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Robert Schrödel, Vorstandsvorsitzender der Vanguard AG, über Beweggründe, Chancen und Risiken der Unternehmensdiversifizierung

Mehr Effizienz durch innovative Dienstleistungen

Mehr Effizienz durch innovative Dienstleistungen

  • Interviews
  • Unternehmen & Markt
  • 01.03.2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 3/2007

Der Ausbau von Unternehmen über das eigene Kerngeschäft hinaus ist bisher auf dem Gesundheitsmarkt eher selten. Eingeschlagen hat diesen Weg die Vanguard AG. Über Beweggründe, Chancen und Risiken dieser Diversifizierung sprach „Die GesundheitsWirtschaft“ mit Robert Schrödel, dem Vorstandsvorsitzenden der Vanguard AG.

Vanguard verfolgt mehrere Entwicklungspfade gleichzeitig: Internationalisierung durch Tochtergesellschaften in Europa und Asien, Diversifizierung durch neue Dienstleistungsangebote wie etwa Hightech-Versorgungszentren für Krankenhäuser und die Einbeziehung auch des Beratungsbereiches durch die Übernahme der Mehrheit des Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert. Was ist die strategische Formel, unter der diese unterschiedlichen Aktivitäten zusammenlaufen?

Schrödel: Die strategische Formel unseres Unternehmens ergibt sich sozusagen als zwingende Konsequenz aus der heutigen Situation in der Gesundheitswirtschaft. Schlagworte in diesem Kontext sind Kostendruck auf der einen und Steigerung von Effizienz, Produktivität und Qualität auf der anderen Seite. Diese Situation ist nicht national begrenzt, sondern spiegelt sich in nahezu allen westlichen Industriegesellschaften wider.

Die Gesundheitswirtschaft stellt zwar wie kaum eine andere Branche einen dynamischen Wachstumsmarkt dar – nach Einschätzungen von Experten wird sich der Markt der Gesundheitsdienstleistungen in Deutschland von heute 260 Milliarden auf etwa 400 bis 450 Milliarden Euro im Jahr 2020 entwickeln und damit um rund 70 Prozent wachsen –, die Akteure im Gesundheitswesen sehen sich jedoch in immer stärkerem Maße einem enormen Kostendruck gegenüber. Genau hier setzt Vanguard an: Gemeinsam mit ausgewählten Partnern entwickeln wir technologiegetriebene innovative Dienstleistungen und erhöhen dadurch die Effizienz insbesondere im Klinikbereich.

? Ist denn die Aufbereitung von Sterilgut – Ihr Ausgangsprodukt – heute auch noch der Schwerpunkt der Aktivitäten von Vanguard?

Schrödel: Vanguard versteht sich als Partner der Medizin, das heißt als innovativer Dienstleister für die Krankenhauswirtschaft. Unsere Kernkompetenz ist ganz eindeutig der optimierte Einsatz von Medizinprodukten. Ein optimiertes Ressourcenmanagement gilt für das gesamte Medizinproduktespektrum, sei es also die Aufbereitung und die Versorgung mit hochkomplexen Medizinprodukten wie beispielsweise Ablationskathetern, das Management standardchirurgischer Instrumente oder Management und Betrieb medizintechnischer Anlagen.

Bei der Internationalisierung lassen sich von außen schwer Muster erkennen, nach denen Sie vorgehen. Was entscheidet darüber, in welchem Land Sie als nächstes Ihre Dienstleistungspalette anbieten und eine Tochtergesellschaft gründen?

Schrödel: Die Entscheidung, in welchem dieser Länder wir welche Leistungen in den Markt bringen, hängt vom Vorhandensein geeigneter Kooperationspartner einerseits und von strukturellen Gegebenheiten des jeweiligen Landes andererseits ab. Dabei werden unsere Dienstleistungen nach Bedarf im konkreten Fall an die jeweiligen länderspezifischen Besonderheiten adaptiert. In wichtigen europäischen Märkten wie Frankreich, Spanien oder Großbritannien hat die Vanguard-Gruppe so bereits Joint Ventures oder operative Tochtergesellschaften etabliert.

Lassen Sie uns auf den Einstieg von Vanguard in den Beratungsmarkt von Kliniken eingehen: Unter welchem Gesichtspunkt passen denn solche Beratungsleistungen und Ihr Kerngeschäft zusammen?

Schrödel: Bei Lohfert & Lohfert handelt es sich nicht um ein Beratungsunternehmen im klassischen Sinne, vielmehr geht es um den medizinischen Prozess und die Frage, wie medizinische Inhalte verändert und an die Bedürfnisse der Patienten angepasst werden können. Das Thema Prozesse steht auch bei Vanguard im Fokus.

So haben wir in unser Angebot zuletzt immer stärker auch die Optimierung von Abläufen aufgenommen. Und die enorme Kompetenz, die Lohfert & Lohfert in diesem Bereich besitzt, macht sie für uns zu einem idealen Partner. Das Wichtigste hierbei ist aber, dass wir gemeinsam nicht nur Lösungen für Prozessoptimierung anbieten können, sondern mit unseren Möglichkeiten auch gleich die Realisierung dazu – allerdings behält der Kunde die Wahl, denn beide Unternehmen bleiben ja innerhalb der Gruppe nebeneinander bestehen.

Ihr Ziel ist also die Integration der zusätzlichen Expertise von Lohfert & Lohfert in das Gesamtangebot der Vanguard-Gruppe?

Schrödel: Genau! Hinzu kommt aber noch ein weiterer Gesichtspunkt: Bei vielen unserer Kunden teilen wir ja durch die vereinbarte Art der Vergütung – Pay per Case – Chancen und Risiken mit ihnen. Dafür ist es aber ganz elementar, dass wir selbst auch intensiv die Kernprozesse eines Krankenhauses verstehen und ihre Optimierung wirklich beherrschen.

Ein neues Produkt von Vanguard sind Hightech-Versorgungszentren für Krankenhäuser. Was ist der Hintergrund?

Schrödel: Der Ansatz ist erneut Kostenoptimierung durch verbesserte Prozesse: Das Hightech-Versorgungszentrum wird in der Lage sein, die Versorgungsströme des gesamten Sachbedarfs von Kliniken und Großkliniken zu bündeln.

Mit diesem Konzept wird Vanguard ein bislang einzigartiges integriertes Ressourcen-Management etablieren, das qualitätsgesichert und IT-gestützt die Krankenhäuser just in time mit den benötigten Instrumenten und sonstigen Materialien versorgt. Dadurch ergeben sich für unsere Kunden nicht nur enorme Kostenvorteile beispielsweise durch geringe Kapitalbindungskosten, auch die gesamte Materialwirtschaft und alle Prozessabläufe rund um den OP werden mit neuer Technik transparenter und effizienter organisiert.

Eine Ihrer Kernaussagen lautet, ohne Innovationen gebe es kein Wachstum. In Ihrer Interpretation heißt das vor allem Prozessinnovation.

Schrödel: Das ist in der Tat so etwas wie mein Credo. In heutigen Gesundheitsversorgungsstrukturen herrscht ein erheblicher Mangel an Prozessinnovationen. Nur durch solche Innovationen aber, also durch die Veränderung unwirtschaftlicher Strukturen und Prozesse, lassen sich die erforderlichen Einsparungen auch wirklich realisieren. Vanguard stellt beispielsweise Krankenhäusern modulare Versorgungskonzepte für den Kerngeschäftsbereich OP zur Verfügung. Das ist nichts anderes als die Bereitstellung technischer Prozessressourcen – bei Bedarf zusammen mit einer Finanzierung nach dem Public-Private-Partnership- Modell. Die resultierenden Effizienzsteigerungen wirken natürlich unmittelbar auf die Ergebnisqualität.

Wie sieht es mit den Möglichkeiten der Prozessinnovation in der ambulanten Versorgung aus?

Schrödel: Integrierte Versorgungsmodelle und Medizinische Versorgungszentren stellen hier erste Lösungsansätze für eine cross-sektorale Versorgung dar. Insbesondere in Ballungsräumen mit einer vergleichsweise hohen Versorgungsdichte werden so genannte Gesundheitscenter eine starke Bedeutung erhalten. In diesen Centern werden nicht nur die heute agierenden Partner kooperieren; vielmehr wird es zu einer stärkeren Verzahnung medizinischer Dienstleister mit nicht-medizinischen Anbietern kommen.

Diesen Herausforderungen stellt sich Vanguard sowohl als Technologiepartner als auch als Betreiber medizinischer Einrichtungen. Unsere Expertise aus dem Betrieb kooperativ angelegter Netzwerke hochspezialisierter chirurgischer Zentren werden wir dabei gezielt in einer Center-orientierten Versorgung in deutschen wie europäischen Ballungsräumen nutzen.

Wie groß ist das Risiko eines Unternehmens wie Vanguard, das nahezu ausschließlich auf innovativen Projekten aufbaut, und wie begrenzen Sie dieses Risiko?

Schrödel: Das Risiko bei der Entwicklung von Prozess-innovationen sind nicht die Innovationen selbst, sondern die Entwicklungsgeschwindigkeit und die zügige Implementierung in vorhandene Versorgungsstrukturen. Dieses Risiko konnten wir in der Vergangenheit durch die Nähe zum Kunden und eine rechtzeitige Analyse der marktseitigen Aufnahmebereitschaft unserer Lösungen ausschließen. An diesem bewährten Prinzip wollen wir auch in Zukunft festhalten.

Das Gespräch führte Dr. Uwe K. Preusker.

 

Auf Expansion ausgerichtet

Die Erfolgsgeschichte hört sich fast unglaublich an: Erst 1998 mit gerade einmal 16 Mitarbeitern mit dem Fokus auf der Wiederaufbereitung von Einmal-Produkten durch validierte Verfahren für Sterilgut gegründet, steht die Vanguard Health Care Group heute mit fast 1300 Mitarbeitern, einem Umsatz-Volumen von nahezu 100 Millionen Euro und Aktivitäten in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Polen und China als internationaler Spezialist für den optimierten Einsatz von Medizinprodukten da.

Damit ist Vanguard heute – so die Unternehmensdarstellung – europaweit Marktführer in der Aufbereitung von Medizin- und Sterilprodukten und Deutschlands größter Anbieter von Outsourcing-Konzepten für die zentrale Sterilgutaufbereitung in Krankenhäusern.

Strategisches Konzept hinter dieser schnellen Expansion: Lösungen für die Bedürfnisse der Kunden insbesondere aus dem Krankenhausbereich zu entwickeln, die die Prozesse und damit die Wirtschaftlichkeit verbessern und international nutzbar sind. Bisher wohl größter Erfolg der Internationalisierungs-Strategie: Ende 2006 schloss Vanguard mit der britischen Krankenhauskette BMI Healthcare, einer Tochter der General Healthcare Group (GHG), einen Zwölf-Jahres-Vertrag über die zentrale Sterilgutversorgung aller insgesamt 49 Krankenhäuser von BMI ab.

Doch auch in Deutschland geht das Konzept der Diversifizierung des Dienstleistungsangebotes auf. So nahm Vanguard im Herbst 2005 das erste Hightech-Versorgungszentrum für die Vivantes-Gruppe in Berlin in Betrieb – ein Konzept, das auch in anderen Regionen Deutschlands auf großes Interesse stößt. Nach Unternehmens-Angaben nutzen derzeit mehr als 1450 Kliniken europaweit, darunter 680 Kliniken in Deutschland, die Dienstleistungen der Vanguard AG.

Mit der Übernahme der Mehrheit des Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert im Frühjahr 2007 hat Vanguard einen Schritt aus seinem bisher klassischen Arbeitsumfeld hinaus getan und das Angebot der Vanguard-Gruppe insbesondere um Fach-Know-how für medizinische Prozesse erweitert. Der nächste Schritt – bereits durch die aktive Beteiligung an hochspezialisierten chirurgischen Zentren vorbereitet – könnte das kooperative Betreiben von Zentren zur crosssektoralen Patientenversorgung in europäischen Ballungsräumen sein, betont Vanguard-Chef Robert Schrödel im Interview mit „Die GesundheitsWirtschaft“.

Die hinter dieser schnellen Diversifizierung und Expansion stehende Unternehmenskultur, die sich auch im Rahmen der mehrheitlichen Übernahme des Beratungsunternehmens Lohfert & Lohfert zeigt, sind vor allem die Orientierung an den Problemen der Kunden sowie ein gleichgerichtetes Interesse an einer Verbesserung der Prozesse, Flexibilität bei der Entwicklung von darauf abgestimmten Lösungen – und unbedingter Erfolgswille. 

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