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Krankenhaus-Controller-Studie

Langfristige Personalplanung in Kliniken Fehlanzeige

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Fast 90 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland verzichten auf eine längerfristige Planung ihres Personalbedarfs. Das geht aus der aktuellen Krankenhaus-Controller-Studie hervor, die der Deutsche Verein für das Krankenhaus-Controlling (DVKC) letzte Woche auf dem 25. Deutschen Krankenhaus-Controller-Tag präsentierte und die gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen ZEB und der Schumpeter School of Business and Economics erstellt wurde. Von den 146 Kliniken, die an der Studie teilnahmen (1.900 waren im Oktober und November 2017 befragt worden), gaben 62 Prozent an, ihren Personalbedarf nur ein Jahr im Voraus zu planen.

Der Großteil der Kliniken verzichtet auch auf regelmäßige Befragungen zur Mitarbeiterzufriedenheit. Lediglich 34 Prozent gaben an, diese regelmäßig zu analysieren. Immerhin nutzen weitere 45 Prozent diese anlassbezogen. Besonders in kleinen und mittleren Häusern sei das Instrument etabliert, heißt es in der Studie.

Tragen die Krankenhäuser damit selbst Schuld am in weiten Teilen Deutschlands eklatanten Mangel an Fachkräften in der Pflege, Stichwort Pflegenotstand? Björn Maier, Vorsitzender des Deutschen Vereins für Krankenhauscontrolling (DVKC), sagte: „Der überwiegend kurzfristige Zeithorizont in der Personalbedarfsplanung der Krankenhäuser ist sicher nicht die einzige Ursache für den Fachkräftemangel in der Pflege. Aber die Krankenhäuser sind sicher gefordert, mit einer längerfristigen nachhaltigen Personalpolitik einen Beitrag zu leisten, den Pflegeberuf insgesamt attraktiver zu machen und so dem Mangel an qualifizierten Pflegekräften entgegenzuwirken.“

In der Studie heißt es weiter: „Kritisch anzusehen ist das geringe Maß an abteilungsübergreifender Zusammenarbeit, das sich aus den Befragungsergebnissen ablesen lässt.“ Außerdem beschränkten sich die Berichtsinhalte „noch zu oft“ auf Mitarbeiterzahlen, Personalkosten, Überstunden und Fehlzeiten. „Kennzahlen zur Produktivität des Personaleinsatzes werden nicht in gleicher Häufigkeit genutzt.“

Auf dem Controller-Tag hob Nils Casselt von der Schumpeter School positiv hervor, dass die Digitalisierung in den Krankenhäusern „deutlich zugenommen“ habe. Immerhin 65 Prozent nutzen heute Data-Warehouse-Systeme, sagte Christian Heitmann von ZEB. 2012 seien es lediglich 43 Prozent gewesen. Das Erschreckende aus Heitmanns Sicht: Das Reporting geht nicht schneller, im Controlling sei dadurch „keine Zeitersparnis“ erkennbar. „Anscheinend ist man in den Krankenhäusern nicht in der Lage, die Prozesse zu optimieren“, sagte Heitmann. 

Kaum Fortschritte identifiziert die Studie bei den professionellen Instrumenten des kaufmännischen Controllings. Lediglich weniger als ein Viertel der Krankenhäuser verfügt demnach über eine monatliche Deckungsbeitragsrechung. Selbst quartalsweise nutze nur rund die Hälfte der Krankenhäuser dieses Instrument. „Ohne solche Informationen erscheint eine aktive unterjährige wirtschaftliche Steuerung eines Krankenhauses jedoch kaum möglich“, heißt es in der Studie.

Ein ähnliches Bild zeige sich für die Erstellung von Risikoberichten. Ein medizinisches Risikoreporting nutzen der Studie zufolge nur 49 Prozent der Krankenhäuser. 

In puncto Personal haben die Krankenhäuser in den zurückliegenden Jahren deutlich in Controller investiert. „Besonders hoch fällt der Anteil der Häuser mit Stellenzuwächsen bei den Kodierfachkräften in Krankenhäusern mit psychiatrischen Abteilungen bzw. reinen Psychatrien aus.“ Dort erfolge seit der Reform des Psychiatrie-Entgeltsystems (PsychVVG) die Kodierung verstärkt durch Kodierfachkräfte.

Autor

Dr. Stephan Balling

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