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Die Gesundheitswirtschaft muss auf die Medien zugehen

Die Gesundheitswirtschaft muss auf die Medien zugehen

  • Strategie
  • Titel
  • 01.04.2007

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 4/2007

Klinikschließungen, Pflegeengpässe, Ärztemangel, Rationalisierungen, Investitionsstau, Wettbewerb, Gesetzesänderungen – die Gesundheitswirtschaft sorgt täglich für Meldungen. Dennoch tun sich viele Medien schwer mit dem Thema, nicht zuletzt aufgrund ihrer traditionellen Ressortaufteilung. Häufig fehlen Ideen und Experten, die die Branche kontinuierlich beobachten. Aber auch die Gesundheitsbranche muss erkennen, dass sie bei den Medien in der Bringschuld steht.

Das Hamburger Wirtschaftsmagazin „Brand Eins" gehört mit zu den Pionieren der Berichterstattung gesundheitswirtschaftlicher Themen. Bereits 2002 wurde diesem Thema ein Schwerpunkt gewidmet, ein weiterer folgte 2006. Schon seit vielen Jahren begleitet die „Financial Times Deutschland" mit ihrer wöchentlichen Gesundheitswirtschaftsseite und der monatlichen Beilage „Medbiz" regelmäßig und intensiv die Branche. Das gilt auch für die Nordausgaben von „Welt" und „Welt am Sonntag". Zum dritten Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg publizierten sie eine vierseitige Sonderbeilage „Gesundheitswirtschaft".

Auch die „Ärzte Zeitung", die einzige Tageszeitung für Ärzte in Deutschland, berichtet anlassbezogen über die Gesundheitsbranche, zumeist im Zusammenhang mit Kongressen und der Veröffentlichung von Zahlen, Daten und Fakten. Durch das Erscheinen von „KMA" und „Die GesundheitsWirtschaft" hat sich auch die Fachzeitschriften-Landschaft verändert. Leser suchen verstärkt nach ganzheitlicher Berichterstattung. Es reicht anscheinend nicht mehr aus, nur auf den eigenen Sektor zu schauen. Führungskräfte, aber auch viele Mitarbeiter, wollen über den Tellerrand hinausblicken. Sie wollen wissen, was passiert in der Branche, wie kann man sich frühzeitig auf neue Entwicklungen und Veränderungen einstellen.

Die Ressortaufteilung erschwert das Umdenken
Doch offensichtlich erschwert die Ressortaufteilung in den Medien die Wahrnehmung der Gesundheits-wirtschaft. Viele Pressestellenleiter und Kommunikationsverantwortliche berichten, dass sie mit ihren Themen zwischen die Stühle fallen: Lokales, Wirtschaft, Medizin, Wissenschaft, Politik oder Wochenendbeilagen? Wer ist zuständig? Im schlimmsten Fall niemand.

Das Thema Gesundheitswirtschaft fügt sich nicht in die traditionelle Ressortaufteilung der Medien. Viele Themen können nicht aufgenommen werden, bleiben in den Ressorts hängen, werden nicht weitergegeben, denn es gibt keine Branchenexperten.

Das Gesundheitswesen ist traditionell ein soziales Thema, gehört zum Lokalen, zur Gesundheitspolitik, zur Medizin. Keinesfalls zur Wirtschaft. Nur: Die tradierten Sektoren wandeln sich. Aus dem früheren Absatzmarkt für die Industrie heraus entstehen Kooperationen und Allianzen sektorübergreifend. Kapital aus anderen Branchen fließt in den Gesundheitsmarkt.

Die privaten Krankenhausunternehmen haben ihren Einfluss ausgebaut, die staatlichen und kirchlichen Kliniken und Pflegeeinrichtungen müssen im Wettbewerb bestehen, und nicht wenige tun das durchaus mit Erfolg. Die alten Trennlinien funktionieren nicht mehr. Kommunale und kirchliche Häuser gehörten früher in den Lokalteil, heute sind sie selbst Wirtschaftsunternehmen mit besonderer Prägung. Medizintechnik, Medizinprodukte-Hersteller und private Klinikunternehmen gehörten in den Wirtschaftsteil.

Wenn heute Kooperationen, Fusionen, Netzwerke, Allianzen oder Entwicklungspartnerschaften entstehen und sich Gesundheitsdienstleister zu GmbH und AG umwandeln, passen die alten Ordnungsschemata nicht mehr. Die Redaktionen wären gut beraten, umzudenken. Denn wenn sich eine Branche mit 4,2 Millionen Beschäftigten und deren Millionen Familienangehörigen, mehr als 15 Millionen Patienten pro Jahr und rund 80 Millionen Krankenversicherten wandelt, kann ein hohes Maß an öffentlichem Interesse an diesem Wandel unterstellt werden.

Was also unterscheidet die Berichterstattung über die Gesundheitswirtschaft von der über andere Branchen? Ganz offenbar die Tatsache, dass über viele Jahrzehnte alles, was mit medizinischer Versorgung zusammenhing, als Sache der Ärzte und der Selbstverwaltung, der Interessensgruppen sowie der staatlichen Wohlfahrtsaufgabe verstanden wurde, aber nicht als Wirtschaftszweig, der Werte und Arbeitsplätze schafft und vor allem Gesundheitsdienstleistungen für den Patienten erbringt. Das Umdenken aber benötigt Zeit – nicht nur in der Politik, sondern auch in den Medien.

Vielleicht muss man von den anderen Branchen lernen. Die Automobilhersteller zum Beispiel können sich stets einer breiten Berichterstattung sicher sein. Das Interesse der Leser an Mobilität und Technik ist groß. Die neuesten Pkw-Modelle werden vorgestellt, Vergleichstests durchgeführt. Die Motorjournalisten sind fleißig und räumen der Berichterstattung großzügig Platz ein. Die Autobranche schaltet viele Anzeigen. Das tun auch die Unternehmen der Gesundheitswirtschaft. Auch sie nutzen die Medien für Werbung und Marketing. Sie werben für ihre Dienstleistungen und Produkte, sie suchen Mitarbeiter und Führungskräfte.

Und dennoch: „Der Hafen ist in – Stiefkind Gesundheitswirtschaft?" lautete das Thema der diesjährigen Vorabend-Veranstaltung vonPressesprechern und Medien zum Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg. In der Diskussion mit Gabriele Fischer, Chefredakteurin von „Brand Eins", und Dr. Marius Schneider, Mitglied der Chefredaktion vom „Hamburger Abendblatt", wurde unter anderem der Vorschlag diskutiert, einen „Key-Accounter Gesundheitswirtschaft" für große Redaktionen einzurichten.

Als Instrument, um die Kommunikation zwischen der Branche und den jeweiligen Medien zu verbessern. Viele Pressesprecher erhoffen sich dadurch, einen Ansprechpartner für ihre Themen zu finden, statt an den jeweiligen Zuständigkeiten innerhalb der Redaktion zu scheitern.

Gesundheitswirtschaft kann von anderen lernen
Die Gesundheitswirtschaft muss sich gezielt den Medien zuwenden. Seminare und Hintergrundgespräche sollten veranstaltet werden, wie es andere Verbände und Interessensgruppen bereits tun. Auch die Politik ist gefordert. Themen müssen verankert werden. Ein wenig ärgerlich ist allerdings, dass die Zeitschriften und Publikationen der Industrie- und Handelskammern in den Regionen und Bundesländern noch nicht regelmäßig über die Gesundheitswirtschaft berichten.

Dennoch ist für Ungeduld kein Platz. Die Gesundheitswirtschaft scheint in der Wahrnehmung der Medien angekommen zu sein. Nun müssen die Vertreter der Medien und der Gesundheitsbranche nur noch erkennen, dass es eine Win-win-Situation zu nutzen und auszubauen gilt.

Siegmar Eligehausen ist Kommunikations- und Medienberater für Unternehmen der Gesundheitswirtschaft in Hamburg.

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