Die Verwendung der neuen elektronischen Patientenakten (ePA) in den Kliniken kommt nur schleppend in Gang. Wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) nach einer Befragung von 489 Kliniken von Ende Februar mitteilte, können die ePA lediglich 26 Prozent der Häuser krankenhausweit nutzen.
Gesetzlich sind Kliniken wie Praxen bereits seit Oktober verpflichtet, die E-Akten zu nutzen und Daten wie Befunde oder Laborwerte einzustellen.
90 Prozent der Kliniken haben der Erhebung zufolge die technische Inbetriebnahme gestartet. Gleichzeitig verfügen jedoch 18 Prozent der Häuser auch mehr als fünf Monate nach der bundesweiten Nutzungsverpflichtung noch immer nicht über ein Update ihres Krankenhausinformationssystems (KIS). Viele Krankenhäuser konnten erst weit nach der bundesweiten Nutzungsverpflichtung mit einem solchen ausgestattet werden, teilt die DKG weiter mit. Die verzögerte Auslieferung bringt einige Häuser nun in Gefahr, ab dem 1. April Kürzungen der TI-Pauschale hinnehmen zu müssen.
Eine Kernherausforderung ist den Ergebnissen der Umfrage zufolge die Praxistauglichkeit der Lösungen. So fehlen häufig notwendige Funktionen zur Umsetzung von Upload-Automatismen, was dazu führt, dass Dokumente nur händisch hochgeladen werden können. Aktuell gehen 43 Prozent der befragten Häuser davon aus, dass eine krankenhausweite Nutzung der ePA erst ab dem dritten Quartal 2026 möglich sein wird.
Rund 70 Millionen der 74 Millionen gesetzlich Versicherten haben eine E-Akte von ihrer Kasse angelegt bekommen, was man für sich auch ablehnen kann. Die ePA kann Patienten ein Leben lang begleiten. Sie soll wichtige Daten bündeln und so auch Doppeluntersuchungen und Arznei-Wechselwirkungen vermeiden.
Vize-Verbandschefin Henriette Neumeyer sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Noch können nicht alle Kliniken bestehende elektronische Akten von Patienten einsehen und nutzen." Der Zeitplan der Politik sei ehrgeizig gewesen. "Dabei wurden viele Schwierigkeiten unterschätzt."
Aktuell nehmen nach Angaben der mehrheitlich bundeseigenen Digitalagentur Gematik 80.128 der 98.500 Arztpraxen teil. Dabei waren Ende vergangener Woche auch 27.000 Zahnarztpraxen, 11.600 Apotheken und 1.172 Kliniken.
dpa/cs
