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Neue BDPK-Vorstandsmitglieder im Interview

Mehr tun für die Rehabilitation

Mehr tun für die Rehabilitation

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  • BDPK
  • 30.08.2018

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Ausgabe 9/2018

Seite 849

Ulf Ludwig

Georg Freund

Susanne Leciejewski

Frau Leciejewski, auf dem BDPK-Bundeskongress 2018 in Berlin kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seine Bereitschaft an, das Vergütungssystem der Reha zu reformieren. Was erwarten Sie bei solch einem Reformprozess von der Politik?

Meine Erwartung geht dahin, dass die reale Kostenentwicklung Berücksichtigung findet. Eine Deckelung durch die Grundlohnrate halte ich im Wettstreit um Fachkräfte und angesichts der Notwendigkeit, angemessene Gehälter zu refinanzieren, für nicht zeitgemäß. Zudem hoffe ich, dass die Fachverbände in den Reformprozess miteinbezogen werden und eine enge Abstimmung mit der Praxis stattfindet. Keine Vergütungsstruktur ist optimal, aber das bestehende System lässt sich um einiges verlässlicher und transparenter gestalten. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich die Einführung einer Reha-DRG befürworten.

Herr Ludwig, die Digitalisierung geht an der Gesundheitsbranche nicht vorbei. Wo ist der Digitalisierungsprozess im Praxis-Alltag der Mediclin-Einrichtungen bereits selbstverständlich, und vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell?

Mediclin bildet seit Jahren Prozesse wie die Therapie­planung, Patientenverwaltung, Übermittlung von Labor­daten oder die Arztbriefschreibung mit IT-Unterstützung ab. Dafür sind wir eine Kooperation mit der Meierhofer AG eingegangen, die für uns ein modernes Krankenhausinformationssystem (KIS) mit elektronischer Patienten­akte entwickelt – unter Berücksichtigung der Anbindung peripherer Module, wie beispielsweise das MDK-­Management-System. Je besser dabei die Daten im KIS dokumentiert werden, desto effizienter funktioniert die Vernetzung von Reha- und Akutangeboten, die zu unserer Konzernstrategie gehört. Eine Herausforderung ist es, unsere Mitarbeiter zu motivieren, sich diesen neuen Prozessen zu stellen und die Mehrbelastung in der Implementierungsphase mitzustemmen. 

Herr Freund, Reha-Kliniken sind wie die gesamte Gesundheitsbranche vom Fachkräftemangel in der Pflege betroffen. Der Entwurf zum Pflegestärkungsgesetz lässt die Reha trotzdem außen vor. Das ruft zu Recht Empörung hervor. Wie lösen Sie in Ihrem Klinikunternehmen vor Ort die schwierige Personalsituation?

Wir versuchen schon immer, ein bisschen mehr auf unser Personal einzugehen. Dazu haben wir vor einiger Zeit ein Programm mit dem scherzhaften Titel „Make Küppelsmühle Great Again“ aufgesetzt: alle zwei Wochen im Wechsel Mitarbeiterfrühstück/-grillen, Extraurlaub am Geburtstag, Nutzung vieler Ressourcen der Kliniken, Briefe zur Wertschätzung an Weihnachten, vor allem aber ein nettes Wort auf dem Flur und die ständige Ansprechbarkeit. Bei der Akquise haben wir vollständig auf soziale Medien und Google-Ads umgestellt! Die Anwesenheit des Geschäftsführers im Gespräch hat die Abschlussquote deutlich erhöht.

Warum engagieren Sie sich neben diesen verantwortungsvollen Aufgaben im BDPK-Vorstand? Welche Schwerpunkte möchten Sie im Vorstand setzen?

Susanne Leciejewski: Celenus wächst und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Daher halte ich es für elementar, nicht nur über notwendige Veränderungen im Kliniksektor zu klagen, sondern selbst aktiv zu sein, um die richtigen Weichen zu stellen. Als neues Mitglied im BDPK-Vorstand möchte ich im Besonderen das Wissen und die Erfahrung der Reha-Akteure bündeln. Der Reha ist ein höherer Stellen­wert einzuräumen, und sie darf nicht, wie aktuell im Entwurf des Pflegepersonal-Stärkungs-Gesetzes, benachteiligt werden. Mein Hauptaugenmerk richtet sich klar darauf: der Reha eine Stimme geben und sie nachhaltig stärken.

Ulf Ludwig: Ich arbeite seit zehn Jahren im BDPK-Fachausschuss Reha mit und habe gesehen, welche Erfolge in dieser Zeit durch eine kontinuierliche und zielorientierte Kommunikation mit Politik und Kostenträgern erreicht wurden. Selbstverständliche Dinge wie regelmäßige Pflegesatzerhöhungen, Schiedsstellen oder die Durch­setzung des Wunsch- und Wahlrechts waren vorher nicht vorstellbar. Es ist also nur konsequent, als Vertreter eines Unternehmens mit großer Expertise im Reha-Bereich nun auch im Vorstand des BDPK aktiv mitzuarbeiten – zur weiteren Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Reha. Ich sehe daher die Schwerpunkte meiner Vorstandsarbeit insbesondere darin, diese Probleme zusammen mit meinen Vorstandskollegen frühzeitig aufzuzeigen und zusammen mit Politik und Kostenträgern Lösungen zu erarbeiten.

Georg Freund: Ich bin ein Vertreter der mittelständischen Kliniken. Mein Ziel ist es, dem Sittenverfall im Gesundheitswesen entgegenzutreten. Es muss klar werden, dass auch – oder vielleicht gerade – private Trägerschaft zu großer Qualität und hervorragender Leistung fähig ist. Wir sind auch die Guten! Dabei gilt es, sowohl ausschließlich Rendite-orientierten Hedgefonds, wie bei Median, als auch Discount-Krankenkassen, wie der DAK, entschieden entgegenzutreten. Bis hierher und keinen Meter weiter! Diese Gelegenheit bietet sich mir im Vorstand des Bundesverbands, da wir dort die nötige Schlagkraft entwickeln, in unserer immer absurder werdenden Gesundheitswelt eine laute Gegenstimme für Qualität zu sein.

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