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Gesundheitserziehung im Grundschulalter lohnt sich, wie eine Studie zeigt

Gesunde Kinder

Gesunde Kinder

  • Politik
  • Titel: Politik & Nachhaltigkeit
  • 01.04.2015

Gesundheits Wirtschaft

Ausgabe 4/2015

Gesundheitserziehung im Grundschulalter wirkt auch über die Schulzeit hinaus. Das zeigt die Evaluation von Klasse2000, einem bundesweiten Präventionsprogramm für Jungen und Mädchen. Selbst drei Jahre später greifen sie deutlich seltener zu Zigarette und Alkohol.

Prävention sollte so früh wie möglich beginnen. Am besten im Kindes- und Jugendalter, bevor gesundheitsschädigendes Verhalten zur Gewohnheit wird – das ist allgemeiner Konsens. Auch das im Juni 2015 vom Deutschen Bundestag verabschiedete Präventionsgesetz soll gesundheitsfördernde Projekte in den Lebenswelten Schule und Kindertagesstätte unterstützen. Bislang gibt es jedoch relativ wenig wissenschaftlich fundierte Belege dafür, dass frühe Prävention tatsächlich wirksam ist. Eine Studie des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung Kiel (IFT-Nord) belegt nun, dass Primärprävention im Grundschulalter mit dem Unterrichtsprogramm Klasse2000 auch noch drei Jahre nach Ende des Programms positive Wirkungen zeigt, vor allem auf den Tabak- und Alkoholkonsum von Jugendlichen.

Klasse2000 ist das in Deutschland am weitesten verbreitete Grundschulprogramm zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung. Es begleitet Kinder von Klasse eins bis vier. Eine Besonderheit daran ist, dass Lehrer mit speziell geschulten Gesundheitsförderern zusammenarbeiten. Diese führen zwei- bis dreimal im Schuljahr neue Themen in den Unterricht ein, die die Lehrkräfte dann vertiefen. Pro Schuljahr gibt es etwa 15 Unterrichtseinheiten zu folgenden Themen: gesund essen und trinken, bewegen und entspannen, sich selbst mögen und Freunde haben, Probleme und Konflikte lösen sowie kritisch denken und Nein sagen, zum Beispiel zu Alkohol und Tabak.

Nein sagen zu Tabak und Alkohol

Für die Lehrer gibt es ausgearbeitete Unterrichtsvorschläge, eine spezielle Fortbildung ist nicht nötig. Und den Kindern werden Spiele und interessante Materialien geboten, zum Beispiel ein Atemtrainer, ein Taschenhirn und ein Gefühlebuch. Das Programm wird kontinuierlich überarbeitet, und die laufende Prozessevaluation gehört ebenfalls dazu. Träger von Klasse2000 ist ein gemeinnütziger Verein. Das Programm wird über Spenden und Fördergelder finanziert, meist in Form von Patenschaften für einzelne Klassen (220€ pro Klasse und Schuljahr). Paten sind zum Beispiel Eltern, Fördervereine, Lions Clubs, Krankenkassen, Stiftungen, Firmen und Geschäfte.

Bundesweit haben sich im Schuljahr 2014/15 3.391 Schulen mit 18.932 Klassen und über 427.000 Kindern an dem Programm beteiligt. Die Wirkung des Ganzen hat das IFT-Nord in einer Längsschnittstudie mit zwei Nachbefragungen belegt. Dafür hat man Klasse 2000-Kinder mit einer Kontrollgruppe verglichen, die nicht am Programm beteiligt war.

Ein Ergebnis: Bereits gegen Ende der Grundschulzeit zeigte sich, dass die Klasse2000-Kinder seltener mit dem Konsum von Alkohol und Nikotin begonnen hatten, über ein größeres Gesundheitswissen verfügten und stärker als die Kontrollgruppe davon überzeugt waren, selbst etwas für ihre eigene Gesundheit tun zu können.

Als weiteres Ergebnis zeigten sich Auswirkungen über die Grundschulzeit hinaus. In beiden Nachbefragungen (Mitte der sechsten und Ende der siebenten Klasse) lag die Lebenszeitprävalenzrate für das Rauchen bei den ehemaligen Klasse2000-Jugendlichen deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe. Bei der zweiten Nachbefragung waren die Jugendlichen im Durchschnitt knapp 13 Jahre alt und damit im kritischen Einstiegsalter für den Konsum von Nikotin und Alkohol. Zu diesem Zeitpunkt gaben knapp acht Prozent der Schüler der Interventionsgruppe an, schon einmal geraucht zu haben, während es in der Kontrollgruppe 19,7 Prozent waren. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Inzidenz des Rauchens: 5,7 Prozent der Interventionsgruppe hatten nach der vierten Klasse mit dem Rauchen begonnen, bei der Kontrollgruppe waren es 15 Prozent. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Teilnahme am Unterrichtsprogramm Klasse2000 nicht nur im Interventionszeitraum positiv wirkt, sondern auch noch drei Jahre nach dem Ende der Intervention.

Jugendliche betrinken sich seltener

Ein Effekt auf die Intensität des Alkoholkonsums zeigte sich bei der zweiten Nachbefragung bei der Untergruppe derjenigen Jugendlichen, die schon einmal heimlich Alkohol getrunken hatten. Die ehemaligen Klasse2000-Kinder waren deutlich seltener schon einmal betrunken als die Kontrollgruppe (3,6 Prozent versus 25,9 Prozent), hatten weniger als halb so oft Erfahrungen mit Binge-Drinking (21,4 Prozent versus 48,2 Prozent) und tranken, wenn sich die Gelegenheit bot, wesentlich seltener drei und mehr alkoholische Getränke (3,6 Prozent versus 25,9 Prozent).

 

Die Ergebnisse sind insofern bedeutsam, als Klasse2000 kein Modellprojekt ist, das lediglich in einer kleinen Anzahl von Klassen für einen begrenzten Zeitraum angeboten wird, sondern ein Programm, das mit 14,2 Prozent der Grundschulklassen mehr Kinder erreicht als jedes andere Präventionsprogramm im Grundschulalter. Dieser Verbreitungsgrad ist das Ergebnis der inzwischen fast 25-jährigen Kooperation der am Projekt beteiligten Akteure.


Befragungen an hessischen Schulen

An der Evaluationsstudie des IFT-Nord waren hessische Schulen beteiligt. Von 2005 bis 2008 hat die AOK Hessen die Studie finanziert, die Nachbefragungen 2009 und 2011 finanzierte der Verein Programm Klasse2000 e.V. Befragt wurden 119 Grundschulklassen in Hessen. Bei der letzten Befragung wurden die Eltern um ihr Einverständnis und ihre Adresse gebeten, sodass ein Teil der Kinder auch über die Grundschulzeit hinaus mit standardisierten Fragebögen befragt werden konnte. In der sechsten Klasse konnten 501 Kinder befragt werden, am Ende der siebenten Klasse, und damit 36 Monate nach dem Ende der Intervention, konnten die Daten von 408 Kindern den Daten aus ihrer Grundschulzeit zugeordnet werden. Die Autoren der Studie sehen den „vergleichsweise langen Nachuntersuchungszeitraum" als „Alleinstellungsmerkmaldieser Studie".

Die vollständige Studie ist unter econtent.hogrefe. com/doi/abs/10.1024/0939-5911.a000365 abrufbar.


 

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