In den Vorschlägen zur Psych-Reform blieben Psychologie und Psychotherapie auf der Strecke, kritisiert der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) in einem Positionspapier und fordert, die psychologisch-psychotherapeutische Expertise mitzudenken sowie Vertreter des Fachbereichs in die Regierungskommission einzuberufen.
Zwar begrüße der Verband die Reformvorhaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), beispielsweise die sektorenübergreifende Verbesserung der Versorgung psychischer Erkrankungen mit der Schaffung flexibler Übergänge zwischen den Bereichen der ambulanten und stationären Versorgung. Allerdings sollten auch die psychologischen und psychotherapeutischen Versorgungsleistungen berücksichtigt werden. Diese fehlten in der Zusammensetzung der Kommission: Die Bereiche Medizin, Gesundheitsökonomie oder Versorgungsforschung sind vertreten, Psychologie sowie Psychotherapie jedoch nicht.
Trotz der Vorgaben in der Personalrichtlinie Psychiatrie (PPP-RL) in Kliniken und Krankenhäusern seien immer noch zu wenige Psychologen und Psychotherapeuten für eine leitlinienorientierte Psychotherapie eingestellt. "Überraschenderweise findet die Psychotherapie als leitlinienorientierte Heilbehandlung im gesamten Text der Stellungnahme der Kommission keine Erwähnung. Dabei wünschen sich immer mehr psychisch erkrankte Menschen eine nicht ausschließlich medikamentöse, sondern wissenschaftliche und leitlinienorientierte und damit eine oftmals vordergründig psychotherapeutische Behandlung", so der BDP. Zumal nicht nur im stationären, sondern auch ambulanten Bereich schon lange ein Versorgungsmangel bei psychischen Erkrankungen bestehe, bei dem vorhandene psychotherapeutische Fachkräfte Abhilfe schaffen könnten, wie der Verband vorschlägt. "Grundsätzlich sollte bei Fragen zu psychischen Erkrankungen sowie zur psychischen und psychosozialen Gesundheit die Disziplin Psychologie beteiligt werden", heißt es in dem Papier.

