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Das Verlangen nach Herausforderungen

Das Verlangen nach Herausforderungen

  • Innovation
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  • 01.01.2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 1/2007

Hardy Hoheisel misst mit dem Spektrometer und dem Mobiltelefon den Fitnesswert. Er nennt das Gerät Biozoom. Es ist ein Fitness- und Lifestyle-Produkt. Aber es könnte auch die Diagnostik in der Medizin verändern. Marktanalysen zeigen, dass 35 Millionen Europäer ein solches System kaufen würden.

Hardy Hoheisel wuchs im Harz auf. Er wohnte an der alten Harzhochstraße. Von hier aus waren es morgens acht Kilometer, die die Straße steil bergab zur Schule führte. Das bereitete dem Jungen mit dem Fahrrad Freude. Mittags ging es acht Kilometer steil bergauf. Das verlangte ihm Willen und Einsatz ab. Wie die anderen hätte auch er den Bus nehmen können, aber das wäre keine Herausforderung gewesen. Das Verlangen nach Herausforderungen bestimmt seither Hoheisels Leben. Nach der Schule zog es Hoheisel zurück nach Hessen, wo er 1961 in Kassel geboren worden war. Er begann eine kaufmännische Ausbil-dung bei einem der damals größten Motorradhändler Deutschlands.

Vom Fahrrad stieg Hoheisel auf das Motorrad um. Er begleitete in der Freizeit einen Rennfahrer auf dem Sozius und war sich sicher: „Ich könnte schon schneller fahren." Er hatte Erfolge im Motorsport. Ob er weiteren Sport nebenher getrieben habe? „Na ja, Triathlon eben", lautet die Antwort. Zwei Mal qualifizierte sich Hoheisel zum Ironman. Für 3,6 Kilometer Schwimmen im Meer, den anschließenden Marathonlauf und die folgenden 180 Kilometer auf dem Fahrrad benötigte er etwa zehn Stunden. Ausdauer und Disziplin kamen ihm wiederum beim Motorradfahren zugute. Während der 24-Stunden-Rennen fuhr er über weite Distanzen exakte Rundenzeiten.

Nachdem Hoheisel 1987 das Studium der Betriebswirtschaft in Kassel begonnen hatte, hatte er sich zwischen dem Rennsport und der Universität zu entscheiden: Er schloss sein Studium ab. Im Motorradhandel hatte er bemerkt, dass er mit Marketing viel erreichen, dass „ich den Kunden beeinflussen kann". Da lag es für ihn nahe, seine Diplom-Arbeit 1991 über das Sport-Sponsoring und somit den Sportler als Instrument des Marketing zu schreiben. Das führte ihn geradewegs in die Auseinandersetzung mit Spitzenleistung und Doping.

Für Hoheisel drehte sich alles um Sport, Gesundheit und Wirtschaft. Er begann Fahrräder zu konstruieren und zu verkaufen, „doch ich war leider nicht vor dem Trend da". Der kam knapp zehn Jahre später, Ende der neunziger Jahre. Besser erging es Hoheisel mit dem Kitesurfen. Er beansprucht für sich, diesen Sport von Amerika nach Europa importiert zu haben. Während der Surf-Weltcup Series organisierte Hoheisel Surf-Kite-Rennen und 1999 die erste Weltmeisterschaft im Kitesurfen an der Küste vor Waikiki.

Die Spektroskopie eröffnet unbekannte Möglichkeiten Doch Hoheisel drang noch tiefer ein in seine Themenwelt. Der Sport führte den Triathleten mit zwei Ärzten zusammen, die an einem spektroskopischen Verfahren arbeiteten, um in der Onkologie die Entwicklung von Karzinomen zu überwachen. Die Spektroskopie ist ein bekanntes Verfahren. Ein definierter Lichtstrahl wird auf einen Stoff oder Gegenstand gerichtet und das reflektierte Licht gemessen.

Das absorbierte, nicht reflektierte Licht erlaubt den Rückschluss auf Qualität und Quantität des untersuchten Objektes, denn jedes Material „schluckt" ein ganz bestimmtes Licht. Die Spektroskopie ist grundsätzlich eine schonende Methode. Der Patient muss nicht geschnitten oder gestochen werden, und ein zu prüfendes technisches Objekt bleibt gleichermaßen unversehrt.

Gemeinsam mit Ärzten sowie einem befreundeten Hochschullehrer für Architektur und Stadtplanung aus der Produktgestaltung und der Präferenzforschung dachte Hoheisel an die Gründung eines Unternehmens. Er wollte die bisher ungezählten und ungekannten Möglichkeiten der Spektroskopie im Alltag nutzen.

Jeder sollte jederzeit und an jedem Ort seinen Gesundheitszustand mit Hilfe dieser Technik messen können. Die Daten sollten per Mobilfunk zur Auswertung an einen Rechner übermittelt werden, um von dort auf gleichem Wege die Ergebnisse zurückzuspielen. Mobil-funkanbieter, die viel Geld in ihre UMTS-Netze gesteckt hatten, suchten nach Inhalten, um die Netze sinnvoll zu nutzen.

Hoheisels Team beteiligte sich mit der Idee des Spektrometers für jedermann im Jahr 2000 am nationalen Gründungswettbewerb „Promotion Nordhessen". Der Ökonom setzte weniger auf das Preisgeld, sondern vielmehr auf die versprochene Unterstützung während der Wettbewerbsphase durch erfahrene Unternehmer und McKinsey. Hoheisel gewann den Wettbewerb und gründete sein Unternehmen, das schließlich unter Opsolution firmierte.

Verschiedene Mobilfunkanbieter zeigten Interesse. Gemeinsam mit Partnern entwickelte Opsolution ein ergonomisch angenehmes Spektrometer, das einer Computermaus ähnelt und auf die Haut gelegt wird. Es ist mit marktüblichen grünen und roten Leuchtdioden und einer Optik bestückt. Dieses Auge des Messgerätes hat Zeiss in Jena entwickelt. Das Gerät, das den Namen Biozoom erhielt, erfasst Wellen im Spektralbereich von 500 bis 1 000 Nanometer. Über den Funkstandard Bluetooth gehen die Daten an ein Mobiltelefon, von dort zum auswertenden Rechner und sogleich zurück zum Nutzer.

Der Cytochromwert gibt Auskunft über die Fitness

Bisher misst das Spektrometer den Cytochromwert, ein Enzym, das Rückschlüsse auf den Gesundheits-zustand des Nutzers zulässt. Hoheisel spricht vom Fitnesswert. Fer-ner lassen sich mit der ersten Generation des Messgerätes der Wasserhaushalt des Organismus und lokale Fettanteile überall dort am Körper bestimmen, wo das Spektro-meter angelegt wird.

Der Anwendung sind kaum Grenzen gesetzt. Die Idee könnte die Diagnostik in der Medizin verändern und unterstützen. Aufgaben könnten sich – auch unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsort des Arztes – aus der Hand des Mediziners oder der medizinischen Fachkraft in die des Patienten verlagern. Aber auch in der Lebensmittelkontrolle oder der Materialprüfung öffnet die Mobilfunk-Spektroskopie neue Möglichkeiten.

Auf der Computermesse Cebit in Hannover begann 2006 der Probelauf für Biozoom. 20 000 Messungen und Analysen übermittelten die Gerätekombinationen während der Messetage. Opsolution erreichte mit der neuen Technik den zweiten Platz des Innovationspreises der Cebit. Das Gerät misst durchaus zuverlässig. Im Vergleich der Messungen des Sauerstoffdurchsatzes (VO2 max.) bei einer sportmedizinischen Untersuchung (Spirometrie) und durch Spektroskopie stimmen die Resultate in 82 Prozent der Fälle überein.

Das sei ein „Top-Resultat", sagt Hoheisel. Aber es reiche nicht, wenn ein Produkt für den Endverbraucher konzipiert sei. Ein Freizeitsportler unterwerfe sich einer solchen Diagnose einmal im Jahr oder im Quartal. Mögliche Ergebnis-Schwankungen fielen dem Patienten nicht auf, und der Arzt wüsste sie zu interpretieren und dem Laien zu erläutern. Mit dem Spektrometer messe der Nutzer aber womöglich mehrfach täglich selbst seine Fitnesswerte.

Wenn sie schwankten, was physiologische Gründe haben, aber auch in der Fehlertoleranz begründet sein könne, gerate der Nutzer vielleicht ins Grübeln. Darum benötigt Hoheisel weitere klinische Studien und eine größere Zahl an Probanden, um einen Algorithmus zu entwickeln, der die physiologischen Eigenschaften des Körpers besser ab-bildet, damit die Messergebnisse stetiger ausfallen.

Die Messgenauigkeit ist noch nicht hoch genug

12 Millionen Euro haben Hoheisel und seine Partner aus der Industrie bisher in das Verfahren investiert. Damit seien zwei Drittel des Weges zur Markteinführung zurückgelegt, sagt Hoheisel. Er sucht Partner für das letzte Drittel. Er ist kein Typ, der aufgibt.

Diese Möglichkeit ist für ihn undenkbar. 35,3 Millionen Mobilfunknutzer allein in Europa haben Interesse an seiner Entwicklung, zitiert Hoheisel eine Marktstudie und verliert sein Ziel nicht aus dem Blick. Die Arbeit an seinem Erfolg beginnt für ihn jeden Morgen auf dem Fahrrad. Eine Stunde lang stemmt er sich in die Pedale und erfährt 33 Kilometer der kuppigen, sportlich anspruchsvollen kurhessischen Mittelgebirgslandschaft, bevor er in sein Unternehmen geht: „Das brauche ich auch."

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