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15. Gesundheitswirtschaftskongress

Patienten treiben den Wandel an

Patienten treiben den Wandel an

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  • Politik
  • 02.08.2019

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Ausgabe 8/2019

Seite 698

Neue Player, digitale Prozesse, andere Ansprüche der Patienten: Die Gesundheitswirtschaft befindet sich in einem gewaltigen Transformationsprozess. Aus diesem Grund wird das Thema Wandel auf dem 15. Gesundheitswirtschaftskongress im September in Hamburg eine wichtige Rolle spielen. Über 800 Manager und Unternehmer kommen dann zum Austausch über die Herausforderungen der Branche zusammen.

 

Der Patient wird mehr und mehr auch Konsument und damit Treiber auf dem Gesundheitsmarkt. Bisher galt „einweisen, zuweisen, überweisen“. Diese Begriffe sprechen jedoch eine verräterische Sprache. Da war keine aktive Rolle für den Patienten vorgesehen. Das wird sich in Zukunft ändern. Wie Patienten ihre Behandlung erleben, wird deshalb künftig für die Bewertung der Leistung entscheidend sein. Bereits heute können Patienten leichter an Informationen gelangen. „Dr. Google“ und das Internet machen’s möglich. Vor wenigen Jahren war das noch völlig undenkbar. Zudem haben wir bisher in der überwiegenden Zahl Menschen um die 70 und älter aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsgeneration behandelt, die mit Entbehrungen und Mangel aufgewachsen sind. Ihre Erwartungshaltung ist maßgeblich durch diese Erfahrung geprägt.

Die künftig mehrheitlich auf die Gesundheitsanbieter zukommenden Patienten sind in den Zeiten des Wirtschaftswunders sozialisiert und im Zweifelsfall seit ihrer Jugend an eine aktive Konsumentenrolle gewöhnt. Sie werden die Akteure in unserer Branche ganz anders herausfordern.

Patienten erwarten stabiles Leistungsversprechen

Krankenhäuser sind traditionell Expertenorganisationen. Grund dafür ist, dass der Gesundheitsmarkt bisher von der Anbieterseite dominiert wurde. Die Nachfrageseite hat praktisch keine Rolle gespielt. Solche Märkte sind auf ihre Institutionen zentriert. Medizin ist bisher an den vorhandenen Ressourcen ausgerichtet. Was da ist, wird eingesetzt. Das gilt für die Mitarbeiter, ihr Wissen und ihre Erfahrung sowie für die vorhandene Technik und die vorgefundenen Medizingeräte und Laborleistungen, aber auch für die Organisation. Deshalb ist die Behandlung überall unterschiedlich. Das ist deshalb nicht länger akzeptabel, weil Patienten mehr und mehr ein stabiles Leistungsversprechen erwarten. Daher muss die Medizin jetzt „vom Kopf auf die Füße gestellt“ werden, um sie auf die Bedürfnisse der Patienten auszurichten.

Das Patientenerlebnis muss ab sofort mehr sein als eine unverbindliche Floskel. Alle Beteiligten – Ärzte und Krankenpflegekräfte, aber auch Manager und Techniker – sind zur Aktion aufgerufen. Es gilt, die Behandlungsprozesse im Detail zu strukturieren und damit einem digitalen Workflow zugänglich zu machen. Die Gesundheitswirtschaft befindet sich bereits, wenn auch noch nicht von allen erkannt, in einem gewaltigen Transformationsprozess. Neue Player aus der digitalen Wirtschaft und damit aus ganz anderen Branchen sind auf dem Vormarsch. Sie kennen sich mit den Erwartungen von Konsumenten exzellent aus und sind in ihrem Denken den traditionellen Akteuren der Gesundheitswirtschaft weit überlegen. Die müssen sich jetzt sputen, sonst werden sie in den kommenden Jahren links und rechts überholt.

Hin zum durchgängigen Behandlungsprozess

Wir müssen also von A nach B. Daran kann es keinen Zweifel geben. Oder doch? Was heißt denn hier schon „wir“? Die Sicht von Menschen auf die Dinge, die getan werden müssen, ist sehr unterschiedlich. Im Gesundheitssektor unserer Volkswirtschaft hat das Festhalten an den hergebrachten Dingen eine besonders lange Tradition. Geändert worden ist an der Art und Weise, wie Patienten behandelt werden, eigentlich schon lange nichts Grundsätzliches mehr. Sicher, die Medizin ist immer moderner geworden, aber die Organisationen, in denen sie praktiziert wird, sind sehr tradiert. Unsere Gesellschaft befindet sich allerdings dramatisch im Umbruch. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts rückte die Rolle der Konsumenten auf den Märkten immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Politik hat sich der Stärkung ihrer Position in dieser Zeit vermehrt angenommen.

Von dieser Ausrichtung wird jetzt auch der Gesundheitsmarkt erfasst. Patienten können dabei ihre Rolle als Konsumenten aktiv wahrnehmen, wenn ihnen Hilfe zur Erlangung von Transparenz zuteilwird. Das ist inzwischen, insbesondere durch das Internet, vermehrt der Fall. Menschen, die mehr Informationen über Gesundheitsangebote haben, sind interessiert an umfassenden Produkten und Dienstleistungen. Ambulante, stationäre und rehabilitative Angebote werden zu „Strukturierter Medizin“ verknüpft. Es wird ein durchgängiger Prozess aufgesetzt, der die Zulieferung von Medizinprodukten, individueller Pharmaversorgung, Laborleistungen und Heil- und Hilfsmitteln sowie vielem mehr steuert. Das wird die Zukunft der Medizin sein. Medizin 4.0 verwandelt den Behandlungsprozess in einen indikationsbezogenen digitalen Workflow. Die Akteure arbeiten auf dieser Basis, die eine gleichbleibende Qualität und die Abgabe eines Leistungsversprechens ermöglicht.

Unternehmerische Manager sind gut beraten, die Herausforderungen für sich anzunehmen und eigenständig Lösungen zu entwickeln. Souveräne Patienten und immer rarer werdende Mitarbeiter zwingen dazu, endlich moderne Methoden und Technologien zu nutzen, um die Beschäftigten zu entlasten. Der zwingend not-wendige Wandel erfordert auch in der Gesundheitswirtschaft einen gestalteten Veränderungsprozess. Wichtig ist aber auch, die Menschen zu erreichen und ihre Bereitschaft, aktiv mitzuwirken, deutlich zu steigern. Wandel ist das wichtigste Thema auf dem 15. Gesundheitswirtschaftskongress im September. Über 800 Manager und Unternehmer werden sich dann zu allen relevanten Herausforderungen der Branche austauschen und ihre gemeinsamen Positionen für die Zukunft beraten.

 

 

15. Gesundheitswirtschaftskongress

17. und 18. September, Grand Elysee Hamburg
Anmeldung unter: www.gesundheitswirtschaftskongress.de

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