rapide. Alte Kommunikations- und Informationsstrukturen reichen für den Austausch und die Weiterentwicklung von Wissen und Erfahrung der Mitarbeiter nicht mehr aus. Sie sind schlicht nicht darauf ausgerichtet – schon gar nicht interdisziplinär.

Eine neu durchdachte, digital basierte Wissens- und Kommunikationsarchitektur kann in diesem Szenario zu einem wesentlichen wertschöpfenden Faktor werden – vor allem wenn sie es schafft, Informationen klug zu vernetzen. Sie kann die strukturierte Dokumentation von Arbeitsergebnissen ermöglichen, sie für andere verfügbar machen und sogar das Generieren von neuem, wertvollem Wissen fördern. Wissen soll nicht isoliert beim einzelnen Mitarbeiter oder innerhalb einer Abteilung verbleiben, es soll die lernende Organisation unterstützen. Es soll reproduzierbar sein und geteilt werden können.

Anwender erreichen

Klinikeinkauf ist und bleibt eine Dienstleistung. Um sie zukunftsfähig zu machen, muss sie digitaler, automatisierter, kurz: effizienter werden. Damit verlagert sich der Aufgabenschwerpunkt der Mitarbeiter. Operatives Abarbeiten wiederkehrender Routinen hat keine wertschöpfende Zukunft. Gefragt sind vielmehr tiefe Analysen und kluge Antworten auf komplexe Fragestellungen. Sie können dem Krankenhaus einen Mehrwert bringen. Es braucht zukünftig den Einkauf, um aus Produkten, Verbrauchsdaten und Anwendungserfahrungen neues Wissen zu generieren. Big Data, Routinedatenauswertungen, Verknüpfungen mit Qualitätsdaten – die notwendige Basis ist vorhanden.

Es wird eine spannende Aufgabe sein, dafür zu sorgen, dass die erarbeiteten Ergebnisse die Anwender erreichen. Ein Dateiablagesystem allein garantiert noch nicht den Wissenstransfer. Es ist keine besonders gewagte Prognose, dass gerade hier enormes Potenzial schlummert: Wir verwerten Erkenntnisse nicht umfänglich und – besonders außerhalb von professionell aufgestellten Einkaufsgemeinschaften – nicht übergreifend.

Was braucht es? Als Erstes das Commitment des Managements, dann eine Strategie, die Priorisierung der Ziele, einen Business Case und vor allem speziell qualifizierte Mitarbeiter, die neu und anders denken. Die IT-Infrastruktur und intelligente Lösungen werden eine zentrale Rolle im Einkauf spielen. Heute bildet die IT primär rudimentär die operativen Prozesse ab, beispielsweise die Materialwirtschafts- oder Produktinformationssysteme. Müsste es nicht so sein, dass das viele Wissen um Probleme, Substitute, Allergene und so weiter dem medizinischen Anwender gleich mit aufgezeigt wird? Das Wissen und die Erfahrung des Klinikeinkaufs sind schon heute mindestens so wichtig wie die Kerndienstleistung, auch wenn sie im schnellen Tagesgeschäft scheinbar als Nebenprodukte entstehen: Wir müssen sie nachhaltiger nutzen.

Adelheid Jakobs-Schäfer ist Stellvertetende Vorsitzende des BVBG.

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Klinik-Newsletter

Abonnieren Sie unseren kostenlosen täglichen Klinik-Newsletter und erhalten Sie alle News bequem per E-Mail.

* Durch Angabe meiner E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Anmelden“ erkläre ich mich damit einverstanden, dass der Bibliomed-Verlag mir regelmäßig News aus der Gesundheitswirtschaft zusendet. Dieser Newsletter kann werbliche Informationen beinhalten. Die E-Mail-Adressen werden nicht an Dritte weitergegeben. Meine Einwilligung kann ich jederzeit per Mail an info@bibliomed.de gegenüber dem Bibliomed-Verlag widerrufen. 

Weitere Artikel dieser Ausgabe


Neueste Klinik-Personalie

Personalie

Nolte leitet Sana-Krankenhaus Hürth

  • News des Tages

Florian Nolte hat in Hürth die Leitung von Hendrik Nordholt übernommen.


Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich