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Die innovative Brache verlangt nach einem Masterplan

Medizintechnik setzt sich für besser abgestimmte Förderung ein

Medizintechnik setzt sich für besser abgestimmte Förderung ein

  • Innovation
  • Wissenschaft & Forschung
  • 01.03.2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 3/2007

Die Medizintechnik ist eine Branche, wie sie sich Politiker nur wünschen können: innovativ, wachstumsstark und exportorientiert. Sie forscht, entwickelt und produziert für einen wachsenden Weltmarkt, schafft Arbeitsplätze und gilt als krisenresistent. Dennoch fühlt sich die Branche von der Politik nicht richtig wahrgenommen und verlangt nach einem „Masterplan Gesundheitswirtschaft“. Wir fragten den Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) und Mitglied des Vorstands, Joachim M. Schmitt: „Warum?“

Herr Schmitt, warum braucht Deutschland einen „Masterplan Gesundheitswirtschaft“?

Schmitt: In der Gesundheitswirtschaft können durch ein dynamisches Wachstum in den nächsten Jahren über eine Million neue Stellen entstehen. Einen wesentlichen Teil hierzu kann die hochinnovative Medizintechnologiebranche beitragen. Dies setzt voraus, dass durch einen „Masterplan Gesundheitswirtschaft“ hierfür die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Derzeit sind die politischen Kompetenzen auf drei Ministerien – Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – verteilt. Darüber hinaus gibt es noch Abteilungen im Kanzleramt, die sich mit der Thematik befassen. 

Mittel der Forschungs- und Wirtschaftsförderung werden von den jeweiligen Ministerien ohne Wissen der anderen Ministerien nebeneinander vergeben. Außerdem gibt es Probleme mit der Erstattung neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Deshalb fordern wir einen „Masterplan Gesundheitswirtschaft“, der mit allen Ministerien abgestimmt wird. Ein Koordinator, der von der Bundesregierung benannt wird, soll die Abstimmung übernehmen.

Auf welche Summe belaufen sich die staatlichen Förder- und Forschungsprogramme für die Medizintechnologie?

Schmitt: Ihre Frage weist schon auf ein zentrales Problem hin: Wir wissen es nicht. Denn wegen der Vielfalt der verschiedenen Fördermöglichkeiten lässt sich eine Gesamtsumme schwer benennen. In der Wirtschaftsförderung gelten die Förderprogramme zum Beispiel für eine Vielzahl von Unternehmen, und nicht nur speziell für die Unternehmen der Medizintechnologie. Doch im Rahmen der Hightech-Strategie hat die Bundesregierung angekündigt, für die Gesundheitsforschung und Medizintechnik in den Jahren 2006 bis 2009 insgesamt 800 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen.

? Welche Studien über die Medizintechnik wurden in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Politik angefertigt?

Schmitt: Die wichtigste und umfassendste Studie war die „Studie zur Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich“, die im Jahre 2005 vorgelegt wurde. Die Studie hat ein Konsortium unter Federführung des Aachener Kompetenzzentrums Medizintechnik (AKM) und der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt.

Darüber hinaus wurde nahezu parallel eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zum Thema „Die Medizintechnik am Standort Deutschland“ durchgeführt und veröffentlicht. Diese erfolgte in Zusammenarbeit des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin mit Markus Wilkens vom VDI Technologiezentrum Düsseldorf und Prof. Klaus-Dirk Henke von der TU Berlin. Der BVMed hat die Studie durch Unternehmensbefragungen unterstützt. Hinweisen möchte ich in diesem Zusammenhang auch auf eine interessante Studie von Cepton im Auftrag des BVMed aus diesem Jahr.

Und was ist die zentrale Botschaft all dieser Analysen?

Schmitt: Der Gesundheitsmarkt wird wachsen. Medizinprodukte sind unersetzlich für Gesundheit und Lebensqualität. Innovative Medizintechnologien sind eine Investition in das Leben und die Leistungsfähigkeit der Menschen. Die Medizintechnik ist eine Zukunftsbranche, die sich durch eine hohe Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit auszeichnet. Sie trägt durch ihre Innovationen erheblich zur besseren und kostengünstigeren medizinischen Versorgung in Deutschland bei.

Zu Beginn des Jahres legte die Bundesregierung den „Aktionsplan Medizintechnik 2007–2008“ vor. Wie sieht der Plan aus?

Schmitt: Der BVMed sieht den „Aktionsplan Medizintechnik“ als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem zwischen allen beteiligten Regierungsressorts abgestimmten Masterplan für die Gesundheitswirtschaft. Im Rahmen ihrer Hightech-Strategie hatte die Bundesregierung den „Aktionsplan Medizintechnik“ im Februar 2007 veröffentlicht. Wichtigstes Ziel ist es, die Forschungs- und Wettbewerbssituation Deutschlands weiter zu verbessern und auszubauen. Zugleich sollen die BMBF-Förderaktivitäten in der Medizintechnik gebündelt werden. Wichtige Themen sind die Bildgebung, die Medizintechnik in Rehabilitation und Pflege sowie die Medizintechnik für die regenerative Medizin.

Der vorgelegte Aktionsplan ist jedoch nicht abschließend. Er soll unter Mitwirkung aller Beteiligten weiterentwickelt werden. Der BVMed und seine Mitgliedsunternehmen bringen sich aktiv in diesen Prozess ein. Ziel ist es, die Förderinstrumente noch zielgenauer auszugestalten. Im Aktionsplan fehlten aus Sicht des BVMed Ansätze für neue Finanzierungsmodelle von innovativen Medizintechnologien.

Der Satz im Aktionsplan „Angesichts des Kostendrucks im Gesundheitswesen müssen die gesundheitsökonomischen Aspekte medizintechnischer Innovationen aber stärker als bisher berücksichtigt werden“ ist eine richtige Analyse, die nun aber mit Leben gefüllt werden muss. Gesundheitsleistungen, die lebenserhaltend oder gar lebensrettend sind, müssten auf jeden Fall weiterhin solidarisch finanziert werden. Zur Finanzierung von Innovationen aber, die die Lebensqualität verbessern, müsste man die Einführung von Mehrkostenregelungen im ambulanten und stationären Bereich vorantreiben.

Herr Schmitt, es gibt also schon viel Geld vom Staat. Auch fehlt es nicht an Analysen und Plänen. Warum verlangen Sie dann weiterhin nach der betreuenden Fürsorge durch den Staat? Misstrauen Sie den eigenen Kräften oder dem freien Markt?

Schmitt: Tatsache ist doch, dass das Gesundheitswesen aktuell ein politisch hoch regulierter Markt mit begrenzten Mitteln ist. Es bedarf also eines übergreifenden Ansatzes unter Einbeziehung der Politik und der Unternehmen. Ein Masterplan mit seiner strategischen Betrachtung über Ressortgrenzen hinweg bietet gute Ansatzpunkte dafür, um aus der auf reine Kostendämpfung ausgerichteten gesundheitspolitischen Perspektive herauszukommen und Deutschland als Kompetenzzentrum für Gesundheit zu etablieren.

Durch verschiedene Zuständigkeiten und gegenläufige Ansätze kommt es bisher zu Reibungsverlusten zwischen den verschiedenen Ressorts. Ein Masterplan Gesundheitswirtschaft soll nicht darin verharren, den Ist-Zustand zu analysieren und Empfehlungen für die Zukunft zu geben. Vielmehr soll er für die Zukunft verbindlich die Ziele und deren konkrete Umsetzung in der Gesundheitswirtschaft regeln. Hierzu gehört auch eine ausreichende Finanzierung. Nach der Lissabon-Strategie sollen die Länder der EU drei Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes in Forschung und Entwicklung investieren. Dieses Ziel haben wir in Deutschland noch nicht erreicht.

Was wird geschehen, wenn es den Masterplan nicht geben wird?

Schmitt: Zuständigkeits- statt Prozessdenken wird weiterhin die wenig vernetzten Organisationsstrukturen in Politik wie Krankenkassen prägen. Eine Politik des „Schwarzen Peters“, in der es für die jeweiligen Akteure Sinn macht, Kosten zu Lasten Anderer einzusparen, charakterisiert weiterhin unser Gesundheitswesen. Wir haben kein innovationsfreundliches Vergütungssystem. Unser im internationalen Vergleich nach wie vor hervorragender Standort ist damit mittelfristig gefährdet.

Herr Schmitt, wie innovativ ist die Medizintechnikbranche?

Schmitt: Die Medizintechnologie ist eine dynamische und hoch innovative Branche. Bei Patenten und Welthandelsanteil liegt Deutschland auf Platz 2 hinter den USA. Rund ein Drittel ihres Umsatzes erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die weniger als drei Jahre alt sind. Durchschnittlich investieren die forschenden MedTech-Unternehmen rund neun Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Der Innovations- und Forschungsstandort Deutschland spielt damit für die MedTech-Unternehmen noch eine wichtige Rolle. Zum Vergleich: Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Umsatz beträgt in der äußerst innovativen Chemischen Industrie fünf Prozent, in der Verarbeitenden Industrie insgesamt 3,8 Prozent.

Auch die Zahl der angemeldeten Patente zeigt, dass die Medizintechnologie die innovativste Branche ist. Nach Angaben des Europäischen Patentamtes in München führt die Medizintechnik die Liste der angemeldeten Erfindungen mit 14700 Patenten an. 11,4 Prozent der Patentanmeldungen kommen damit aus dem Med-Tech-Bereich. Danach folgen erst die elektronische Nachrichtentechnik mit zehn Prozent und die EDV mit 6,7 Prozent.

Könnte die Branche innovativer sein, wenn die Krankenhäuser offensiver neue Techniken anwendeten?

Schmitt: Ja. Hierfür müssten aber die Voraussetzungen, insbesondere die Mechanismen zum Erhalt von Innovationsentgelten, verbessert werden. Im Krankenhausvergütungssystem müssen zukünftig mehr Mittel für die Innovationsfinanzierung zur Verfügung gestellt werden. Statt den Krankenhäusern Solidaropfer zu Gunsten der Krankenkassen abzuverlangen, wäre dieses Geld besser in Innovationen und Versorgungsforschung investiert.

Fördern die Kassen denn innovative Technologien überhaupt nicht?

Schmitt: Durch die Gesetzliche Krankenversicherung gibt es keine direkte Förderung innovativer Medizintechnologien. Für die Krankenhausversorgung können zwar Innovationsentgelte für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden vereinbart werden. Aber nach unseren Erkenntnissen werden zurzeit nur etwa 50 Millionen Euro von 50 Milliarden Euro Krankenhausausgaben für diese Innovationsentgelte aufgewandt. Dies sind nur 0,1 Prozent der Krankenhausausgaben. Die Gründe hierfür liegen hauptsächlich im bürokratischen Verfahren und der Blockadehaltung der Kostenträger.

Beklagen nur Sie als Interessenverband die Blockade durch die Kostenträger?

Schmitt: Nein, zu diesem Ergebnis kommen auch die Autoren der Cepton-Studie. Innovative Medizintechnologien werden in Deutschland zu restriktiv eingesetzt und ihre Potenziale nicht ausreichend genutzt. Die Innovationshürden im deutschen Gesundheitssystem liegen nach dieser Studie vor allem in den trägen und komplizierten Erstattungssystemen, in der kurzfristig orientierten Budgetkontrolle, in den sektoralen Interessen, in denen ambulante versus stationäre Versorgung stehen, und in der teilweise mangelnden Kenntnis innovativer Therapien.

In Deutschland entscheidet der „Gemeinsame Bundesausschuss“, was die gesetzlichen Kassen bezahlen. Finden die Medizintechniker dort Gehör?

Schmitt: Nicht in ausreichendem Maße. Die Mitwirkungsmöglichkeiten der MedTech-Unternehmen an den Prozessen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) müssten verbessert werden. Um die Sachkenntnis zu innovativen Produkten und Verfahren zu erhöhen, braucht die Industrie eine Antrags-, Mitwirkungs- und Einspruchsmöglichkeit. Die fallbezogene Nennung des jeweiligen medizinischen Experten kann über den Industrieverband erfolgen.

Herr Schmitt, die Medizintechnik kostet Geld, aber sie kann – volkswirtschaftlich betrachtet – durch eine rasche oder schonende Heilung Geld sparen und zudem die Lebensqualität der Patienten steigern. Da liegt es doch an Ihnen, durch eine „Versorgungsforschung“ die Erfolge nachzuweisen. Betreiben Ihre Mitgliedsfirmen solche Forschung?

Schmitt: Hier stecken wir noch in den Kinderschuhen. Die Grundlagen- und fachübergreifende Forschung, mit der die Kranken- und Gesundheitsversorgung und ihre Rahmenbedingungen kausal erklärt und weiterentwickelt wird, muss künftig einen größeren Stellenwert im Gesundheitswesen bekommen. Aus Sicht der Industrie- und Handelsunternehmen wird mehr Versorgungsforschung benötigt, um die Gesamtkosten einer Therapie darstellen und so die individuellen Vorteile für Patienten und die Volkswirtschaft langfristig aufzeigen zu können.

Wir brauchen auf diesem noch neuen Gebiet bessere Allianzen mit stärkerer Praxisorientierung. Rationalität und Machbarkeit müssen bei der Erstellung des Datenmaterials von Industrie, Anwendern und den entsprechenden gesundheitspolitischen Institutionen ausgewogen festgelegt werden. Insbesondere mit den Krankenkassen müssen solche Vereinbarungen im Konsens getroffen werden.

 

Erfolg im Kampf gegen Herzinsuffizienz

Die Kardiale Resynchronisations-Therapie (CRT) ist ein volkswirtschaftlicher Gewinn für das Gesundheitssystem. Je Patient können vom ersten Behandlungsjahr an etwa 3000 Euro eingespart werden. Die verbesserte Lebensqualität ist in dieser Summe nicht enthalten, sie ist nicht in Geld zu messen. CRT wird bisher von Herz-Spezialisten in etwa 120 Krankenhäusern Deutschlands eingesetzt. Wie bei vielen innovativen Verfahren gibt es jedoch auch hier ein Problem: Die für das Krankenhaus anfänglich entstehenden Kosten für CRT-Geräte führen oft dazu, dass Patienten über diese Therapieoption nicht informiert werden.

Herzinsuffizienz, auch als Herzmuskelschwäche bezeichnet, gilt als das bedeutendste kardiale Krankheitsbild unserer Zeit – mit wachsender Inzidenz. In Deutschland sind nach Schätzungen 1,5 Millionen Menschen betroffen, 50000 sterben jährlich daran. Die Herzschwäche wird meist medikamentös behandelt. Aber die Medikamente können nur Symptome lindern, den koordinierten Herzrhythmus können sie nicht wiederherstellen. Die CRT ist eine Behandlungstherapie, die für etwa ein Drittel aller Patienten mit fortgeschrittener Herzschwäche infrage kommt.

Eine komplexere Gerätefamilie enthält zusätzlich einen Defibrillator. Die Kombination beider Therapieprinzipien kann viele Herzinsuffizienz-Patienten, die zudem unter zu schnellem Herzschlag leiden, vor dem plötzlichen Herztod bewahren. Die Gesamtsterblichkeit sinkt, die Lebensqualität steigt, und die Klinikaufenthalte werden gegenüber der medikamentösen Therapie seltener und kürzer. Schließlich werden Herztransplantationen vermieden.

Quelle: Aktion Meditech

 

Telekardiologie rettet Leben und spart Geld

Die wirtschaftlichen Vorteile der Telekardiologie werden derzeit in einer Reihe von Studien evaluiert. Erwartet wird ein erhebliches Einsparungspotenzial im Gesundheitswesen durch den Wegfall von Nachsorge-Untersuchungen und durch die Früherkennung von neu auftretenden Arhythmien. Die Kosten für die Anwendung der Telekardiologie werden zurzeit noch nicht von den Krankenkassen erstattet. Eine Verordnung über Privatliquidation ist jedoch möglich.

Jährlich erhalten in Deutschland mehr als 100000 Patienten einen Herzschrittmacher (HSM), einen implantierbaren Cardioverter-Defibrillator (ICD) oder ein Herzinsuffizienz-Therapiesystem für die Kardiale Resynchronisations-Therapie (CRT). Mit Telekardiologie kann die Therapie für diese Patienten noch weiter optimiert, die Sicherheit der Patienten erhöht und ihr persönliches Sicherheitsgefühl gesteigert werden.

Telekardiologie ist eine hoch innovative und patientenfreundliche Form der ärztlichen Betreuung und Nachsorge von Herzschrittmacher- und ICD-Trägern. Mittels einer im Implantat eingebauten Antenne und moderner Mobilfunktechnik können Ärzte an jedem Ort der Welt die Herzdaten ihrer Patienten kontrollieren und gegebenenfalls Maßnahmen einleiten. Die im Schrittmacher oder Defibrillator eingebaute kleine Antenne sendet Daten über den kardiovaskulären Zustand des Patienten sowie technische Parameter des Implantats an ein Empfängergerät, den „Cardio-Messenger“, der zum Beispiel am Gürtel getragen werden kann oder auf dem Nachttisch steht.

Der Cardio-Messenger übermittelt die Daten an ein Service-Center, wo sie aufbereitet und in Form eines Cardio Reports an den Arzt weitergeleitet werden. Der behandelnde Arzt kann über einen geschützten Internetzugang auf die Patientendaten zugreifen, diese auswerten und – falls erforderlich – entsprechende Maßnahmen ergreifen. Bei besonderen Auffälligkeiten informieren E-Mails, Faxe oder SMS-Nachrichten den Arzt zusätzlich.

Die technische Machbarkeit und die Sicherheit der Datenübertragung mit Telekardiologie wurden 2002 in einer internationalen Studie nachgewiesen. Die Patienten empfanden die telekardiologische Überwachung als zusätzliche Sicherheit und die Handhabung des Patientengerätes als problemlos. Die vorläufige Zwischenauswertung einer weiteren, noch laufenden Studie ergab, dass bei der Mehrzahl der routinemäßigen Nachsorgen keine Therapie-Änderungen vorgenommen werden. Anhand der Cardio Reports lässt sich die Notwendigkeit für die Nachsorge-Untersuchungen ablesen.

Durch Verzicht auf nicht notwendige Nachsorgen könnten in erheblichem Umfang Zeit und Kosten gespart werden. Diverse Fallbeispiele aus den Studien belegen, dass sowohl technische Probleme wie Elektrodendislozierungen als auch Veränderungen des medizinischen Zustands des Patienten – wie das Auftreten von Vorhofflimmern – durch Telekardiologie zeitnah erkannt und behoben oder adäquat therapiert werden können. Auch der Erfolg einer geänderten medikamentösen Therapie kann schnell und mit geringem Aufwand überprüft werden.
Telekardiologie ist in Deutschland flächendeckend verfügbar. Voraussetzung ist, dass der Patient in einem Gebiet mit Mobilfunkabdeckung (GSM-Netz) lebt. Derzeit werden über 3000 Patienten in Europa mittels Telekardiologie betreut. Ärzte, die die Technologie noch nicht nutzen, können jederzeit „einsteigen“.

Quelle: Aktion Meditech

 

Die zweite Bandscheibe macht schnell mobil

Patienten, die aufgrund einer starken Degeneration der Wirbelsäule chronische Rückenschmerzen haben, werden in der Regel zunächst rund sechs Monate konservativ behandelt. Tritt bei ihnen in dieser Zeit keine Besserung ein, kann die Implantation einer künstlichen Bandscheibe medizinisch sinnvoll sein. Der Eingriff ist auch wirtschaftlich gesehen von Vorteil, weil den Patienten Behandlungen wie Physiotherapie, Krankengymnastik, Injektionen und zahlreiche Arztbesuche erspart bleiben. Außerdem sind die Betroffenen nach der Implantation schnell wieder mobil und können in der Regel bereits vier Wochen nach der Operation in ihren Beruf zurückkehren.

Die Implantation einer künstlichen Bandscheibe ist grundsätzlich eine Kassenleistung. Patienten können sie in einer der knapp 900 orthopädischen oder unfallchirurgischen Kliniken Deutschlands durchführen lassen. Patienten, die sich ein Maximum an Beweglichkeit bewahren wollen, sollten sich auf jeden Fall vorab erkundigen, ob ihr Operateur tatsächlich die Implantation künstlicher Bandscheiben anbietet. Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 800000 Menschen zwischen 30 und 60 Jahren einen Bandscheibenvorfall.

Meist helfen konservative Therapien wie Krankengymnastik, Schmerzmedikation, Mittel zur Muskelentspannung und Gewichtsabnahme. Schreitet die Abnutzung einzelner Bandscheiben dennoch fort, können irgendwann die Wirbelknochen aufeinander reiben. In solchen Fällen hilft nur noch eine Operation. Im Jahr 2006 wurden in Deutschland rund 100350 Menschen operiert. Früher führten Ärzte vielfach so genannte „Versteifungsoperationen“ (medizinisch: Fusion) durch: Nach Entfernung der kranken Bandscheibe werden die betroffenen Wirbel beispielsweise über ein Schrauben-Stab-System miteinander fixiert und so stabilisiert. Nachteil: Die Verschraubung der Wirbel schränkt die Beweglichkeit der Wirbelsäule insgesamt zum Teil erheblich ein. Längst aber sind innovative künstliche Bandscheiben verfügbar. Zur Behandlung der beiden betroffenen Wirbel wird eine künst­liche Bandscheibe in den Wirbelzwischenraum implantiert.

Die Implantation dauert heute dank minimalinvasiver Operationsmethoden nicht länger als zwei Stunden. Ärzte können inzwischen über den Bauchraum operieren. Die Patienten sind danach schnell wieder mobil, dürfen bereits am nächsten Tag aufstehen und sind mit begleitender Krankengymnastik nach vier bis sechs Wochen wieder körperlich leicht belastbar. Eine spezielle Beschichtung der künstlichen Bandscheibe sorgt dafür, dass sie innerhalb von drei Monaten fest in den Wirbelknochen einwächst; die Patienten dürfen dann sogar wieder Sport treiben.

Untersuchungen legen nahe, dass die Implantation künstlicher Bandscheiben ähnlich effektiv ist wie Krankengymnastik und Injektionen. Ein entscheidender Vorteil ist allerdings, dass operierte Patienten meist weniger Schmerzen erdulden müssen als konservativ behandelte – und das bei gleichem Behandlungsergebnis. Obwohl zur Standzeit der Prothesen noch keine systematischen Langzeituntersuchungen vorliegen, ist allgemein bekannt, dass die Modelle der ersten Generation auch nach 15 Jahren noch funktionieren.

Quelle: Aktion Meditech
 

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