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Schreiben an Gesundheitsausschuss des Bundestages

Erste Daten zu möglichen Personaluntergrenzen

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Der Kabinettsbeschluss zur Festlegung von Personaluntergrenzen von Anfang April fußt bereits auf detaillierten Vorschlägen, in welchen Bereichen Mindestvorgaben für Pflegepersonal sinnvoll sind. Das zeigt ein Schreiben von Ingrid Fischbach, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG), an den Vorsitzenden und die Mitglieder des Bundestags-Gesundheitsausschusses, das BilbiomedManager vorliegt. 

Demnach hat Jonas Schreyögg, Professor für Management im Gesundheitswesen an der Universität Hamburg, bereits im Mai 2016 für die Expertenkommission der Bundesregierung zum Pflegepersonal im Krankenhaus eine entsprechende Expertise erstellt, die BibliomedManager ebenfalls vorliegt. Laut dieser gibt es 15 Bereiche im Krankenhaus, in denen höhere Personalzahlen zu einer geringeren Anzahl von Komplikationen – gemessen als sogenannte pflegesensitive Ergebnisindikatoren (PSEI) – führen würden. Die Größenordnung des vermuteten Personalmehrbedarfs schwankt dabei: Würden in den identifizierten Leistungsbereichen die schlechtesten zehn Prozent der Abteilungen, die ein vergleichsweise geringes Verhältnis von Pflegepersonal zu Patienten aufweisen, auf das Personal-Minimum der restlichen 90 Prozent erhöht, ergäbe sich ein Mehrbedarf von 1.222 bis 1.315 Pflegefachkräften in den deutschen Krankenhäusern insgesamt. Die Tabelle zeigt die einzelnen Fachabteilungen und welche Mindestpersonalzahlen sich ergäben, würde man diese anhand der Dezile oder Quartile berechnen.

Fachabteilungen und theoretische Mindestpersonalgrenzen:
Fachabteilungen, für die Mindestvorgaben an die Personalausstattung als sinnvoll identifziert wurden Höchstwert Fälle zu Pflegekraft, um "schlechtes" Quartil auf Mindestniveau der übrigen 75 Prozent zu bringen  Höchstwert Fälle zu Pflegekraft, um "schlechtes" Dezil auf Mindestniveau der übrigen 90 Prozent zu bringen 
(theoretisch von einer Pflegekraft maximale Anzahl zu versorgender Patienten)
Innere Medizin 11,44 9,31
Geriatrie 8,35 9,80
Hämatologie 6,59 8,42
Gastroenterologie 9,62 11,82
Allgemeine Chirurgie 8,04 11,04
Unfallchirurgie 9,38 11,78
Neurochirurgie 6,93 9,11
Gefäßchirurgie 8,19 9,64
Herzchirurgie 3,86 5,84
Urologie 8,27 10,09
Orthopädie 8,56 10,97
Neurologie 7,58 9,47
Strahlenheilkunde 6,94 8,44
Dermatologie 9,68 12,06
Zahn- und Kieferheilkunde, Mund- und Kieferchirurgie 6,65 8,74

Legt man statt der Dezile jedoch Quartile als Maßstab, vergleicht also die 25 Prozent mit der niedrigsten Personalausstattung mit den 75 Prozent mit dem höheren Verhältnis von Pflegekräften zu Patienten, ergibt sich sogar ein insgesamter Mehrbedarf von 5.616 bis 6.043 Pflegekräften. Dabei ist der Effekt auf die Zahl der Komplikationen der Studie zufolge je nach PSEI und Fachabteilung stark unterschiedlich. In einer neurologischen Abteilung etwa würde eine feste Mindestverhältniszahl von Pflegekräften zu Patienten den Indikator „Geschwür, Gastritis und gastrointestinale Blutung“ (PSEI 5) stärker beeinflussen als die Dekubitusrate (PSEI 1). Konkret: Eine Reduktion der Belastung einer Pflegerin um einen Patienten würde den PSEI 5 um etwa 0,06 Prozentpunkte senken, die Dekubitusrate lediglich um 0,03 Prozentpunkte.

Unterm Strich bedeutet dies etwa im Fall des Dekubitus: Würde in allen neurologischen Fachabteilungen eine Pflegekraft maximal 7,5 Patienten versorgen, sänke die Zahl der Dekubitusfälle in Deutschland um 153 auf 1.949 in den Kliniken, die die 25 Prozent der Fälle mit einem schlechteren Personalschlüssel versorgen. Insgesamt werden in diesem Quartil 166.710 Fälle versorgt.

Eine im Vergleich zur Gesamtzahl der Kliniken schlechtere Personalausstattung attestiert die Studie Häusern mit weniger als 300 Betten und teilweise auch Häusern mit 300 bis 600 Betten. Nach der Trägerschaft zeige sich in freigemeinnützigen Häusern häufiger eine schlechtere Personalausstattung als in privaten oder öffentlichen. Eine Mindestpersonalregelung für die 15 als pflegeintensiv identifizierten Fachabteilungen würde unter Einbeziehung der Fälle unter 18 Jahren und der Neonatologie, für die bereits eine Mindestpersonalregelung existiere, ungefähr 68,5 Prozent aller Fälle in deutschen Krankenhäusern umfassen. „Die Ergebnisse sind von hoher Robustheit“, heißt es am Ende der Studie. 

Autor

Dr. Stephan Balling

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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