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Editorial

Streitet Euch!

Streitet Euch!

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  • Editorial
  • 28.08.2018

f&w

Ausgabe 9/2018

Seite 773

Stefan Deges

Manche Wunden heilen nie. Seit dem Jahr 1984, als mit dem Hürther Gemeindekrankenhaus erstmals ein kommunales Krankenhaus privatisiert worden war, schwelt in der hiesigen Krankenhausszene der Streit „Privat vs. Staat“, als gebe es ernsthaft ein Entweder-Oder. Nicht ganz zufällig erlebte 1984 auch diese Fachzeitschrift ihre Premiere. Von privaten Managementmethoden zu lernen, das war der Gründungsgedanke von f&w. Schon damals gehörten die „Gelben Seiten“ des BDPK zum festen Bestandteil. Im Erstlingswerk stellte sich der Verband auf vier Seiten den Anfeindungen der Gewerkschaft Öffentliche Dienste (ÖTV), die im Zuge der Hürther Privatisierung zum ideologischen Grabenkampf aufgerufen hatte.

Die Argumente haben sich seither nur um Winzigkeiten geändert. Dabei darf der Konflikt zwischen Krankenhäusern verschiedener Trägerschaften zumindest soziologisch als einigermaßen gut erforscht gelten. Er lässt sich vortrefflich am immerwährenden Disput zwischen Düsseldorfern und Kölnern aufzeigen: Die (rheinischen) Gemeinsamkeiten sind so umfassend, dass der Dissens im Detail (Alt-Bier oder Kölsch) zur Grundsatzfrage erhoben wird.

Zugegeben, der Vergleich hinkt, die kulturellen Unterschiede zwischen einer privat organisierten Kette und einem kommunalen Versorger sind größer als die farbliche Nuancierung des lokalen Gebräus. Dennoch überwiegen die Gemeinsamkeiten in einem überregulierten Markt, der Preiswettbewerb ausschließt und auch Qualität zunehmend über strukturelle Vorgaben zu nivellieren sucht. Auch private Einrichtungen sind eingewoben ins politische Interessenspiel. Öffentliche Häuser können sich einem gewissen Rentabilitätsdruck ebenfalls nicht entziehen, wenn sie innovationsfähig bleiben wollen. Sie alle agieren in einem politischen Klima, das von der Vernachlässigung der öffentlichen Daseinsvorsorge geprägt ist und Mängelverwaltung zur ersten Management-Tugend macht.

Auch deshalb ist die Abwägung von „Privat oder Staat“ in der sozialen Marktwirtschaft wenig hilfreich. Beide können nicht ohne einander. Gesellschaftlicher Fortschritt funktioniert vor allem deshalb, weil unterschiedliche Interessen für Balance sorgen. Sollen sich die Krankenhäuser also bitte weiter mit aller nötigen Skepsis beäugen. Das ist der Kern gesunden Wettbewerbs. Im Austarieren liegt die Stärke unseres Systems.

„Der Konflikt zwischen Ökonomie und Humanität ist erfolgreich zu lösen.“ Das schrieb meine Vorgängerin Uta Meurer in ihrem ersten f&w-Editorial 1984. Heute muss ich zumindest dieser Aussage widersprechen: Der Konflikt darf nicht überhaupt gelöst werden, sondern muss weiter schwelen. Er ist die wahre Triebfeder für Veränderungen.

Die f&w-Redaktion sieht das in der Zusammensetzung unserer Leser und Partner. In unserem Abonnenten-Kreis sind alle Träger gleichermaßen vertreten. Und neben dem BDPK wissen wir inzwischen weitere Organisationen (BVBG, DVKC, Entscheiderfabrik) an unserer Seite, die alle eines eint: Verantwortung für eine funktionierende Versorgung geht stets einher mit Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit und Investitionsfähigkeit des Krankenhausbetriebs.

Sieben Jahre als Chefredakteur habe ich den Streit der Systeme für bedeutend und heilsam gehalten. Ich verabschiede mich heute von dieser Funktion – allerdings nicht, ohne einen weiteren Stein ins Wasser zu werfen: Bernhard Ziegler, der Vorsitzende des Interessenverbands Kommunaler Krankenhäuser, übt sich in einer Neuvermessung der Grenzlinie zwischen privat und kommunal (siehe f&w-Bilanzgespräch).

Geführt hat das Interview übrigens Dr. Stephan Balling. Er freut sich als künftiger Chefredakteur auf die Wellen, die der Steinwurf auslösen mag.

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