344
Passwort vergessen

Kommen die Apotheken-Kette und der Franchise-Arzt?

Kommen die Apotheken-Kette und der Franchise-Arzt?

  • Innovation
  • Titel
  • 01.02.2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 2/2007

Fielmann heißt der Vorreiter im Franchising und der Filialisierung in der Gesundheitswirtschaft. Die Optik-Kette machte vor, was die Zukunft der Zahnärzte und Apotheker sein könnte.

Günther Fielmann war und ist ein Überzeugungstäter: Im Herbst 1972 eröffnete der staatlich geprüfte Augenoptiker und Augenoptikermeister sein erstes augenoptisches Fachgeschäft in Cuxhaven. Heute verkauft Fielmann in seinen 571 Niederlassungen nahezu jede zweite deutsche Brille. 2006 waren das 5,8 Millionen Brillen.

Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit gut 11100 Mitarbeitern einen Umsatz von 913 Millionen Euro – inklusive Franchise-Geschäft und industrieller Fertigung von Brillengestellen. Alle Fielmann-Niederlas-sungen werden von Augenoptikermeistern geleitet, um ein hohes Beratungs- und Qualitätsniveau zu gewährleisten. Das Konzept geht auf. 2006 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn vor Steuern von 107 Millionen Euro. Nach Steuern blieben 72 Millionen Euro.

Die Schlüssel zum Erfolg sind die Filialisierung und der Aufbau eines Franchise-Systems für die Marke und das Konzept „Fielmann". Die Kunden lockte von Beginn an vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis, denn bei Fielmann gab es Brillen zum Kassen-Preis – also ohne Zuzahlung.

McZahn, Dr. Z, MacDent noch mit geringem Erfolg

Mit diesem Grundprinzip hat Fielmann es zum absoluten Marktführer der Augenoptikerbranche in Deutschland und Europa geschafft: 2006 erwirtschaftete Fielmann mit fünf Prozent aller deutschen Optikgeschäfte einen Anteil am Gesamtumsatz der Branche von 21 Prozent. Gemessen an der Zahl verkaufter Brillen erreichte Fielmann sogar 48 Prozent des deutschen Marktvolumens.

Fielmann hat mit seinem neuen Konzept die Branche der Augenoptik gründlich verändert. Dennoch hatte die Fielmann-Idee über lange Zeit keine direkten Nachahmer in der Gesundheitswirtschaft. Erst in der jüngsten Zeit gibt es vor allem auf dem Markt für Zahnersatz, aber auch auf dem Apothekenmarkt erste Franchisemodelle und Ansätze zur Filialisierung.

In der Zahnbehandlung existieren derzeit drei Unternehmen, die sich – in Anlehnung an das Fielmann-Konzept – mit Franchise-Praxen versuchen. Die größte Aufmerksamkeit fand die McZahn AG, deren erste Franchise-Praxis Ende September 2006 in Krefeld ihre Pforten geöffnet hatte. Das Konzept klang einfach und bestechend, obschon
McZahn damit bisher nicht reüssierte: Wer sich zahnärztlich versorgen lässt, erhält den Regelleistungs-Zahnersatz zum Nulltarif – also ohne die innerhalb der GKV sonst vorgeschriebene Zuzahlung. Ermöglicht werden sollte dies durch die Fertigung des Zahnersatzes in China.

Der zweite Teil des Geschäftsmodells beruht auf einem Franchising-System: Die Franchise-Nehmer, also die Zahnärzte, die in den McZahn-Praxen arbeiten, nutzen das Geschäftskonzept sowie die räumlichen und werblichen Rahmenmöglichkeiten, die von McZahn entwickelt und für die Praxen vorgehalten werden, die zur Kette gehören. Mit 450 eigenen Praxen wollte der Willicher Franchise-Geber bis Ende 2009 den deutschen Markt besetzen, wie es auf der Internet-Seite der McZahn AG einmal hieß.

Mittlerweile ist die Euphorie längst verflogen. Im Februar 2007 gab es erst zwei McZahn-Praxen, und im Mai war auf der McZahn-Website von insgesamt vier Praxen zu lesen. Zudem gab es eine in Bünde, die aber nicht mehr arbeitet, nachdem es dort zu Streit zwischen McZahn und einem Zahnarzt gekommen war. Der Streit führte dazu, dass nahezu 100 Patienten statt des zugesagten in China gefertigten Zahnersatzes mit Provisorien vorliebnehmen mussten.

Zumindest im Fall McZahn scheint sich die Skepsis der Zahnärzte-Organisationen zu bestätigen, die früh warnten, dass das Franchise-System nicht mit der Berufsordnung vereinbar sei. Abschreckend wirken auf die Zahnärzte auch die Kosten. Sie müssen mit 35000 Euro einen hohen Einstiegspreis an McZahn zahlen und im laufenden Betrieb bis zu 45 Prozent ihres Umsatzes an McZahn abführen. Der  hohe Satz gilt vom vierten Ge-schäftsjahr an. Schließlich wenden die Kritiker ein, dem Zahnarzt würden vom Franchise-Geber zu viele Entscheidungen abgenommen, etwa die Entscheidung darüber, wo der Zahnersatz gefertigt werde.

Derzeit gibt es zwei Konkurrenten, die ähnlich wie McZahn arbeiten. Am 2. Oktober 2006 öffnete in Düsseldorf die erste Filiale der Dr. Z GmbH, deren Geschäftsprinzip weitgehend mit dem von McZahn identisch ist. Nur lässt Dr. Z den Zahnersatz nicht in China fertigen, sondern zum Beispiel in der Türkei. Ein weiterer Konkurrent im Franchise-System ist die MacDent Zahnärztliche Behandlungskonzepte AG mit Sitz im schleswig-holsteinischen Eckernförde. Dr. Armin Jäkel, Zahnarzt und Vorstandsvorsitzender der MacDent AG, wirbt auf der Website der Firma vor allem mit Transparenz, Qualität und Garantieleistungen.

MacDent vereinbare in einem Franchise-Vertrag ein umfassendes Paket von Qualitätssicherungsmaßnahmen mit Zahnarztpraxen, die bereit und in der Lage seien, diese einzuhalten und von MacDent überprüfen zu lassen. Zahnarztpraxen, die mit diesem Siegel ausgestattet seien, leisteten bestimmte Mindeststandards. Dafürstehe MacDent. Darüber hinaus gebe es eine „langjährige Qualitätsgarantie auf Zahnersatz, Kronen und Inlays".

Die Apotheker beschwören den Dolchstoß

Ende April war die Beschaulichkeit der deutschen Apotheken-Landschaft dahin: Seit der Pharmahändler Celesio bekannt gegeben hat, dass er von Privat Equity-Unternehmen deren 90-Prozent-Anteil an der Versandapotheke DocMorris übernimmt, die wegen ihrer unkonventionellen Methoden häufig als „Robin Hood" der Apotheken-Szene apostrophiert wird, brennen bei den Apotheker-Organisationen die Warnlampen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor den Folgen der von Celesio beabsichtigten Bildung einer Apotheken-Kette in schrillsten Tönen gewarnt wird. Die Rede ist unter anderem vom „Dolchstoß", wie es Anfang Mai im Leitartikel des offiziellen Blattes der Apotheker-Organisationen, der Pharmazeutischen Zeitung, hieß.

Celesio hatte zugeschlagen, nachdem es DocMorris im Saarland gelungen war, mit Unterstützung des dortigen Justiz- und Gesundheitsministers Josef Hecken eine Apotheke zu übernehmen. Das daraus entstandene Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ist noch anhängig, doch wird erwartet, dass der Hof sich der Rechtsauffassung Heckens anschließen und das deutsche Fremd- und Mehrbesitzverbot für Apotheken kippen wird.

Das wäre dann das Startsignal für Celesio, seine neue Tochter DocMorris zum Aufbau einer eigenen Apotheken-Kette in Deutschland zu nutzen. Ein Plan zur Bildung einer Apotheken-Gruppe nach dem Franchise-System liegt fertig in den Schubladen von DocMorris – doch umgesetzt werden soll er erst nach dem Richterspruch.
Fritz Oesterle, Vorstandsvorsitzender der Celesio, sagte, „mit diesem Schritt sichert sich Celesio die einzige deutschlandweit bekannte Apothekenmarke". Mit Blick auf die erwartete Liberalisierung des deutschen Apothekenmarktes sei der Kauf von DocMorris ein logischer Schritt. Die Übernahme entspreche „unserer Überzeugung, Wachstumschancen zu nutzen, sobald dies wirtschaftlich Sinn macht – auch in Deutschland".

Wie also wird sich der Europäische Gerichtshof entscheiden? Wird er das deutsche Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken verwerfen, weil es mit den EU-Verträgen unvereinbar sei? Und wird ferner das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) die Grundlage schaffen, um Franchise- und Filialkonzepte für die ambulante ärztliche oder integrierte Versorgung zu entwickeln? Kommt also nach Fielmann, McZahn und DocMorris bald „McGyn", „Dr. Diabetes" und „DocCox"? Die Ketten können funktionieren, wenn man sie nur richtig knüpft.

Autor

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Empfehlung der Redaktion

Entgeltverhandlungen 2018: Was Krankenhäuser jetzt wissen müssenm

Weitere Artikel dieser Ausgabe

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich