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Umfrage: Niedergelassene als Einweiser

Sensible Schnittstelle

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  • 02.08.2018

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Ausgabe 8/2018

Seite 700

Hand in Hand arbeiten in Deutschland rund 154.000 in ambulanten Versorgungsstrukturen tätige Ärzte mit den rund 1.950 Krankenhäusern zusammen, um eine lückenlose Patientenversorgung zu gewährleisten. Dabei ist die Zusammenarbeit zwischen Einweisern und Krankenhäusern von einer Vielzahl legitime Interessen und gegenseitiger Erwartungshaltungen geprägt.

Vor diesem Hintergrund eröffnet eine erstmals bundesweit und einrichtungsübergreifend durchgeführte Befragung niedergelassener Ärzte den bisher umfassendsten Einblick in die Erwartungen und Vorstellungen von Einweisern in der Zusammenarbeit mit Krankenhäusern. Für die Untersuchung wurden 47.592 niedergelassene Ärzte aus allen medizinischen Fachrichtungen sowie Psychotherapeuten per E-Mail angesprochen, darunter 14.043 Allgemeinmediziner und Hausärzte. Sie sollten sowohl den Grad ihrer Zufriedenheit auf einer Skala von 1 (= sehr gut) bis 5 (= sehr schlecht) als auch die wahrgenommene Wichtigkeit einzelner Befragungs-Items angeben (Abbildung).

 

Rund 40 Prozent der Einweiser setzen bei der Zusammenarbeit mit Krankenhäusern aussagekräftig geschriebene Arztbriefe voraus. Im Schnitt sind die Einweiser mit dem endgültigen Arztbrief zwar eher zufrieden (2,07), unter den Freitextantworten fanden sich jedoch einige Einweiser, die deutliche Mängel in den Arztbriefen sahen: „Ich erwarte, dass ein endgültiger Arztbrief nochmal gelesen wird, dann ggf. [auch] neu formuliert wird. […] In der Regel ist der endgültige Arztbrief aber eine Kopie des vorläufigen mit den gleichen Fehlern.“

Eine weitere Grundvoraussetzung für die Zusammenarbeit: die Absicht der Patienten, sich nach einem Krankenhausaufenthalt weiterhin in der Praxis des einweisenden Arztes behandeln zu lassen. Dieser Aspekt, den die Befragten im Allgemeinen als gut erfüllt wahrnehmen (1,47), bedarf nur in seltenen Einzelfällen einer Intervention.

Eine Chance bietet sich jenen Krankenhäusern, die sich darum bemühen, die für die Einweiser wichtigen Fortbildungen anzubieten: Diese würden von den meisten Umfrage-Teilnehmern mit Begeisterung in Anspruch genommen werden. Allerdings offenbart sich hier Verbesserungspotenzial in der bisherigen Umsetzung der Fortbildungsangebote (2,65).

Auch mit einer guten Erreichbarkeit der relevanten Ansprechpartner kann ein Krankenhaus sich vom Wettbewerb absetzen. Bisher fällt dieser Punkt unter Einweisern jedoch als vergleichsweise verbesserungswürdig auf (2,58). An dieser Stelle haben niedergelassene Ärzte unter anderem den Wunsch nach einer Liste mit Durchwahltelefonnummern der verschiedenen Abteilungen in den Krankenhäusern geäußert. Grundsätzlich begrüßen es rund 85 Prozent aller Befragungsteilnehmer, wenn Krankenhäuser sich proaktiv darum bemühen, ihnen Informationen über die eigene Einrichtung zukommen zu lassen. Insbesondere diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, aber auch wichtige Personalwechsel im Krankenhaus sind für die niedergelassenen Ärzte von Interesse. Uneinig sind sich die Einweiser jedoch im Hinblick auf den favorisierten Kommunikationsweg: Ob per Post, Mail oder mittels Veranstaltungen des Krankenhauses – etwa 50:50 ist jeweils das Stimmverhältnis der Ärzte für oder gegen die genannten Informationswege. Das heißt, es gibt hier nicht den einen optimalen Weg, um als Krankenhaus niedergelassene Ärzte mit Informationen zu versorgen. Wer hingegen zum Hörer greifen will, begeht höchstwahrscheinlich einen Fehler: So lehnen ganze 86 Prozent der Befragten eine telefonische Kontaktaufnahme zwecks allgemeiner Information mit einem klaren Nein ab.

Ebenso wird die ärztliche Behandlungsqualität nicht als optimal wahrgenommen. Patienten der befragten Einweiser seien, so die Einweiser, im Schnitt zwar eher zufrieden mit der ärztlichen Behandlungsqualität (2,36), allerdings machen niedergelassene Ärzte in den Freitextantworten wiederholt auf Missstände in der Behandlung aufmerksam. Diese hängen insbesondere zusammen mit:

 

  • der vorzeitigen Entlassung von Patienten, häufig ohne ausreichende Medikation,
  • Änderungen im Behandlungsplan ohne Abstimmung mit dem einweisenden Arzt,
  • oft nicht nachvollziehbarer Verschreibung von Medikamenten,
  • unnötigen Doppeluntersuchungen im Krankenhaus, die bereits ambulant getätigt wurden und den Patienten verunsichern,
  • abwertenden Bemerkungen der Krankenhausärzte über ambulante Kollegen vor den Patienten.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Untersuchung wertvolle Anhaltspunkte für Verbesserungen in der ganzheitlichen Patientenversorgung und ermöglichen einen Benchmark unter Angehörigen verschiedener medizinischer Fachrichtungen und verschiedener geografischer Standorte der Praxen. Es scheint relevant zu sein, bei der Auswertung geografische Vergleiche heranzuziehen und besonders den Wettbewerb im Einzugsgebiet zu berücksichtigen.

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